Der Schein trügt: Die Rezession zieht langsam auf – Euro auf Zweijahrestief

30.04.2019 08:00  Von:: Markus Blaschzok

Schwache Konjunkturdaten aus der Eurozone hatten den Euro vergangene Woche auf ein 22-Monatstief bei 1,11 $ gedrückt. Das Verkaufssignal für den Euro, das wir Anfang 2018 bei 1,25 $ mit dem Ziel bei 1,05 $ gaben, ist immer noch intakt und der Euro wird voraussichtlich in den kommenden Monaten weiter an Kaufkraft verlieren. Der Euro notiert aktuell deutlich unter seiner Unterstützung bei 1,13 $, womit die Bären weiter auf einen fallenden Euro wetten dürften. Aufgrund der in den USA aktuell noch deutlich restriktiveren Geldpolitik sowie höheren Zinsen, dürfte der Dollar in den kommenden Monaten stärker als der Euro bleiben. Gold bewährte sich als Absicherung gegen einen Kaufkraftverlust des Euros mit einem Anstieg um 21 € auf 1.155 € je Feinunze.

Zum Wochenstart erreichte der breite amerikanische Aktienindex S&P500 mit 2.941 Punkten ein neues Allzeithoch, was dem Powell-Put (Trendwende in der US-Geldpolitik, um einen Crash am Aktienmarkt zu verhindern) und dem Trump-Put (Trump redet die Wirtschaft unermüdlich gut) zu verdanken ist. Die Investoren sind zuversichtlich, dass die Notenbank einem weiteren Einbruch der Märkte jederzeit wieder mit Liquidität begegnen wird, weshalb auch der VIX (CBOE Volatility Index) bei 13 Punkten dahindümpelt, was von Sorglosigkeit der Anleger zeugt.

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Der US-Aktienmarkt notiert auf seinem Allzeithoch.

Zusätzlich gab es am vergangenen Freitag (26.04.2019) sehr gute Wirtschaftsdaten aus den USA, welche die Erwartungen der Anleger übertrafen. Statt eines Einbruchs der Wirtschaftstätigkeit wurde ein Wachstum von annualisiert 3,2 % bekanntgegeben. Die Märkte reagierten euphorisch und auch der Gold- und Silberpreis legten zu und zeigten Stärke. Dies war interessant und zeigt einen gewissen Kaufdruck am Edelmetallmarkt, denn in der Regel reagieren die Edelmetallpreise bei guten Wirtschaftsdaten schwächer.

Ein genauer Blick auf das Wachstum des BIPs zeigt jedoch, dass diese Daten nicht so gut sind, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Das Wirtschaftswachstum wurde primär durch einen starken Anstieg der Lagerbestände verursacht, von denen niemand so recht weiß, woher diese plötzlich kommen. Die Produktion und die Importe fielen hingegen in den ersten drei Monaten des neuen Jahres. Die Frage ist, wie die Lagerbestände so stark ansteigen konnten, wenn man gleichzeitig weniger produziert und weniger importiert hat. Fazit aus dieser Analyse ist, dass die Konsumausgaben um 5,3 % einbrachen, was den stärksten Einbruch der letzten zehn Jahren darstellt. Produktion, Importe und Konsumausgaben brachen ein, während das BIP nur wuchs, weil die Unternehmen zu viel produzierten, womit die Daten eigentlich sehr schlecht sind und diametral gegensätzlich für das Aufziehen einer Rezession sprechen.

Damit erklärt sich auch die Stärke der Edelmetalle zum Wochenschluss. Es ist wahrscheinlich, dass die guten Zahlen in den nächsten Monaten revidiert werden und dann das zweite Quartal womöglich besser ausfallen wird. Unter dem Strich ist die Meldung, dass die US-Wirtschaft stark wächst jedoch raus und die Investoren haben den Aktienmarkt auf ein neues Allzeithoch getrieben.



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