Bundesbank holt die Hälfte des Goldschatzes heim

26.08.2017 07:00  Von:: Markus Blaschzok

Die Bundesbank hat die Heimholung der Hälfte ihrer Goldreserven aus dem Ausland abgeschlossen, indem sie die letzten verbleibenden 91 Tonnen aus Paris abzog. 50,6% der Goldreserven im Volumen von 1.710 Tonnen sollen sich nun in den Frankfurter Tresoren befinden. Eine offizielle Überprüfung mit eindeutigen Beweisen für die Existenz der Reserven gab es bisher nicht, jedoch ist eine Barrenliste im Umlauf, die die Existenz des Goldes belegen soll. 1.236 Tonnen des deutschen Goldes werden weiterhin in den Tresoren der Federal Reserve in New York verwahrt und weitere 432 Tonnen in den Tresoren der Bank of England. Offiziell verfügt die Bundesrepublik Deutschland mit 3.378 Tonnen über den nach den USA weltweit zweitgrößten Goldschatz.
 
Seit dem Jahr 2013 wurden insgesamt 674 Tonnen zurückgeholt – das ist ein erstaunlich langer Zeitraum für den einfachen Transport einiger Goldbarren. Dieser Umstand wirft weiterhin Zweifel an der Verfügbarkeit bzw. der Existenz des Goldes auf. Auch werden Vermutungen gehegt, dass die Notenbanken das Gold erst marktschonend in kleinen Dosen aufkaufen müssen, um es allmählich nach Deutschland liefern zu können. Immerhin liegt man mit der Repatriierung drei Jahre vor dem Zeitplan, der eine Heimholung der Hälfte der Reserven bis Ende 2020 vorsah.    

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Die Hälfte der deutschen Goldreserven befinden sich nun in Frankfurt. (Quelle: Deutsche Bundesbank)

Hintergrund der Heimholungsaktion war öffentlicher Druck auf die Bundesbank seitens der privaten Initiative „Holt unser Gold heim“ unter Federführung von Peter Boehringer sowie des Steuerzahlerbundes, der dazu führte, dass der Bundesrechnungshof eine Überprüfung der Goldreserven von der Bundesbank forderte. Vor diesem Zeitpunkt wurde der Bestand noch zu keinem Zeitpunkt einer Prüfung unterzogen.
 
Auch in den USA gab es nun eine erste augenscheinliche Prüfung der US-Goldreserven durch einen Finanzminister seit dem Jahre 1948. Offiziell haben sich diese mit ihren 8.133 Tonnen seit dem Jahr 1971 nicht mehr verändert. Auf Vollständigkeit wurden sie allerdings auch seit 45 Jahren nicht mehr geprüft. Es halten sich deshalb hartnäckige Gerüchte, dass die amerikanischen Goldreserven, sowie jene ausländischer Notenbanken, längst zur Drückung des Goldpreises auf dem offenen Markt verkauft wurden. Der neue US-Finanzminister Steven Mnuchin postete in dieser Woche nach einem Besuch der Goldreserven in Fort Knox auf Twitter, dass er erleichtert wäre zu sehen, dass das Gold sicher sei.
 
Natürlich handelte es sich dabei nicht um eine Bestandsprüfung des Goldes, da er bei seinem kurzen Besuch sicherlich nicht in der Lage war 700.000 Barren auf Anzahl, Gewicht und Feinheit zu überprüfen. Weiterhin lagern nur 60% der amerikanischen Goldreserven in Fort Knox und der Rest in Denver und West Point. Damit handelt es sich bei der Meldung, dass die US-Goldreserven sicher seien, nicht um die ganze Wahrheit. Verschwörungstheorien um den Verbleib des amerikanischen Goldes werden somit am Leben gehalten.

Notenbanker diskutieren einen Ausstieg aus der billigen Geldpolitik

Aktuell treffen sich die Notenbanker im amerikanischen Jackson Hole, um ihre weitere Strategie zur Rekapitalisierung des Finanzsystems abzusprechen. Die Märkte warten gespannt auf die Reden der beiden Notenbankchefs Janet Yellen (FED) um 16 Uhr und Mario Draghi (EZB) um 21 Uhr am heutigen Abend (25.08.2017), welche deutliche Kursausschläge zur Folge haben könnten. Trotz einer starken US-Wirtschaft und einer restriktiven Geldpolitik im Zuge einer Zinswende in den USA, verlor der Dollar zum Euro rund 12% in diesem Jahr, was primär auf Spekulationen zurückzuführen ist. Der handelsgewichtete Wert des US-Dollars anhand des USD-Index fiel in diesem Jahr von 103 auf die wichtige Unterstützung bei 96 Punkten. Es ist erstaunlich, dass der Goldpreis in der amerikanischen Weltleitwährung in dieser Zeit der Dollarschwäche nicht stärker zulegen konnte. Der gesamte Preisanstieg des Goldes um 150$ ist praktisch auf die Abwertung des US-Dollars zurückzuführen und war weniger von einem Erstarken der realen Nachfrage geprägt.

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Der US-Dollar neigte in der ersten Jahreshälfte zur Schwäche.
 
Der Hintergrund der massiven Spekulation auf einen steigenden Euro liegt in der Andeutung einer Abkehr von der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Zur EZB-Sitzung im September will man erstmals einen möglichen Exit der expansiven Geldpolitik diskutieren. Selbst der immer mahnende Bundesbankchef Weidmann konstatiert dabei, dass die Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen nicht von heute auf morgen enden werden. Es ist davon auszugehen, dass diese auch im kommenden Jahr noch einige Zeit in reduziertem Umfang fortgesetzt werden, während die US-Notenbank seit drei Jahren auf der Bremse steht und plant die Notenbankbilanz erstmals in diesem Jahr zu reduzieren. In den letzten Handelstagen gab es im Bereich um die 1,18$ je Euro immer wieder deutliches Angebot, was der Fortsetzung der Rallye im Euro einen Strich durch die Rechnung machte. Nachdem es bereits mehrfach Äußerungen zu einer temporären Überbewertung des Euros zum US-Dollar gab, könnte es sein, dass die Notenbanker bereits ihre Hände auf dem Wechselkurs halten. Fällt der Euro zum US-Dollar unter den wichtigen Unterstützungsbereich von 1,175$ bis 1,17$, so könnte die Spekulationsblase im Euro und dem USD-Index angestochen werden und es zumindest zu einer vorübergehenden spekulativen Bereinigung über die nächsten Wochen mit einem schwächeren Euro und einem stärkeren US-Dollar kommen.

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Die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank haben die Geldmenge vervielfacht.



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