Steuer, Inflation und Gold werden mit dem dritten Hilfspaket für Griechenland steigen

21.07.2015 00:30  Von:: Markus Blaschzok

Nicht einmal ein „Nein“ bei der Volksabstimmung in Griechenland brachte den medial extrem heiß gekochten GREXIT. Wir nahmen in den vergangenen Monaten in Interviews, Konferenzen und Artikeln stets fest die Position einer letztlichen Einigung ein und machten uns zu keiner Zeit Gedanken über einen Austritt Griechenlands. In dieser Woche sagte auch EZB-Chef Mario Draghi auf seiner Konferenz, dass die Euro-Mitgliedschaft Griechenlands nie infrage gestellt wurde. Die EU und EWU sind politische Projekte, die undemokratisch von Sozialisten etabliert wurden, weshalb ein Scheitern keine Option für die Strippenzieher ist. Die Politiker in den Parlamenten waren dabei keineswegs so uneinig, wie die Medien es den Menschen glauben machen wollten und wenn unaufgeklärte Politiker doch einmal aus der Spur liefen, wurden die Zügel eben strenger gezogen. Die letzten Wochen waren ein Meisterstück der Demagogie im ganz großen Kino – Chapeau!

Es gibt also das dritte Hilfspaket für Griechenland in Höhe von 86 Mrd. Euro, das vom EFSM vorübergehend und letztlich vom ESM finanziert werden soll. Griechenland muss für den erneuten Kredit im Gegenzug Staatsunternehmen für rund 50 Mrd. Euro privatisieren, während die Erlöse in einen Treuhandfonds übergehen sollen. 25 Mrd. werden für die Rekapitalisierung der Banken genutzt, 12,5 Mrd. um die Schuldenlast Griechenlands zu drücken und weitere 12,5 Mrd. will der griechische Staat „investieren“. Vernünftiger wäre es, man würde die restlichen 12,5 Mrd. Euro ebenso für die Reduzierung von Schulden verwenden, anstatt diese für unproduktive und unnütze staatliche „Investitionsausgaben“ zu verschwenden. So ließe sich die Steuer- und Zinsbelastung schneller reduzieren, sodass den Menschen und deren Unternehmen wieder mehr Luft für Investition, Produktion und letztlich Konsum bliebe, sodass langsam ein nachhaltiger wirtschaftlicher Aufschwung stattfinden kann. Mit der Österreichischen Schule sind Bankenrekapitalisierungen und Staatsinvestitionen sowie staatliche Verschuldungen nicht vereinbar und müssen immer klar als sozialistische Phänomene eingestuft werden.

 

Soli-Erhöhung auf 8% wegen Transferzahlungen nach Griechenland

Mittlerweile hat die EZB im Zuge der Einigung beschlossen, die ELA-Notkredite für das griechische Bankensystem in der kommenden Woche um fast eine Milliarde Euro wieder zu erhöhen. Mit 90 Mrd. Euro bzw. 130 Mrd. Euro gesamt ist das Eurosystem der größte Einleger bei den griechischen Banken und hat eine Staatspleite sowie einen Bankrott des Bankensystems maßgeblich verhindert. Dieses Geld sowie die 86 Mrd. Euro für das dritte Hilfspaket kommen aus der Druckerpresse, egal ob sie offiziell direkt aus den EU-Staaten, dem EFSM, dem ESM oder der EZB kommen werden. Am Ende des Tages steht dann immer die Besteuerung der Bürger und die sozialistische Umverteilung von Einkommen und Vermögen, da Staaten und deren Einrichtungen kein Geld besitzen, sondern alle Ausgaben von der Bevölkerung eintreiben müssen. Dies bedeutet für uns, dass der Euro weiter an Kaufkraft verlieren, die Renten- und Pensionsansprüche real sinken, Ersparnisse über Inflation enteignet und die Steuern angehoben werden. Der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hat richtig erkannt, „dass neue Kredite keine Kredite sind, sondern Transfers“, wie er in der „FAZ“ schrieb. Das dritte Hilfspaket sei der Einstieg in die Währungsunion, weshalb man den deutschen Anteil in Höhe von 22 Mrd. Euro am dritten Hilfspaket finanzieren könne, indem man den Solidaritätszuschlag von 5,5% auf 8% anheben würde.

Die Historie der beiden anderen Hilfspakete für Griechenland vom Frühjahr 2010 (110 Mrd. Euro) und vom Februar 2012 (130 Mrd. Euro), die letztlich einen weiteren Anstieg der Staatsschulden nicht verhindern konnten, zeigt deutlich, dass auch das dritte Hilfspaket letztlich ohne einen Schuldenschnitt für Griechenland auf keinen grünen Zweig führen wird. Von dem Finanzierungsbedarf Griechenlands für die kommenden drei Jahre in Höhe von ca. 82 Mrd. bis 86 Mrd. Euro werden 54 Mrd. Euro alleine für die Tilgung von Schulden und Zinsen verwendet werden. Der IWF nimmt folgerichtig an, dass die Schulden Griechenlands längst untragbar sind, weshalb die Staatsverschuldung bis zum Jahr 2018 trotz der neuen Hilfen auf über 200% ansteigen könnte. Da eine Reduzierung der Geldmenge und ein Vertrauensverlust in den Euro durch einen Schuldenschnitt weder von den Banken, noch von Brüssel gewünscht ist, bleibt nur der Weg über die Druckerpresse mit der unbegrenzten Enteignung und Umverteilung über Inflation. Diesen Weg wird man weitergehen, da eine Umkehr aus der Politik der weiteren Zentralisierung Europas im Zuge einer Transferunion für die sozialistischen Politiker aller Couleur keine Option ist. Die Edelmetallpreise werden in diesem inflationären Umfeld weiter zulegen.

 

Gold oder Silber?

Oft stellt sich die Frage, wie man ein Investment in Edelmetallen bestmöglich diversifiziert. Grundsätzlich würde ich aufgrund der niedrigeren Volatilität bei Gold mindestens 50% in Gold investieren. Die restlichen 50% könnte man zwischen Silber, Platin und Palladium aufteilen. Dabei könnte man 30% bis 40% in Silber und jeweils 5% bis 10% jeweils in Platin und Palladium diversifizieren.

Mit geschickter Veränderung dieses Mix lässt sich die Rendite eines Investments in Edelmetallen deutlich verbessern. Silber neigt dazu in Haussephasen mit etwa dem zweifachen Hebel stärker zu steigen als Gold und umgekehrt in der Baisse stärker zu fallen. Dies hat mehrere Ursachen wie beispielsweise einen engeren Markt im Silber und weil Investoren immer erst Gold als Investment nutzen wogegen Silber erst relativ spät in einer Hausse von Spekulanten und Investoren als Investment entdeckt wird. Diese Veränderung lässt sich zum Vorteil für Investoren nutzen. Anfang 2011 fiel das Gold/Silber Ratio auf 30, was indizierte, dass Silber relativ teuer zu Gold war. Der smarte Investor hat zu diesem Hoch Silber in Gold getauscht. Während Silber um 70% seit dem Hoch aus dem Jahr 2010 fiel, verlor Gold nur 39%, womit dieser smarte Investor weniger verlor als jene, die den Portfoliomix unverändert behalten hatten.

Jetzt ist das Gold/Silber-Ratio nach der vierjährigen Baisse wieder auf 75 gestiegen und Silber ist relativ günstig zu Gold. Smarte Investoren verkaufen jetzt die hohen Goldbestände und tauschen diese in Silber, um bei einer nächsten Hausse von den überproportional stark steigenden Silberpreisen profitieren zu können. Wir sind sogar der Meinung, dass das Gold/Silber Ratio in den kommenden 10 Jahren auf bis zu 10 fallen könnte, was einer vielfachen Outperformance von Silber gegenüber Gold entspräche. Für langfristig agierende Investoren, die auf Sicht von 5-10 Jahren taktisch klug handeln wollen, bietet es sich jetzt an, überproportional auf Silber im Vergleich zu Gold zu setzen und nach einem starken Anstieg - wenn das Gold/Silber-Ratio dann bei ca. 15 notiert - wieder das Silber in Gold zu tauschen.

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Das Gold / Silber Ratio spricht für eine taktische Übergewichtung von Silber

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