Währungspolitik auf Japanisch: Comeback der 30iger Jahre?

04.03.2013 10:00  Von:: Tim Schieferstein

Mittlerweile ist die Neuausrichtung der japanischen Währungspolitik hin zu einer aggressiven Yen-Abwertung Gegenstand heftiger Diskussionen zwischen Politikern und Zentralbankern weltweit. Weder die Amerikaner noch die Europäer können ein Währungsdumping akzeptieren, bei dem sich Japan zu Lasten der anderen Währungsräume Wettbewerbsvorteile verschafft. Niemand hat momentan Wachstum zu verschenken, schon gar nicht die immer tiefer in die Rezession abgleitende Eurozone. Doch ausgerechnet gegenüber dem Euro fiel die Yen-Abwertung besonders stark aus – über 30% innerhalb von nur 7 Monaten.

Dies verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Produkte auf dem Weltmarkt und auch auf dem heimischen Binnenmarkt signifikant (z.B. werden japanische PKW oder Baumaschinen in der Eurozone nun auf einen Schlag deutlich billiger).

Daher ist es wenig verwunderlich, dass auf Drängen des französischen Staatspräsidenten François Hollande das Thema sogar auf dem kürzlich in Moskau stattgefundenen G20-Gipfel besprochen wurde. Außer Absichtserklärungen kam allerdings nichts Greifbares dabei heraus. Zu gegenläufig sind die Interessen der Währungsblöcke, weshalb einige Marktbeobachter bereits vor einem sich anbahnenden Währungskrieg bzw. Abwertungswettlauf warnen.

In der Geschichte des modernen Währungssystems seit 1973 waren die Vertreter der großen Währungsräume offiziell immer an einem stabilen Außenwert interessiert, selbst die Amerikaner. Mit Japan schert nun ein großer Währungsraum öffentlich aus diesem Konsens aus, aus purer ökonomischer Not. Rekordverschuldung und Rezession halten Japan seit Beginn  der 90iger Jahre im Würgegriff. Alle bisherigen Maßnahmen gegen die Folgen der geplatzten Immobilienblase und des bankrotten Bankensystems fruchteten nicht. Es blieben nur zwei Auswege: Staatsbankrott oder Inflationierung. Also besann man sich auf die politisch zu präferierende Maßnahme, die Japan bereits in den 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts vorübergehend aus der Depression befreite.

Damals, 1932, beschloss die Regierung ein Notprogramm zur Wirtschaftsankurbelung und erhöhte die Staatsausgaben auf einen Schlag um 34%. Auch die Rüstungsindustrie kam in den Genuss erhöhter Ausgaben, was sich für die Regierung jedoch noch mehrfach rächen sollte.

Finanziert wurde das Konjunkturprogramm auf Pump. Der damalige Finanzminister Korekiyo Takahashi zwang die japanische Zentralbank (Bank of Japan) das Geld durch den Aufkauf von 89,6% aller 1933 ausgegebenen japanischen Staatsanleihen zu finanzieren. Die Zentralbank hatte damals wie heute gegen den politischen Druck keine Chance und druckte das Geld.

Die Operation gelang zunächst - die japanische Wirtschaft erholte sich und überwand die Deflation. Für den Finanzminister Korekiyo Takahashi ging das Vabanque-Spiel mit der Notenpresse aber tödlich aus. Er machte sich Feinde beim Militär, als er den berühmten „Exit“ aus der lockeren Geldpolitik wagte und das Staatsbudget wieder drosseln wollte. Takahashi fiel 1936 einem Mordanschlag zum Opfer.

Die damalige Stimulusaktion, die vergleichbar übrigens auch im Deutschland der 30iger Jahre ablief, fand einen großen Bewunderer in dem heutigen Chef der US-Notenbank Ben Bernanke. Am 31. Mai 2003 sagte er bei einer Rede vor der Society of Monetary Economics in Tokio wörtlich: „Korekiyo Takahashi brilliantly rescued Japan from the Great Depression through reflationary policies” (“Korekiyo Takahashi hat Japan auf brillante Art und Weise durch eine Politik der Reflationierung vor der großen Depression gerettet”).

Mit ihrem monatlichen Anleihekaufprogramm in Höhe von 85 Mrd. US-Dollar geht die US-Notenbank bekanntlich einen ähnlichen Weg wie die Japaner in Sachen Konjunkturstimulus, wenn auch noch ohne offenes Währungsdumping. Verdeckt findet dieses aber bereits über negative Realzinsen und weitere massive staatliche Aufschuldung statt.

Damit zeigt sich auch die Krux der japanischen Strategie. Heute sind die Probleme Japans in allen großen Währungsräumen gleichzeitig existent: Überschuldung, Wachstumsschwäche, hohe Arbeitslosigkeit und Alterung der Bevölkerung. Gewinnen kann bei einem Abwertungsablauf also immer nur der Schnellste und das auch nur temporär, bis die anderen Währungsblöcke mit dem verstärkten Einsatz ihrer Notenpressen nachziehen. Dauerhaften Abwertungsspielraum zwischen den sogenannten Hauptwährungen  (US-Dollar, Euro, Yen, Pfund, Yuan) gibt es daher kaum.

Als Nebeneffekt der nun begonnenen gegenseitigen Abwertungsbemühungen wird die Kaufkraft aller Papierwährungen durch Aufblähung der globalen Geldmenge gegenüber der globalen Gütermenge geschwächt. Gewinner sind hingegen die Halter von Realkapital und Edelmetallwährungen.

Yen fällt, Gold und Aktien steigen
Quelle:Thomson Reuters | Grafik: SOLIT Kapital GmbH (Daten bis 13. Februar 2013)
 


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