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Bullen und Bären kämpfen weiter um die Richtungsentscheidung

Terminmarkt: CoT-Report

Der CoT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die CoT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium-Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die CoT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.

CoT-Analyse vom 18. September:

Der Goldpreis fiel zur Vorwoche um 67 US-Dollar, wofür die Spekulanten mit lediglich 8,5 Tsd. Kontrakten Short gingen. Das ist nicht viel und zeigt eine Schwäche am Goldmarkt. Der CoT-Index verbesserte sich dabei um 3 Punkte, während der CoT-Index zum Open Interest adjustiert von 0 auf 4 Punkte anstieg, aber weiterhin im Verkaufsbereich liegt.

Zum Vormonat zeigt sich eine noch deutlichere Schwäche. Der Goldpreis fiel um 60 US-Dollar, während die Spekulanten im gleichen Zeitraum sogar mit 3 Tsd. Kontrakten Long gingen. Aktuell herrscht am physischen Goldmarkt ein weitgehend ausgeglichenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage, während die Spekulanten weiterhin extrem bullish sind und jeden Rücksetzer kaufen.

Dieses bullische Sentiment könnte dem Goldpreis beim Bruch wichtiger technischer Unterstützungen zum Verhängnis werden. Werden viele Spekulanten ausgestoppt, kann dies einen starken Long-Drop nach sich ziehen und der Goldpreis schnell und stark fallen. Deshalb bleibt die Marke um 4.000 US-Dollar entscheidend.

Aktuell kämpfen Bullen und Bären im Bereich zwischen 4.300 und 4.400 US-Dollar um eine Richtungsentscheidung. Die Bullen setzen darauf, dass von hier aus eine neue Rallye startet, scheinen diesen Kampf jedoch sukzessive zu verlieren. In diesem Bereich wurden massive Long-Positionen aufgebaut. Fällt der Goldpreis wieder in Richtung 4.000 US-Dollar und scheitern die Bullen mit ihrem Angriff, könnte auch diese Unterstützung sehr schnell brechen und eine größere Verkaufswelle auslösen.

Die CoT-Daten zum Stichtag 15. September sprechen nicht für eine unmittelbare Fortsetzung der Rallye, zeigen aber erhebliche Risiken für das aktuelle Preisniveau und weiterhin großes Long-Drop-Potenzial.

Dollar und Zinsen schlagen die Goldbullen zurück

Der Terminmarkt bleibt deutlich überkauft und der zum Open Interest adjustierte CoT-Index liefert weiterhin ein Verkaufssignal. An zyklischen Tiefpunkten sehen wir normalerweise eine klare Übertreibung auf der Short-Seite, die bislang vollständig fehlt. Das weiterhin extrem bullische Sentiment spricht deshalb dafür, dass die August-Rallye primär spekulativ durch eine steigende Investmentnachfrage getragen wurde und eher den Charakter einer Bärenmarktrallye hatte.

Bei rund 4.700 US-Dollar traf der Goldpreis auf einen starken Widerstand im Bereich des April-Hochs. Gleichzeitig haben sich mehrere bullische Faktoren der August-Rallye entweder ins Gegenteil verkehrt oder als wenig nachhaltig erwiesen. Der Krieg im Mittleren Osten dauert an, der Rohölpreis handelte zuletzt wieder über 100 US-Dollar, die Fed zeigte sich hawkish und hob die Zinsen an, während auch der US-Dollar wieder steigt. Damit hat sich das kurzfristige Umfeld für Gold deutlich verschlechtert.

Noch hält sich der Goldpreis über seiner 200-Tage-Linie und oberhalb des zuvor gebrochenen Abwärtstrends. Solange diese Unterstützungen verteidigt werden, bleibt das bullische Chartbild intakt und Rücksetzer werden weiterhin gekauft. Fällt der Goldpreis jedoch erneut unter diese Marken zurück, wäre ein Test der Unterstützung bei 4.000 US-Dollar wahrscheinlich.

Entscheidend bleibt die weitere Entwicklung des Rohölpreises. Hält sich dieser über 100 US-Dollar und steigt weiter in Richtung 120 US-Dollar, während die Zinsen hoch und die Fed hawkish bleibt, dürfte der Goldpreis erneut stärker unter Druck geraten. Da die jüngste Rallye stark von politischen Eingriffen wie der Yen-Intervention und den Käufen von US-Staatsanleihen getrieben wurde, bleibt mit hoher Volatilität zu rechnen. Wer die Long-Seite handelt, sollte deshalb weiterhin mit einem engen Stop-Loss arbeiten. Sollten die Bullen endgültig die Kontrolle verlieren, dürfte die nächste entscheidende Schlacht an der Unterstützung bei 4.000 US-Dollar stattfinden.

Goldpreis in Euro: Erneuter Test des Aufwärtstrends

Der Goldpreis in Euro fiel zuletzt erneut unter die 200-Tage-Linie und notiert aktuell bei rund 3.761 € je Feinunze. Die Bullen sehen darin bislang lediglich die Korrektur einer ersten Impulswelle, auf die eine weitere Aufwärtsbewegung zu höheren Preisen folgen soll. Da das Sentiment weiterhin sehr bullisch ist, werden Rücksetzer von Spekulanten und Investoren noch immer gekauft.

Der erneute Rückfall unter die 200-Tage-Linie ist jedoch als bärisches Warnsignal zu werten. Sollten weitere Zinserhöhungen und ein erneuter Anstieg des Rohölpreises den Goldpreis zusätzlich unter Druck setzen, dürfte der mittelfristige Aufwärtstrend bei 3.600 € wieder in den Fokus rücken. Wird dieser gebrochen, hätte Gold in Euro weiteres Abwärtspotenzial bis in den Bereich um 3.000 €. Dies entspräche einem zusätzlichen Rückgang von rund 600 € je Feinunze.

Im bullischen Szenario hat der Goldpreis in Euro dagegen nicht mehr viel Luft nach unten. Spätestens im Bereich um 3.600 € je Feinunze müsste der mittelfristige Aufwärtstrend verteidigt werden. Mittlerweile wird bei der Fed über eine weitere Zinsanhebung gesprochen, während gleichzeitig der Rohölpreis und der US-Dollar wieder steigen. Diese Entwicklungen müssten sich umkehren, damit sich der Goldpreis nachhaltig erholen kann.

Kurzfristig bleibt eine trendlose Seitwärtsbewegung mit einem anschließenden Test des Aufwärtstrends das wahrscheinlichste Szenario. Gleichzeitig nehmen die Risiken zu, weshalb der mittelfristige Aufwärtstrend beim Goldpreis in Euro genau beobachtet werden sollte. Bricht dieser, wäre dies ein klares Warnsignal. In diesem Fall sollten Long-Positionen geschlossen und eine stärkere Korrektur eingeplant werden. Solange der Goldpreis jedoch über 3.600 € handelt, bleibt das charttechnische Signal bullish für weiter steigende Preise.