Finanzmärkte signalisieren neue Weltwirtschaftskrise

06.10.2014 12:45  Von:: Tim Schieferstein

Lange konnten die Notenbanken den finalen Kollaps der Finanzmärkte aufhalten. Doch nun trauen die Märkte Draghi und Co. die dauerhafte Rettung nicht mehr zu. Viele Kurse senden Crash-Signale.

Bank of Japan läutet die nächste Runde im Währungskrieg ein

Wie umstritten selbst unter den Notenbankgouverneuren der Bank of Japan die Zündung der jüngsten Liquiditätsfassbombe war, zeigt deren seltene Uneinigkeit: mit fünf gegen vier Stimmen wurden die gigantischen Yen-Spritzen mit nur knappster Mehrheit gebilligt.

Fed gegen BOJ, gegen EZB

Hatte die amerikanische Notenbank FED gerade erst ihren Ausstieg aus der quantitativen Geldpolitik, also dem massenhaften Ankauf von Wertpapieren mit frisch erzeugtem Geld, bekannt gegeben, wird dieser Schritt auf globaler Ebene stehenden Fußes von der japanischen Notenbank (BOJ) und der Europäischen Zentralbank (EZB) gekontert.

Fünfzehn Milliarden US-Dollar hatte die FED zuletzt auf Monatsbasis in amerikanische Hypotheken- und Staatsanleihen gesteckt, ab November sinkt dieser Betrag auf Null. Die Bank of Japan (BOJ), deren Offenmarktausschuss knapp zwei Tage nach den US-Kollegen am 31. Oktober tagte, sah sich hingegen veranlasst, das genaue Gegenteil zu tun und weitete ihr Ankaufprogramm für Wertpapiere massiv aus, um die Inflationsrate in Japan endlich nachhaltig über die 2%-Marke zu hieven.

Konkret kommt das Staatsanleihekaufprogramm der BOJ in den Genuss zusätzlicher Mittel in Höhe von 30 Bio. Yen pro Jahr (267 Mrd. USD p.a.). Die Käufe japanischer Aktien-ETFs  werden um zwei Bio. Yen (17,8 Mrd. USD) auf drei Bio. jährlich verdreifacht. Am Markt für japanische REITs (Real Estate Investments Trusts) werden die Käufe ebenfalls auf nun 90 Mrd. Yen (0,534 Mrd. USD) verdreifacht.

Insgesamt stockt die Bank of Japan ihre Bilanz in den kommenden 12 Monaten um 83,9 Bio. Yen (105 Mrd. USD) auf. In den letzten 12 Monaten betrug das Plus nur 73 Bio. Yen.

Gleichzeitig startet in Europa die EZB ihr Wertpapierkaufprogramm mit einem Volumen von ca. 500 Mrd. Euro pro Jahr (ca. 625 Mrd. USD) über zunächst zwei Jahre. Insgesamt stocken die BOJ und die EZB ihre Bilanzen in den kommenden 12 Monaten somit um ca. 730 Mrd. USD auf, was knapp der Summe entspricht, die die FED zu den Hochzeiten von QE in die Finanz- und Kreditmärkte pumpte.

Das “Tapern” der FED spielt damit liquiditätsmäßig auf globaler Ebene keine Rolle mehr, da die neuen Yen und Euro bereits in Form von Carry-Trades massenhaft um den Globus jagen und auch nach Amerika unterwegs sind, wie man leicht an den Wechselkursen des US-Dollar zum Euro und zum Yen erkennen kann. Zum Yen schießt der Dollar förmlich nach oben, allein in den letzten fünf Handelstagen um 6 Cent von 108 auf 114 USD/JPY. Der Euro peilt mittlerweile die 1,20 zum US-Dollar an und steht aktuell bereits unter 1,25 EUR/USD. Generell ist der Dollar auf Höhenflug zu den wichtigsten Handelspartnerwährungen.

us-dollar-hoehenflug

Japan und Europa führen im globalen Währungskrieg

Ob die Dollarstärke den Amerikanern gut bekommen wird, bleibt abzuwarten. Die jüngsten Wirtschaftsdaten zeigten jedenfalls bereits eine aufkeimende Deflationsgefahr in den USA, nicht zuletzt ausgelöst durch abstürzende Importpreise. Das Inflationsziel der FED liegt genau wie bei den japanischen und europäischen Pendants bei 2% pro Jahr. Davon ist die US-Teuerungsrate aber mit aktuell 1,66% bereits ein Stück entfernt, Tendenz weiter fallend.

Die EZB und auch die BOJ hatten ihre extrem expansiven geldpolitischen Schritte bereits mit der drohenden Deflationsgefahr begründet. Im Angesicht rückläufiger Kreditvergabedynamik, einbrechendem Hypothekenmarkt und abstürzenden Inflationserwartungen kommt den Amerikanern die Dollarstärke, ausgelöst durch die Weichwährungspolitik der anderen großen Notenbanken, daher extrem ungelegen. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit und vor allem tendenziell schlechter werdender Wirtschaftsdaten, bis auch die FED wieder in den globalen Währungskrieg eingreift und ihrerseits die Fluttore öffnet.

Gold in Euro liegt gut im Rennen

In Anbetracht der aggressiven Abwertungspolitik des Herrn Draghi und seiner EZB ist nun endgültig klar, dass die Priorität der „Währungshüter“ weder auf dem Erhalt der Kaufkraft noch des Außenwertes der Gemeinschaftswährung Euro liegt. Für weitsichtige Anleger macht es daher immer mehr Sinn, sich gegen diese wenig nachhaltige Geldpolitik zu schützen. Am besten  funktioniert dies mit Vermögenswerten, die nicht in der schwindsüchtigen Gemeinschaftswährung notieren, wie zum Beispiel die knappen Geldmetalle Gold und Silber.

Da absehbar ist, dass die systematische Zerstörung der eigenen Währung durch Negativzinsen und Geldschwemme für Geldpolitiker zum probaten Mittel im weltweiten Kampf um Exportmarktanteile und gegen die Kreditdeflation im eigenen Land wird, bieten nur die monetären Edelmetalle eine echte Währungsalternative.

maerkte-im-vergleich

Jeder Anleger sollte den Teil seines Vermögens, auf den er Zugriff hat, in Richtung Sachwerte und weg von Gläubigerrisiken und FIAT-Währungen verlagern. Edelmetalle und Diamanten sollten dabei zwingend eine Rolle spielen. 

Seit Jahrtausenden bewähren sich edle Metalle und Steine bei der Konservierung von Kaufkraft und bei dem Überstehen von Schulden- und Währungskrisen. Auch die jetzt bevorstehende ökonomische Zeitenwende werden die edlen Sachwerte glänzend meistern.



Kommentar schreiben
Captcha

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.