„Stirbt das Bargeld, stirbt die Freiheit. Ich will das nicht!“ - Interview mit Silberjunge Thorsten Schulte

10.10.2016 13:30  Von:: Tim Schieferstein

Thorsten Schulte aka Silberjunge ist Vielen als Experte für Silber-Investments aus Print, Funk und TV bekannt. Genauso engagiert, wie für den kleinen Bruder des Goldes, ist er auch für Pro Bargeld - Pro Freiheit e.V.. Hierbei handelt es sich um eine Initiative, die sich für den Erhalt des Bargelds einsetzt.

GoldSilberShop.de begrüßt den Einsatz der Initiative und gehört zu den Unterzeichnern einer dazugehörigen Petition. Mit dem nachfolgendem teils provokanten Interview haben wir versucht Thorsten Schulte etwas in die Enge zu treiben, da der Verlust des Bargelds vielleicht gar nicht so schlimm ist. Doch lesen Sie selbst!

Thorsten Schulte

Thorsten Schulte, auch bekannt als der Silberjunge

Ihre Initiative Pro Bargeld Pro Freiheit e. V. setzt sich für den Erhalt des Bargelds ein. Hand auf´s Herz: Bisher wird doch nur darüber gesprochen die Bezahlung mit Bargeld von der bisher im internationalen Vergleich hohe Summe von 15.000 Euro auf 5.000 Euro zu reduzieren. Wie kommen Sie darauf das Bargeld abgeschafft werden soll?

Wer das im Englischen Ende August und im Deutschen am 26. September 2016 im Finanzbuchverlag erschienene Buch "Der Fluch des Geldes" von Kenneth Rogoff kennt, der dürfte unsere Warnungen vor einer bargeldlosen Gesellschaft nicht als Verschwörungstheorie abtun. Rogoff war Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds und ist Harvard-Professor. Schon im Vorwort fragt Rogoff: "Warum sollten wir uns nicht einfach vom Bargeld trennen?" Er beschreibt Schritte auf dem Weg "zur aktiven Abschaffung des meisten Bargeldes", was, wie er deutlich macht, "als richtiges Ziel anzusehen ist" (Seite 281). 

Dieser Mann sitzt in der Group of Thirty neben EZB-Präsident Mario Draghi, dem Chef der Bank of England Mark Carney und dem Chef der New Yorker Fed William Dudley. Auch der zweite US-Vorkämpfer für eine Welt ohne Bargeld, der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers, gehört zu dieser von der Rockefeller Foundation 1978 ins Leben gerufenen Denkfabrik, die sicherlich vieles im Schilde führt, nur nicht im Interesse des Allgemeinwohls arbeitet. Rogoff, Summers, Draghi, Carney und Dudley sind allesamt Vertreter der Finanzelite, zusammengebracht von der Rockefeller Foundation. Rogoff will bis auf den 10-Euro- und den 5-Euro-Schein alle großen Scheine aus dem Verkehr ziehen. 

Ein sehr raffinierter Plan, denn die schleichende Umsetzung wird unbemerkt von den Massen erfolgen. Dagegen müssen wir handeln. Die EU-Finanzminister gaben im Februar der EU-Kommission den Auftrag, an einer europaweiten Obergrenze für Bargeldtransaktionen zu arbeiten. Vielleicht beträgt sie zunächst 5000 Euro, aber sie wird sinken. In Frankreich begann es mit 3000 Euro und jetzt sind es nur noch 1000 Euro. Rogoff hat sich unlängst noch mit Zentralbankvertretern in Zürich getroffen wie mir eine seriöse Quelle eröffnete. 

 

Für die meisten Leser dieses Interviews ist es wahrscheinlich länger her, dass sie einen 500-Euro-Schein in der Hand hatten – warum sollten wir ihn vermissen?

Also ich hielt ihn schon öfter in der Hand und sei es nur beim Edelmetallkauf. Der 1000-D-Mark-Schein erblickte im Juli 1964 das Tageslicht der Öffentlichkeit. Heute entspricht dieser 1000-D-Mark-Geldschein inflationsbereinigt nahezu 2000 Euro. Statt zumindest einen 1000-Euro-Schein einzuführen, die Schweiz hat bekanntlich einen 1000-Schweizer-Franken-Schein, wird jetzt der 500er aus dem Verkehr gezogen. Geht es nach Rogoff, werden der 200er, der 100er, der 50er und selbst der 20er folgen.

Die Massen werden erst aufwachen, wenn es zu spät ist, es sei denn, wir sensibilisieren nunmehr mit vereinten Kräften die Öffentlichkeit. Daher machen wir am Samstag, den 22. Oktober, eine große Kundgebung ab 14 Uhr auf der Hauptwache in Frankfurt. Kommen wir dann auch zum Hauptgrund für die Stigmatisierung des 500-Euro-Geldscheines im Besonderen und des Bargeldes im Allgemeinen. Die Zentralbanken wollen eine Flucht vor Negativzinsen in das Bargeld verhindern. Eine Million in 500er-Scheinen wiegt 2,2 Kilo und in 100er-Scheinen bereits 72 Kilo. 

 

Viele Transaktionen wickeln wir bereits heute bargeldlos ab. Was wäre daran so schlimm, wenn wir im Super-Markt an der Kasse nicht mehr auf die Kleingeld zählende Oma vor uns warten müssen? Ist es nicht ein Zugewinn an Sicherheit, wenn man kein Bargeld, das man geklaut bekommen kann, mit sich führt?

Also auch bei Kreditkartenzahlungen und Internetbezahlvorgängen gibt es Kriminalität. Eine Welt ohne Bargeld sorgt dafür, dass alle Zahlungsvorgänge nachvollziehbar werden. Der gläserne Steuerbürger wird von den Finanzministern sicher begrüßt, die totale Überwachung wird gewiss  von den meisten Innenministern gutgeheißen und auch die Preissetzungsmacht der Unternehmen steigt, die ihre Algorithmen angesichts der Messung des Konsumentenverhaltens anpassen können.

Eine Welt ohne Bargeld ist eine Welt völliger Gläsernheit und totaler Überwachung. Sie müssen nicht ins Drogen- und Rotlichtmileau gehen, um die Affinität der Bürger für das Bargeld zu verstehen. Auch Schönheitschirurgen erzählen mir beispielsweise, dass die überwältigende Zahl von Patienten bar bezahlt. Viele wollen einfach nicht, dass dies über Konten läuft. Aus meiner Sicht verständlich. In der Welt von Big Data ist eine Marginalisierung des Bargeldes bei Zahlungsvorgängen höchst gefährlich.

Stellen Sie sich vor, Unternehmen bekommen Einblicke in ihren Alkoholkonsum oder in ihre Krankheitsbilder. Klingt heute wie Panikmache, aber nehmen Sie dies alles ernst. Ich jedenfalls will meine Privatsphäre geschützt wissen und zitiere immer wieder Edward Snowden:

"Wenn man sagt, die Privatsphäre ist mir egal, ich habe nichts zu verbergen, dann ist das wie wenn man sagt, die Redefreiheit ist mir egal, ich habe nichts zu sagen".

Ich habe etwas zu sagen und will sowohl meine Redefreiheit als auch meine Privatsphäre schützen. Was, wenn aus der zunehmenden Gesinnungsdiktatur mehr wird. Starker Tobak für die meisten vermutlich heute, aber unsere Demokratie seit 1949 ist mit Blick in die deutsche Geschichte die Ausnahme und nicht die Regel.

 

Jaja, das Gespenst der negativen Zinsen auf Bankguthaben– die Banken haben bereits mehrfach betont, dass sie nur bei Großkunden erhoben werden. Da viele miteinander konkurrierende Banken um uns Privatkunden mit kostenlosen Girokonten buhlen, ist es doch eher unwahrscheinlich, dass eine davon als Vorreiter Strafzinsen einführt. Die Kunden würden ja dann reihenweise zu einer anderen Bank wechseln. Warum glauben Sie, dass Strafzinsen für Privatkunden eine reale Bedrohung für das Bankguthaben der Sparer sind?

Also Sie sehen doch bereits, dass die ersten Banken Negativzinsen einführen, besser gesagt Strafgebühren für die Verwahrung. Inzwischen haben wir Negativzinsen für Übernachteinlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank bzw. negative Leitzinsen in 25 Prozent der Weltwirtschaft.

Die seit 1977 von der Deutschen Bundesbank täglich ermittelte Umlaufsrendite aller öffentlichen Wertpapiere in Deutschland ist derzeit deutlich negativ mit -0,12 Prozent per 7. Oktober und am 6. Juli 2016 waren es sogar -0,29 Prozent. Es ist ja eine verkehrte Welt. Die Bundesrepublik Deutschland wird derzeit für das Schuldenmachen entlohnt. Begibt der Bundesfinanzminister derzeit eine Bundesanleihe mit einer Laufzeit von 4 Jahren, bekommt er jedes Jahr 0,604 Prozent.

Ist das nicht unglaublich? Negativzinsen sind so, als wenn der Reiter das Pferd trägt. Nach meiner Auswertung vom 9. Oktober gibt es derzeit in Euroland übrigens Staatsanleihen mit einer Negativrendite von 4.798 Milliarden Euro. Diese Geldpolitik macht wütend.

 

Dass die europäischen Staaten inklusive Deutschland mit einer enorm hohen Schuldenlast zu kämpfen hat, ist Fakt. Wäre da nicht der Strafzins ein einfach anzuwendendes und sozial gerechtes Mittel, um die Tilgung der Schulden breit auf alle Schultern zu verteilen? Wer vermögend ist und dementsprechend über hohe Bankguthaben verfügt, leistet einen höheren Beitrag als der Kleinsparer, der nur ein geringes Girokontoguthaben vorzuweisen hat.

Also, wenn diese Staaten sparen würden, ihre Behörden, vor allem Finanzverwaltungen einem Effizienzsteigerungsprogramm unterziehen würden, dem Schuldenschlendrian abschwören würden und an der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Volkswirtschaften arbeiten würden, dann würde ich Ihnen ja zustimmen.  Aber hier soll etwas zusammenwachsen, was nicht zusammengehört.

Ich sage ihnen, was mir Zukunftsforscher zum Besten gaben: Der französische Franc und die italienische Lira werden irgendwann über Nacht wiederkommen. Ich habe in meinem Silberbulletin ganz viele Charts zu Italien gezeigt. Italien sieht grottenschlecht aus. Fallende Immobilienpreise und stark gefallene Reallöhne setzen dem Kreditportfolio der Banken zu. Viele Kredite müssen abgeschrieben werden. Die Bankenkrise Italiens ist doch inzwischen in aller Munde.

Die Staatsverschuldung ist gigantisch, die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts wie Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze. Sollen Deutsche Sparer also über Negativzinsen, die Italien und anderen Staaten die Fortsetzung ihrer verfehlten Politik ermöglichen, jubilieren? Ich tue es nicht.

 

Wie ist es eigentlich geplant: Bisher kann man negative Kapitaleinkünfte ja auch mit positiven Kapitaleinkünften verrechnen – würde die Auswirkung von Strafzinsen vielleicht gar nicht gravierend ausfallen, da ich sie mit positiven Zinseinkünften verrechnen kann?

Mitnichten! Nach Ansicht des Bundesfinanzministeriums handelt es sich bei "negativen Einlagezinsen" um eine "Art Verwahr- und Einlagegebühr". Diese sei doch allen Ernstes bereits vom Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro jährlich erfasst. Ich halte dies für unglaublich.

Aber erinnern Sie sich noch an die Einführung der Abgeltungssteuer am 1.1.2009 und dem Versprechen, dass die bis Ende 2008 gekauften Aktien und Investmentfonds steuerfrei bleiben? Ein Gesetzesentwurf aus dem Bundesfinanzministerium will diese Steuerfreiheit Ende 2017 auslaufen lassen. Wer sich auf diesen Staat verlässt, ist verlassen. Wundern wir uns da, wenn Politikverdrossenheit steigt und steigt? 

 

Ok, Sie haben sehr deutlich dargelegt warum Reduzierung der Bargeldgrenzen sowie die drohende Abschaffung von Bargeld in Kombination mit negativen Zinsen auf Bankguthaben eine ernstzunehmende Bedrohung für jeden ist. Doch es bleibt das Problem der überschuldeten Staaten. Wie würden Sie die Schuldenlast sozialverträglich wieder auf Normalmaß reduzieren?

Zunächst einmal müssen wir uns damit anfreunden, dass der Euro in seiner jetzigen Form nicht zukunftsfähig ist. Dies ist zwar derzeit in Deutschland nicht populär zu sagen, aber was wahr ist muss wahr bleiben.

Die Schweiz fährt trotz des unglaublich starken Schweizer Franken enorme Leistungsbilanzüberschüsse ein. Deutschland hat dies mit einer starken D-Mark jahrzehntelang geschafft. Die Euro-Befürworter haben sich schuldig gemacht und jetzt schon viele Versprechen gebrochen wie das, dass kein Staat für die Schulden eines anderen haftet.

Rechtsbrüche und Rechtlosigkeit wurden inzwischen zum salonfähigen Herrschaftsprinzip erhoben. Es gibt keinen schmerzlosen Ausweg. Wir stehen in den kommenden Jahren vor größten Herausforderungen. Der Pessimist sagt mir, Nebelkerzen in Form von großen Kriegen und schlimmsten Terror werden zur Ablenkung gezündet. Der Optimist sagt mir, dass wir als Menschheit noch viele Währungen kommen und gehen sehen werden. Währungen kommen und gehen, wir Menschen bleiben. Bleiben wir trotz aller Probleme und der kommenden Krise Optimisten. Denken wir an den Ausspruch des 1. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss: "Der einzige Mist auf dem nichts wächst, ist der Pessimist". 

 

Wenn ein Leser sich aufgrund der von Ihnen vorgetragenen Argumente jetzt für den Erhalt des Bargelds einsetzen möchte, wie kann er dies am besten tun?

Kommen Sie bitte am 22. Oktober 2016 zur Hauptwache in Frankfurt, wo wir um 14 Uhr mit unserer Kundgebung beginnen werden. Wir werden dort auch auf die Unterstützung der drei größten Werttransportunternehmen bauen können, die mit drei Geldtransportern auffahren werden. Viele geben die Schlacht bereits verloren. Aber wenn alle das tun, sorgt die sich selbst erfüllende Prophezeiung dafür.

Bargeld Initiative

Die Initiative Pro Bargeld bei der letzten Kundgebung vor der Konstabler Wache in Frankfurt

Die Weimarer Republik ging zugrunde, weil es keine kämpfenden Demokraten gab. Man überließ den falschen Leuten die Politik und ich sage immer und immer wieder: Jeder Extremist ist Mist.

Unterstützen Sie unsere Petition im Internet unter http://www.pro-bargeld.com und kommen Sie zur Kundgebung.

Lassen Sie uns überparteilich eine Lanze für das Bargeld und für unsere Freiheit brechen. Meine Sorge ist, dass der technologische Wandel das Bargeld mehr und mehr zurückdrängen wird. In Schweden lehnen viele Unternehmen das Bargeld als Zahlungsmittel ab. Wenn man kein Monopolist in Deutschland ist, ist dies auch bei uns möglich. Der Gesetzgeber muss dafür sorgen, dass wir auch weiter mit Bargeld zahlen können.

Wer es nicht tun will, kann gern mit Karten zahlen und Spuren hinterlassen. Aber nochmals: Stirbt das Bargeld, stirbt die Freiheit. Totale Überwachung und vollständige Gläsernheit wären die Folge. Ich will das nicht.

Wer Gold und Silber hat und glaubt, deshalb abseits stehen zu können, irrt dabei gewaltig. Marc Faber schätze ich seit langem und durfte bereits einige Male als Redner neben ihm auftreten. In seinem jüngsten "The Gloom, Boom & Doom Report" vom 1. Oktober schreibt er, dass er Kenneth Rogoff seit mehr als 20 Jahren kenne und eine gute Meinung über den Ökonomen Rogoff gehabt hätte bis er das Buch "Curse of Cash" (Der Fluch des Bargeldes) gelesen habe. Ich kann ihn nur zu gut verstehen. Fabers weitere Worte fasse ich frei übersetzt wie folgt zusammen:

"Für die 'vollkommene' Implementierung von negativen Zinssätzen würde die Abschaffung des Bargeldes - und auch Goldes und anderer Edelmetalle- unentbehrlich sein. Deshalb, bevor meine Leser behaupten, dass eine bargeldlose Gesellschaft keinerlei Bedeutung für sie hat, weil sie nur Kreditkarten verwenden, sollten sie darauf vorbereitet sein, dass im Anschluss an die Abschaffung des Papiergelds, der nächste Schritt die Enteignung über eine  Art Notstands-Präsidentenerlass von Gold, Silber und Platin sein wird".

Genau dies schreibe und sage ich,  wann und wo immer ich kann. Wir haben auf unserer Internetseite http://www.pro-bargeld.com viele wichtige Informationen zusammengetragen. Ich hoffe, möglichst viele Freunde des Bargeldes und der Freiheit nehmen unser Angebot war und sind am 22. Oktober 2016 dabei. Viel zu viele beklagen sich zwar und kritisieren, aber die wenigsten handeln. Wer heute nur jammert, aber nichts macht, braucht uns in einigen Jahren nichts vorzuheulen. Dies mag für viele heute vielleicht zu deutlich geschrieben sein, aber es ist wie es ist.



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