Wegfall des MwSt-Privilegs für Anlagemünzen und Münzbarren aus Silber

14.08.2013 08:00  Von:: Tim Schieferstein

"Der Deutsche Bundestag hat in seiner 243. Sitzung am 6. Juni 2013 die beiliegende Beschlussempfehlung des Vermittlungsausschusses – Drucksache 17/13722 – zu dem Gesetz zur Umsetzung der Amtshilferichtlinie sowie zur Änderung steuerlicher Vorschriften (Amtshilferichtlinie- Umsetzungsgesetz-AmtshilfeRLUmsG) angenommen."

Mit dieser juristischen Verklausulierung ist es nunmehr amtlich – das Mehrwertsteuerprivileg für Silber, das Anlagemünzen und Münzbarren begünstigt, fällt erwartungsgemäß zum 1.1.2014 (vgl. Newsletter Dezember 2012).

Mit der gesetzlichen Neuregelung der Mehrwertsteuer, die den privaten Silberanleger hart treffen wird, hat Deutschland den von der Europäischen Kommission bereits eingeklagten überfälligen Schritt zur Mehrwertsteuerharmonisierung innerhalb der Europäischen Union getan. Weniger bekannt in der Öffentlichkeit ist zumeist, dass nicht nur Anlagemünzen und Münzbarren aus Silber den Vorteil des reduzierten Mehrwertsteuersatzes von derzeit 7% verlieren werden.

Konsequenzen für den privaten Silberinvestor – 11,2% Verteuerung bei Münzbarren und Anlagemünzen zum 1.1.2014

Preiserhoehung-Silber-Update

Was bedeutet die Neuregelung der Mehrwertsteuer für Silber für Münzsammler und Investoren? Anders als Gold – Anlagegold in Barren und Münzen ist generell mehrwertsteuerbefreit – unterliegt Silber ebenso wie andere Edelmetalle grundsätzlich dem regulären Mehrwertsteuersatz von derzeit 19%. Davon ausgenommen sind bislang jedoch Anlagemünzen und Münzbarren aus Silber, die mit dem reduzierten MwSt-Satz steuerlich privilegiert sind.

Anlagemünzen und Münzbarren als gesetzliche Zahlungsmittel aus Silber genießen damit bisher in Deutschland einen Steuervorteil, der nach der letzten Anhebung des MwSt-Satzes auf 19% zum 1.1.2007 nunmehr 12 Prozentpunkte beträgt und in der EU einzigartig ist – in Österreich, dem Heimatland des Wiener Philharmonikers, ist die beliebte Bullionmünze aus Silber beispielsweise mit 20% Mehrwertsteuer belegt. In einer Art jährlich aktualisierter Negativliste des Bundesfinanzministeriums (BMF) werden bisher diejenigen neueren Silbermünzen erfasst, die dem regulären Mehrwertsteuersatz unterliegen.

Durch den Wegfall der steuerlichen Begünstigung zum 1. Januar 2014 werden Anlagemünzen und Münzbarren auf einen Schlag um 12 Prozentpunkte auf den regulären Mehrwertsteuersatz gehoben – eine Preiserhöhung um +11,2%, die den Privatanleger und Sammler schmerzhaft treffen wird. Im Ergebnis wird nicht nur die Nachfrage aus dem EU-Ausland nach Bullionmünzen und Münzbarren aus Silber im Jahr 2014 spürbar nachlassen, da der Steuervorteil im Binnenhandel dann entfällt. Für den Silberinvestor mit Sitz in Deutschland wird der Tafelbarren als Anlageform wieder deutlich attraktiver, da seine niedrigeren Produktionskosten wieder voll ins Gewicht fallen werden.

Steuerprivileg für Anlagegold in Barren und Münzen bleibt auch 2014 bestehen

Erwerb und Handel von Goldmünzen und Goldbarren, die der steuerlichen Definition von Anlagegold in § 25c UStG genügen, bleibt (noch?) unverändert mehrwertsteuerfrei.

Wer sich für (historische) Goldmünzen interessiert, sollte jedoch ab 2014 deutlicher als bisher die Definition von Anlagegoldmünzen beachten, will er beim Kauf von Goldmünzen die anderenfalls drohende Besteuerung zu dem dann regulären Mehrwertsteuersatz umgehen.

Die Definition des § 25c UStG Abs. 2 Satz 2 für mehrwertsteuerfreie Anlagegoldmünzen bleibt unverändert: Feingehalt von mindestens 900/1000, Prägejahr nach 1800, Status als gesetzliches oder vormals gesetzliches Zahlungsmittel im Ursprungsland und ein üblicher Offenmarktpreis von nicht mehr als 180% des unter Zugrundelegung des Feingewichts berechneten Metallwerts ohne Umsatzsteuer.

Eine hilfreiche Orientierung bietet das Verzeichnis der mehrwertsteuerbefreiten Goldmünzen, das alljährlich das Bundesfinanzministerium (BMF) herausgibt, aber nur zeitgenössische Goldmünzen, diese aber weltweit erfasst.



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