Krisenherd Europa – Die Deutschen flüchten ins Gold

07.10.2017 07:15  Von:: Markus Blaschzok

Aufwärtstrend bei Gold in Euro weiterhin intakt

Am letzten Tag der Handelswoche notiert der Goldpreis bei aktuell 1.268$. Steigende Aktienmärkte mit neuen Allzeithochs sowie ein nun wieder stärker werdender US-Dollar, der den Abwärtstrend brechen konnte und nun weiter ansteigen dürfte, verhindern eine Zwischenerholung der Edelmetalle. Der Markt preist aktuell eine weitere Zinsanhebung in den USA im Dezember mit einer Wahrscheinlichkeit von 82% ein. Doch auch der ab Oktober beginnende Liquiditätsentzug durch die US Notenbank FED lässt den Dollar wieder an Stärke gewinnen, womit unsere Prognose zur Geldpolitik in Europa und den USA aus dem letzten Live-Webinar von GoldSilberShop.de exakt eingetroffen ist. Die massive Spekulation gegen den Dollar und zugunsten des Euros ist gerade dabei wie ein Kartenhaus in sich zusammenzufallen. Der Euro fiel mittlerweile von seinem Hoch bei fast 1,21$ auf 1,1685$ am heutigen Morgen ohne nennenswerte Gegenwehr, was zumindest den Goldpreis in Euro stützt, der für Investoren im Euroraum ausschlaggebend ist. In Euro kann sich der Goldpreis mit aktuell 1.085€ weiterhin über der Unterstützung des langfristigen Aufwärtstrends halten, womit der seit Anfang 2014 bestehende Aufwärtstrend immer noch intakt ist. Ein in den kommenden Monaten weiterhin zur Schwäche neigender Euro könnte die Korrektur beim Gold größtenteils ausbügeln, wenn FED und EZB weiterhin ihre Versprechen einhalten. Weder EZB Chef Mario Draghi noch FED Chefin Janet Yellen hatten in ihren Reden in dieser Woche irgendwelche Zweifel an ihren Zielen aufkommen lassen. 

 

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Der langfristige Aufwärtstrend für Gold in Euro ist weiterhin intakt.

Sezessionsbestrebungen könnten die Eurozone zerreißen


Das erfolgreiche Referendum in Katalonien zu einer Sezession von Spanien ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die Zentralisten in Brüssel. Weitere nennenswerte Sezessionsbestrebungen gibt es in Schottland, Flandern, dem Baskenland und gleich mehrere Bewegungen in der Nordhälfte Italiens. Nachdem wir erst in dieser Woche 27 Jahre Wiedervereinigung des gewaltsam getrennten deutschen Volkes feierten, würden aktuell nach Umfragen aufgrund der Politik in Berlin selbst ein Drittel der Bayern einer Sezession von der Bundesrepublik zustimmen und ein Referendum im Freistaat Sachsen wäre womöglich heute schon nicht mehr weit von einem Erfolg entfernt. In den kommenden Jahren dürften die Eurokrise sowie die hausgemachten Probleme der Eurozone zunehmen, was die Spannungen zwischen den sozialistischen Zentralisten in Brüssel und den freisinnigen Gegnern eines zentralistischen Europas verschärfen wird. Weitere Sezessionen und Austritte aus der EWU oder der EU, wie beispielsweise dem Brexit, scheinen dann gut möglich zu sein. Die Reaktion der Zentralregierung Spaniens mit Gewalt gegen die Katalanen vorzugehen, könnte ein Vorgeschmack darauf sein, wie sich Brüssel gebaren dürfte, wenn die Spannungen in den kommenden Jahren zunehmen werden. Unter diesem Licht dürfte auch die Rede des französischen Präsidenten Macron gestanden haben, der ein schnelleres Zusammenwachsen der Eurozone mit eigenem Haushalt, eigener Armee sowie einheitlichen Steuern forderte und Europa so neu gründen wolle. Die Sezession Kataloniens, die insbesondere durch eine ungerecht hohe Steuerlast genährt wird, erinnert an die Sezession der Südstaaten 1861 von den Vereinigten Staaten von Amerika aufgrund einer ebenfalls ungerecht hohen Steuerlast. Der Norden wollte den Entzug dieser Einnahmequelle durch Sezession nicht hinnehmen und so forcierte Lincoln verfassungswidrig den Bürgerkrieg mit den Südstaaten.
 
Druck auf den Euro dürfte nun also nach dem Brexit seitens weiterer Sezessionsbestrebungen kommen und ohne Katalonien dürfte der Rest Spaniens finanziell in starke Bedrängnis geraten. In diesem Fall würde sicherlich die EZB sofort Gewehr bei Fuß stehen und ihren Euro durch das Drucken von weiteren Milliarden oder gar Billionen von Euro retten. Der Kaufkraft des Euros wird dies schaden und so bleiben die Unsicherheiten in der Eurozone nicht nur bestehen, sondern sie nehmen auch zusehends zu. Die Gründe für den Erwerb von Edelmetallen bestehen somit fort und insbesondere auf langfristige Sicht von fünf bis zehn Jahren scheint es keine ernsthafte Alternative zu dem Besitz von Gold und Silber zu geben.

Deutsche sind Weltmeister bei der Anlage in Gold


Der Investmentmarkt für Goldanlageprodukte hat in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland geboomt. Nach den Zahlen des World Gold Council flossen im vergangenen Jahr 2016 rund 7 Mrd. Euro in Goldanlageprodukte zur Vermögenssicherung. Dies entspricht einer Nachfrage von 80 Tonnen. Gleichzeitig wurden noch einmal Münzen und Barren im Volumen von 110 Tonnen erworben und gehortet, womit die Gesamtnachfrage allein für Deutschland auf fast 200 Tonnen binnen eines Jahres kommt, was so viel ist, wie noch nie zuvor. Zwischen 1995 und 2007 kam der Goldmarkt in Deutschland zum Erliegen und die Bundesbürger kauften in dieser Zeit gerade einmal durchschnittlich 17 Tonnen pro Jahr. Zur Jahrtausendwende, als die Tech- und Dotcom-Blase ihren Höchststand erreichten, schlossen viele Banken ihre Edelmetallschalter und man musste große Mühen auf sich nehmen, um Gold und Silber zum Zwecke der Anlage zu erwerben. Mit der Euro-, Banken-, Immobilien- und Wirtschaftskrise der Jahre 2007/2008 kam der Umbruch und die Flucht in das Gold setzte ein. In Deutschland entwickelte sich der Investmentmarkt seither prächtig, da die Deutschen als Werkbank Europas im Gegensatz zu anderen Nationen von den niedrigen Zinsen zumindest kurzfristig profitieren können und sie dank ihrer hohen Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit noch Geld verdienen. Gleichzeitig sind sich die Bundesbürger scheinbar der Fragilität der Europäischen Wirtschaft und Politik bewusst, weshalb diese einen guten Teil ihres Vermögens zukunftsorientiert in den sicheren Hafen Gold investieren. Langfristig werden die Deutschen von dieser strategischen Positionierung profitieren und nach der Krise bessere Chancen als andere Nationen haben, die keine Rücklagen in Edelmetalle angehäuft haben. Dennoch sei trotz dieser guten Entwicklung an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass letztlich die Deutschen mit ihrem Besitz in Höhe von mehreren Billionen Euro für die Europäische Union haften und letztlich zur Kasse gebeten werden, weshalb es umso wichtiger ist, Papiergeld in harte Währung zu tauschen.

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Quelle: World Gold Council
Seit dem Jahr 2008 der Eurokrise flüchten die Deutschen in den sicheren Hafen Gold.
 
Pro Kopf erwarben die Deutschen mit fast 1,5 Gramm mehr als alle anderen Nationen weltweit, selbst im Vergleich zu den klassischen goldaffinen Ländern wie der Türkei, China oder Indien. Auf dem zweiten Platz befinden sich die Türken mit 0,9 Gramm pro Kopf und die Inder kauften sogar nur 0,5 Gramm des gelben Edelmetalls. Darin sind jedoch noch nicht die Zuflüsse in Goldfonds enthalten, die Ende Dezember ein Anlagevolumen von 252 Tonnen erreichten.

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Quelle: World Gold Council
Die Deutschen sind mittlerweile goldaffiner als alle anderen Nationen.

Die Deutschen erinnern sich Dank verschiedener Initiativen und Aufklärungsarbeiten an die Hyperinflation des Jahres 1923, an die Währungsreform mit dem Lastenausgleich nach dem zweiten Weltkrieg. Diese zeigten bereits, dass keine ungedeckte Papierwährung sicher ist. Gerade der Euro, der mehr als die Hälfte seiner Existenz bereits ununterbrochen gerettet werden muss, ist alles andere als ein Wertspeicher für die Früchte eines Arbeitslebens. Deshalb ist es klug, sein Vermögen gut zu diversifizieren und einen guten Teil in Edelmetalle zu investieren.



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