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Gold über 5.300 US-Dollar und Silber über 110 US-Dollar, während der US-Dollar einbricht

Der Goldpreis sprang heute um rund 200 US-Dollar auf ein neues Allzeithoch bei 5.311 US-Dollar je Feinunze, nachdem Äußerungen von US-Präsident Donald Trump die Talfahrt des US-Dollars deutlich beschleunigten. Der US-Dollar-Index (DXY) ist in den vergangenen sechs Handelstagen um über 3 % auf ein 4-Jahrestief gefallen, wobei nun ein wichtiger langfristiger Aufwärtstrend gebrochen wurde. Damit heizt sich das ohnehin seit rund einem Jahr extrem bärische Sentiment gegenüber dem Greenback weiter auf, wie die Daten der US-Terminmarktaufsicht CFTC belegen. Nie war die Stimmung pessimistischer gegenüber dem US-Dollar, was das Risiko eines Short-Squeeze mit sich bringt und antizyklisch eher für eine Erholung über 100 Punkte im USD-Index gesprochen hätte.

In den vergangenen Wochen hatten jedoch wiederholte Äußerungen von US-Präsident Donald Trump den US-Dollar immer wieder belastet. Zusätzlich sorgte die jüngste Stützung des japanischen Yen zulasten des US-Dollars, eine Maßnahme der Fed im Auftrag des US-Finanzministeriums, für weiteren Verkaufsdruck genau an jener technischen Zone, die für den Dollar als Schlüsselunterstützung galt.

Gestern Abend brachten schließlich neue Aussagen Trumps in Iowa das Fass zum Überlaufen. Der USD-Index durchbrach seine letzte wesentliche Unterstützung und rutschte anschließend weiter ab. Damit verzeichnete der US-Dollar innerhalb von sechs Tagen den stärksten Rückgang seit April 2025. Diametral gegensätzlich dazu stieg der Euro gestern Abend gegenüber dem US-Dollar zeitweise auf knapp 1,21 US-Dollar an.

Trump signalisierte in dem Interview, dass eine weitere Abwertung des US-Dollars zumindest in Kauf genommen, wenn nicht sogar gewünscht sei und der US-Dollar „sein eigenes Level finden müsse“. Diese verbale Weichenstellung traf auf einen ohnehin fragilen US-Dollar, der sich seit Wochen an einer zentralen, langfristig relevanten Unterstützungszone bewegte, die zuvor noch als möglicher Ausgangspunkt für eine Gegenbewegung galt, doch nun unter neuerlichem Verkaufsdruck brach. Die Folge war eine Beschleunigung der Abwärtsdynamik, und am Markt werden bereits tiefere Zielbereiche bis in den Bereich um 92,75 im DXY diskutiert. Man sollte nun genau beobachten, ob der US-Dollar tatsächlich weiter abgibt oder sich erholen und das Ausbruchsniveau zurückerobern kann.

Gold: Stärkste Rallye seit 1980

Mit dem heutigen Preisanstieg kann der Goldpreis eine Rendite von 91 % binnen eines Jahres verbuchen. Eine vergleichbare Rallye war zuletzt 1980 zu beobachten, am Ende eines Stagflationsjahrzehnts in den USA, das von zweistelligen Inflationsraten geprägt war. Es handelt sich also um den zweitstärksten Anstieg in der Geschichte des Goldpreises.

Auf Sicht der letzten zwei Jahre ist die Performance von Gold noch eindrucksvoller. Der Goldpreis liegt in diesem Zeitraum mit über 150 % im Plus, und damit handelt es sich um den stärksten zweijährigen Anstieg seit 1980. Aus analytischer Sicht ist das ein klarer Hinweis auf einen reifen, weit gelaufenen Trend, der zwar intakt bleiben kann, dessen Aufwärtstempo jedoch erfahrungsgemäß nicht linear fortgeschrieben werden sollte. Gold dürfte sich strukturell weiter fest präsentieren, doch auf dem aktuellen Niveau steigt die Wahrscheinlichkeit für spürbar höhere Volatilität. Eine mehrmonatige Konsolidierung im weiteren Jahresverlauf wäre vor diesem Hintergrund nicht nur plausibel, sondern auch marktmechanisch gesund, weil sie Überhitzung abbaut, Positionierungen bereinigt und dem Trend eine stabilere Basis geben kann.

In den letzten beiden Monaten erlebte Silber eine parabolische Beschleunigung von 47 US-Dollar auf ein neues Allzeithoch von 117,7 US-Dollar je Feinunze am Montag. Das entspricht einem Anstieg von rund 150 % in etwas mehr als zwei Monaten. Bis Mitte 2025 hatte sich der Silberpreis zuvor über mehr als ein Jahr in einer engen Handelsspanne von etwa 5 US-Dollar bewegt, ohne dass sich ein spürbares Defizit am Markt zeigte, während Gold in derselben Zeit von Rekord zu Rekord lief. Parallel dazu begannen Investoren zunehmend auf eine Aufholjagd bei Silber zu setzen, obwohl die Fundamentaldaten und das Preisverhalten der Vorjahre diese Dynamik nur begrenzt untermauerten. Die stark steigende Investmentnachfrage wurde schließlich zur selbsterfüllenden Prophezeiung, der Preis zog an, und Tagesschwankungen von 5 US-Dollar wurden zur neuen Normalität.

Noch Anfang November handelte Silber zwischen 46 US-Dollar und 50 US-Dollar je Feinunze und damit unter den historischen Hochs aus 1980 und 2011. Am Montag stieg der Preis intraday um 12,5 % auf 117,74 US-Dollar, fiel am Abend jedoch um 15,9 % auf 102,6 US-Dollar zurück und schloss trotz der Volatilität mit einem Plus von 1,8 US-Dollar bei 106,6 US-Dollar. In dieser Phase erreichte der Silbermarkt eine geschätzte Marktkapitalisierung von 6,3 Bio. US-Dollar. Damit wäre Silber nach Gold mit 35,3 Bio. US-Dollar das zweitgrößte Asset der Welt und läge vor Nvidia mit 4,54 Bio. US-Dollar. Auf Sicht von sieben Monaten entspräche das einem Zuwachs von rund 228 %.

Der Silberpreis stieg in den letzten sieben Monaten um 229 % an, sodass sich das Gold-Silber-Ratio von 85 Anfang November auf 43 am Montag halbierte. Diese jüngste Bewegung ist momentumgetrieben, und viel spekulatives Kapital floss zuletzt in den Silbermarkt. Die starke Investmentnachfrage sorgt in dem zum Gold vergleichsweise kleinen Silbermarkt für ein Defizit, wodurch der Preis aktuell in den Himmel steigt. Am Ende der Edelmetallhausse von 2000 bis 2011 fiel das Ratio kurzzeitig sogar bis auf 32.

Der Silberpreis hat inzwischen ein Niveau erreicht, auf dem Silber kurzfristig gegenüber Gold überteuert wirkt. Bei einem Gold-Silber-Ratio von 44 erscheint es aus spekulativer Sicht sinnvoll, Silber zugunsten von Gold zu reduzieren, selbst wenn man den Inflationsschutz über Edelmetalle weiterhin beibehalten will. Eine weitere kurzfristige Outperformance von Silber ist zwar möglich, doch auf längere Sicht wirkt sie deutlich weniger wahrscheinlich. Im Gegenteil rechne ich damit, dass das Gold-Silber-Ratio in den kommenden Jahren wieder in Richtung 100 laufen kann. In diesem Szenario würde ein disziplinierter Wechsel von Silber in Gold das Chance-Risiko-Profil verbessern und langfristig eine spürbare relative Outperformance ermöglichen.

Silber kann mittlerweile eine Jahresrendite von 229 % vorweisen, was ebenfalls den stärksten Anstieg seit 1980 darstellt, diesmal nahezu aus dem Stand und binnen weniger Monate, während sich vergleichbare Extremphasen historisch oft über längere Zeit aufgebaut haben. Silber tendiert in Aufwärtsphasen dazu, Gold zu hebeln und gerade gegen Ende eines Bullenmarktes überproportional zu laufen, wenn Spekulation und Manie deutlich zunehmen. Der historische Vergleich der Jahresrenditen mahnt deshalb zur Vorsicht, insbesondere am Silbermarkt, weil solche Beschleunigungen selten nachhaltig sind und häufig in eine Phase hoher Volatilität und scharfer Rücksetzer übergehen. Auf diesem Niveau spricht daher mehr dafür, jetzt Gewinne konsequent zu sichern und gegebenenfalls in Gold umzuschichten, als jetzt noch prozyklisch zusätzliches Risiko aufzubauen und massiv in Silber nachzukaufen.

Die Zweijahresrendite von Silber ist mit einem Anstieg von 365 % noch beeindruckender und nähert sich damit dem Niveau der finalen Hausse um 1980. Genau diese Renditehistorie ist zugleich ein Warnsignal, denn auf Phasen extremer Outperformance folgten in der Vergangenheit nicht selten schwächere oder sogar negative Jahre. Das macht deutlich, dass starke Korrekturen jederzeit auftreten können, besonders dann, wenn das makroökonomische Umfeld kippt und Rezessionsrisiken zunehmen. Sollte sich die Konjunktur spürbar abschwächen oder sollten geopolitische Störungen die Risikoneigung belasten, wäre ein deutlicher Rückgang des Silberpreises vorstellbar. Vor diesem Hintergrund ist Demut angebracht, und es empfiehlt sich, Gewinne aktiv abzusichern. Wie man erfolgreich physische Bestände über den Terminmarkt absichert, erfahren Premium-Abonnenten auf www.blaschzokresearch.de.