Mehr Silbernachfrage als Angebot in 2015

13.05.2016 15:00  Von:: Markus Blaschzok

Der Goldpreis erreichte in der vergangenen Woche erstmals seit Anfang 2015 wieder den Preis von 1.300$ je Feinunze. Der Anstieg fand dort kurzfristig sein Ende, nachdem es am Terminmarkt zu massiven Verkäufen in der Kategorie der großen Händler kam, was auf eine Manipulation seitens „starker Hände“ hindeutet, die einen Anstieg des Goldpreises zu verhindern versuchen, um die Marktzinsen weiterhin auch langfristig niedrig halten zu können. Die Spekulanten kauften unterdessen stark hinzu und bauten eine historisch einmalige Extremposition am Goldmarkt auf, was zeigt, dass die Masse der Investoren weiterhin mit stark steigenden Preisen in diesem Jahr rechnet.

Sieht man sich die Gewinner und Verlierer des aktuellen Jahres an, so haben sich die Gold- und Silberminen mit einem Plus von 96% bis zum heutigen Tag am besten entwickelt. Gleich danach folgen Rohöl (+26%), Silber (+23%), Platin (+21%) und Gold mit einem Plus von 20% in diesem Jahr. 

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Die neuesten Zahlen des „Silver-Institute“ zeigen, dass die weltweite Silberminenproduktion um 2% im Jahr 2015 wuchs und auf ein Hoch von 886 Millionen Feinunzen anstieg, was 27.579 Tonnen entspricht. Die Kupferproduktion, bei der als Nebenprodukt Silber gewonnen wird, war mit einem Plus von 7% der größte Treiber der Silberproduktion und die stärksten Zuwächse gab es in Südamerika (5%) und Europa (8%). Die Cash Produktionskosten fielen um 11% auf 11,47$ je Feinunze. Die Produzenten erhöhten die Absicherungen gegen einen Preisverfall um 7,8 Mio. Unzen (244 Tonnen) auf 39,9 Mio. Unzen (1.213 Tonnen). 

Die Nachfrage war mit 1.170 Mio. Unzen Silber im Jahr 2015 höher als das Angebot, wodurch es ein Defizit von 129,8 Mio. Unzen gab (4.038 Tonnen). Die Nachfrage nach Münzen und Barren stieg von 236,1 Mio. Unzen auf 292,3 Mio. Unzen, was deutlich zeigt, dass Investoren weiterhin auf das weiße Metall setzen.

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Beim Gold war das Angebot im vergangenen Jahr hingegen rückläufig mit 4.306 Tonnen zu noch 4.394 Tonnen im Vorjahr. Die Nachfrage war mit 2% auch rückläufig mit nur 4.124 Tonnen zu 4.207 Tonnen im Vorjahr, was einem Überangebot von 182 Tonnen im letzten Jahr entsprach. Die Nachfrage nach Münzen und Barren blieb im letzten Jahr trotz der gefallenen Preise unverändert bei 1.115 Tonnen. Die Nachfrage nach Münzen zog an – vor allem in den USA – doch die Nachfrage nach Silberbarren schwächte sich ab. Die Notenbanken kauften 483 Tonnen, was den zweithöchsten Wert seit dem Ende des Goldstandards darstsellt.  

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Papiermarkt und Physischer Markt für Silber im Vergleich

Es sind zwar keine belastbaren Daten für OTC Geschäfte („over the counter“) vorhanden, dennoch ist es sehr interessant und aufschlussreich, das gehandelte Volumen von Silber am physischen Markt der LBMA in London in das Verhältnis zu dem Papiermarkt der COMEX in New York zu setzen. Die Umsätze am Papiermarkt für Silber waren im vergangenen Jahr nur doppelt so hoch wie jene am physischen Markt in London, was viele überraschen dürfte.

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Dabei handelt es sich nicht immer um physische Auslieferungen, sondern auch größtenteils nur um Papiertrades über „unallocated accounts“, die den Besitz an einer gewissen Menge Gold oder Silber in London verbriefen und es letztlich ein Cash Settlement gibt. Wäre es nicht so, müssten täglich hunderte LKWs unterwegs sein, um die 4.500 Tonnen Silber verbringen, die täglich in London gehandelt werden. Es handelt sich in London also auch um einen Markt mit spekulativen Akteuren, wobei jedes Mal die komplette Summe bezahlt werden muss, während am Terminmarkt der COMEX nur ein Bruchteil als Margin eingesetzt wird. Weiterhin kann man in London nur verkaufen, wenn man das Silber oder Gold auch wirklich physisch besitzt, während man in New York leerverkaufen kann. Das begrenzt den physischen Short-Handel auf den wirklichen Besitz an physischer Ware, weshalb für die dauerhafte Manipulation der Edelmetallmärkte auch ein ständiges physisches Überangebot notwendig ist. Während man an der COMEX in New York nur eine Forderung auf die Auslieferung der Ware erhält, die in der Regel nur mit 3%-5% gedeckt ist, kann man sich idealerweise in London sicher sein, dass das Gold und Silber auch in den Tresoren vorhanden ist und jederzeit ausgeliefert werden kann, sofern die LBMA keinen kriminellen Unfug mit den Beständen betreibt. In der Regel wird die Ware in London binnen eines Tages von einem unallocated zu einem allocated Account gebucht und steht bereits am nächsten Werktag zur Abholung bereit, was an der COMEX ein vergleichsweise viel aufwendigerer und länger dauernder Prozess ist. 

Wirft man einen Blick auf den Terminmarkt der COMEX in den USA, wo nur ein Teil des Volumens hinterlegt werden muss, so zeigen die Lagerhausbestände der COMEX, dass rund 12% aller Terminkontrakte immerhin mit physischer Ware in den Lagern gedeckt ist. Traditionell benötigt die Terminbörse nur eine Deckung von 2-3%, um jene zu beliefern, die einen Future-Kontrakt wirklich zum Abruf physischer Ware einsetzen möchten. Alle anderen Spekulanten schließen in der Regel den Kontrakt und rollen auf eine längere Laufzeit, bevor es zur physischen Lieferung kommt und erhalten so einen Barausgleich.

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Auch der Terminmarkt für Silber ist mit derzeit 15% in genügendem Maße physisch gedeckt, um allen aktuellen Lieferverpflichtungen nachzukommen.

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Der Terminmarkt hat in etwa das doppelte Handelsvolumen wie der physische Markt in London, mit dem einen Unterschied, dass Kleinspekulanten eher am Papiermarkt in New York unterwegs sind, während die großen Produzenten und Verbraucher sowie Banken primär am Markt in London tätig sind, wo eine hundertprozentige Deckung aller Handelsaktivitäten gefordert wird.

 



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