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Bei 4.700 US-Dollar wird die Luft kurzfristig dünn

Terminmarkt: CoT-Report

Der CoT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die CoT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium-Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die CoT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.

CoT-Analyse vom 7. August:

Der Goldpreis stieg zur Vorwoche um 38 US-Dollar, wofür die Spekulanten mit 5,8 Tsd. Kontrakten Long gingen. Das ist neutral. Dementsprechend verschlechterte sich der CoT-Index lediglich um 2 Punkte auf 32 Punkte, während der CoT-Index zum Open Interest adjustiert auf 0 Punkte fiel.

Damit befindet sich der CoT-Index für Gold im Verkaufsbereich und zeigt einen stark überkauften Markt.

Im Vergleich zum Vormonat stieg der Goldpreis von 4.082 US-Dollar auf 4.389 US-Dollar an, wofür die Spekulanten mit 45 Tsd. Kontrakten Long gingen. Dies zeigt den spekulativen Anteil an diesem Anstieg.

Auch absolut sind die Daten mit einem CoT-Index von 32 Punkten überkauft, doch noch aussagekräftiger ist der CoT-Index zum Open Interest adjustiert, der mit 0 Punkten weiterhin ein extrem überkauftes Niveau und damit ein Verkaufssignal zeigt.

Fallen die unterstützenden fundamentalen Faktoren weg und steigt der Rohölpreis wieder an, besteht erhebliches Long-Drop-Potenzial und der Goldpreis kann sehr schnell fallen. Stop-Loss-Orders sind deshalb extrem wichtig. Beim Bruch signifikanter Unterstützungen bietet sich ein Short-Trade mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis.

Widerstand bei 4.700 US-Dollar ist kurzfristig ein dickes Brett

Anfang Juni brach der Goldpreis seinen Aufwärtstrend und fiel auf die wichtige Unterstützung bei 4.000 US-Dollar je Feinunze zurück. Auf diesem Niveau konsolidierte der Preis über sechs Wochen hinweg. Die Volatilität nahm sukzessive ab an dieser psychologisch wichtigen Marke, die mehrfach getestet wurde. Das Risiko, dass Gold diese Unterstützung nach unten brechen würde, nahm zu, bis Friedensankündigungen und eine Reihe von Meldungen und bullischen Wirtschaftszahlen zu Shorteindeckungen führten.

Der Terminmarkt ist weiterhin überkauft und der zum Open Interest adjustierte CoT-Index gibt ein Verkaufssignal, was ein klares Warnsignal ist. Normalerweise sehen wir an zyklischen Tiefpunkten am Goldmarkt eine Übertreibung auf der Short-Seite, die zuletzt vollständig fehlte und das immer noch extrem bullische Sentiment widerspiegelt. Damit steht die aktuelle Rallye auf dünnen Füßen und der Goldmarkt dürfte von Spekulation getrieben sehr volatil bleiben.

Auch die Faktoren, die den Preisanstieg unterstützt haben, könnten lediglich temporärer Natur sein. Die Rallye der letzten drei Wochen wurde primär spekulativ getrieben.

Bei rund 4.700 US-Dollar traf der Goldpreis nun auf einen sehr starken Widerstand, der sich aus dem April-Hoch bildet. Alle, die dort auf der falschen Seite erwischt wurden und ihre Positionen gehalten hatten, dürften nun die Chance nutzen, um mit einem blauen Auge ihre Position ohne großen Verlust zu schließen. Deshalb dürfte der Goldpreis auf diesem Niveau zunächst Schwierigkeiten haben und sollte eine Korrektur einleiten. Verkehren sich die zuletzt kurzzeitig bullischen Faktoren hinter der Rallye wieder und eskaliert der Krieg erneut, während sich die Fed wieder hawkisher zeigt, als es der Markt aktuell erwartet, könnte Gold schnell wieder deutlich an Boden verlieren.

Da der Terminmarkt wieder extrem überkauft ist, muss man jederzeit mit einer stärkeren Korrektur rechnen. Die Erleichterungsrallye war schnell und kräftig, doch ohne neue Liquidität durch die Fed dürfte sich diese Dynamik kaum fortsetzen können, weshalb man gerade im Trading vorsichtig agieren sollte.

Bullisch ist hingegen der Sprung über die 200-Tagelinie und den Abwärtstrend, die das Chartbild deutlich aufgehellt haben. Auf der Unterseite liegt die nächste Unterstützung bei 4.450 US-Dollar.

Entscheidend bleibt die weitere Entwicklung des Konflikts im Mittleren Osten. Bei einer erneuten Eskalation und einem Anstieg des Rohölpreises über 100 US-Dollar dürfte es der Goldpreis kurzfristig sehr schwer haben und wahrscheinlich erneut stärker korrigieren, womöglich erneut auf 4.200 US-Dollar je Feinunze. Die heute erscheinenden PCE-Inflationszahlen könnten heißer ausfallen, als es der Markt erwartet, was die Korrektur einleiten könnte.

Goldpreis in Euro: Sprung über die 200-Tagelinie

In der Analyse vor einem Monat schrieb ich: „Solange der Aufwärtstrend intakt bleibt, ist das kurzfristige charttechnische Bild aktuell noch bullisch. Sobald dieser Aufwärtstrend jedoch bricht, öffnet sich jedoch die Falltür und der Goldpreis dürfte relativ schnell um weitere 500 € je Feinunze fallen.“

Einer der Gründe, warum der Goldpreis in der vergangenen Woche so stark auf die bullischen Meldungen reagieren konnte, war die charttechnische Ausgangslage. Sowohl bei Gold in US-Dollar an der wichtigen Unterstützung bei 4.000 US-Dollar als auch bei Gold in Euro am mittelfristigen Aufwärtstrend lieferten sich Bullen und Bären über sechs Wochen einen harten Kampf. Entsprechend viele Long- und Short-Positionen hatten sich im Markt aufgebaut. Ein Ausbruch nach unten hätte einen Long-Drop und damit einen starken Preiseinbruch ausgelöst. Der Ausbruch nach oben führte stattdessen zu einem Short-Squeeze und entsprechend kräftigen Kursgewinnen.

Der Goldpreis in Euro konnte mittlerweile über die 200-Tage-Linie ansteigen, die nach dem vorherigen Bruch zuletzt von unten getestet wurde. Bei 4.000 € bis 4.100 € liegt ein sehr starker Widerstandsbereich, der erst einmal standhalten dürfte und von wo aus eine erste Korrektur starten sollte. Nach der starken Rallye, den substanzlosen Treibern, die Gold unterstützten, und dem extrem überkauften Terminmarkt sowie dem extrem bullischen Sentiment ist nun mit einer Korrektur zu rechnen. Diese sollte mindestens bis 3.850 € bis 3.900 € laufen und könnte sich später ausdehnen, wenn der Rohölpreis wieder ansteigt und die Fed hawkish bleibt. Kurzfristig ist das Chance-Risiko-Verhältnis für steigende Preise jedenfalls nicht gut und in den nächsten beiden Wochen würde ich eher mit einer Korrektur der starken Rallye rechnen.

Entscheidend bleibt anschließend, ob die Bullen sich nach einer Korrektur erneut durchsetzen können oder der mittelfristige Aufwärtstrend noch einmal getestet wird, was angesichts der Gemengelage durchaus denkbar wäre.

Von entscheidender Bedeutung bleibt dabei die weitere Entwicklung des Rohölmarktes und des Konflikts im Mittleren Osten, da beides erheblichen Einfluss auf die Verbraucherpreise und die Zinsentwicklung hat. Eine erneute Eskalation mit einem Anstieg des Rohölpreises über 100 US-Dollar würde den Goldpreis kurzfristig erneut stark belasten und die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Korrektur deutlich erhöhen. Dementsprechend sollte man an den aktuellen Widerständen vorsichtig agieren.