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Erleichterungsrallye: Gold steigt bis an den Widerstand bei 4.400 US-Dollar

Nachdem der Goldpreis von seinem Hoch Ende Januar bis Mitte Juli um 27 % eingebrochen war, vollzog er seit Anfang der vergangenen Woche eine beeindruckende Rallye von 10 %. Über mehrere Wochen stand es an der wichtigen Unterstützung bei 4.000 US-Dollar Spitz auf Knopf, während der Preis in einer zunehmend enger werdenden Handelsspanne verharrte. Doch anstatt weiter einzubrechen, sprang der Goldpreis in der vergangenen Woche nach oben, nachdem die US-Regierung überraschend wieder einmal ein schnelles Ende des Konflikts im Mittleren Osten binnen weniger Tage in Aussicht gestellt hatte und der Rohölpreis daraufhin stark einbrach. Mit dem Rückgang des Ölpreises gingen auch die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen zurück. Nach den Fed Funds Futures erwartet der Markt aktuell eine Zinserhöhung im September nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 %, während eine Zinserhöhung bis zum Jahresende mit einer Wahrscheinlichkeit von 77 % eingepreist wird.

Der Goldpreis stieg am Mittwochmorgen auf 4.435 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Anfang Juni, während der Silberpreis ein Hoch bei 66,63 US-Dollar erreichte. Der initiale Auslöser für die Rallye waren die Friedenshoffnungen im Mittleren Osten und der damit verbundene starke Rückgang des Rohölpreises. In den folgenden Tagen kamen jedoch weitere Preistreiber hinzu, die die Bewegung deutlich beschleunigten.

In dieser Woche wurde der Preisanstieg zusätzlich von den unerwartet schlechten US-Arbeitsmarktdaten für Juli gestützt, die die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September weiter verringert hatten. Ein weiterer Preistreiber war der chaotische Fed-Zinsentscheid mit der anschließenden Pressekonferenz des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh und dem kürzesten Statement seit Jahren. Warsh verunsicherte die Märkte, nachdem er in der Kommunikation versagte, Fragen auswich und seine wenigen Aussagen als dovish interpretiert wurden. Auch die Yen-Intervention am 31. Juli verstärkte die Bewegung.

Aufgrund dieser Ereignisse zogen sich zunächst Short-Spekulanten reflexartig zurück und deckten ihre Leerverkäufe am Goldmarkt ein, während gleichzeitig die Goldbullen schnell wieder optimistisch wurden. Der charttechnische Ausbruch aus der sechswöchigen Konsolidierung unmittelbar oberhalb der wichtigen Unterstützung bei 4.000 US-Dollar zog zusätzliche Long-Spekulanten und Momentum-Trader an, was den Preisanstieg zusätzlich beschleunigte. Dies zeigt sich auch in den Zuflüssen in ETF-Produkte. Der SPDR Gold Shares ETF (GLD) verbuchte in der vergangenen Woche Zuflüsse von insgesamt 1,44 Mrd. US-Dollar, während der iShares Silver Trust ETF (SLV) Zuflüsse von 83,06 Mio. US-Dollar verzeichnete.

Wie bullisch das Sentiment mittlerweile wieder ist, zeigen die neuesten Terminmarktdaten der US-Terminmarktaufsicht CFTC, die am Freitag veröffentlicht wurden. Diese zeigen, dass die Spekulanten unvermindert stark auf einen steigenden Preis wetten und das Sentiment noch immer sehr bullisch ist für den Goldmarkt. Der CoT-Index zum Open Interest adjustiert ist mittlerweile wieder im überkauften Verkaufsbereich angekommen.

Typischerweise gehen nachhaltige Bodenbildungen am Edelmetallmarkt mit einem überverkauften Terminmarkt, also einem extrem bärischen Sentiment, einher und nicht diametral gegensätzlich mit einem bereits wieder extrem bullischen Sentiment. Der Goldpreis hat damit zwar ein bullisches charttechnisches Signal geliefert, während der Terminmarkt gleichzeitig bereits wieder überkauft ist und ein Verkaufssignal liefert. Dieser Widerspruch stellt die Nachhaltigkeit der Rallye der vergangenen Woche infrage.

Hinzu kommt, dass einer der wichtigsten fundamentalen Auslöser der Rallye bereits wieder weitgehend verschwunden ist. Der von Trump und Scott Bessent für die vergangene Woche angekündigte Frieden ist nicht eingetreten. Stattdessen stellte der Iran eine Liste mit Forderungen auf, die die USA nicht erfüllen können, was zu einer neuen und höheren Eskalationsstufe führen könnte. Der Rohölpreis (WTI) stieg unterdessen wieder um 10 US-Dollar auf 84 US-Dollar und hat den Preiseinbruch der Vorwoche nahezu vollständig negiert. Damit hat sich ausgerechnet jener Faktor wieder umgekehrt, der den Goldpreisanstieg zunächst maßgeblich unterstützt hatte.

Gleichzeitig ist der Terminmarkt für WTI überverkauft, wobei der neueste CoT-Report belegt, dass der Markt in den vergangenen Wochen gut versorgt war. Dies ist angesichts der Angebotsverknappung nur durch die Plünderung strategischer Rohölreserven zu erklären. Die Reserven der USA sind unterdessen auf unter 300 Mio. Fässer gefallen und damit auf den niedrigsten Stand seit 1982. Sollte sich die physische Angebotslage verschärfen und der Rohölpreis ausgehend von seinem überverkauften Terminmarkt weiter steigen, würde dies die Gefahr erneut steigender Verbraucherpreise erhöhen. Die Fed hätte dadurch weniger Spielraum für eine lockerere Geldpolitik, während steigende Renditen und ein stärkerer US-Dollar erneut Druck auf den Goldpreis ausüben könnten. Mit aktuell 0,54 Gramm Gold je Fass ist Rohöl der Sorte WTI immer noch historisch günstig unter dem langfristigen Mittel von rund zwei Gramm je Fass. Eine Verdoppelung oder Verdreifachung des Rohölpreises wäre demnach lediglich eine Rückkehr zu einem inflationsbereinigt langfristigen Durchschnittspreis.

Der Rohölpreis hat wieder seinen Abwärtstrend bei 84 US-Dollar angelaufen. Ein Ausbruch darüber würde einen Anstieg bis zum nächsten signifikanten Widerstand bei 92 US-Dollar und bei 102 US-Dollar nach sich ziehen. Versiegt das Angebot aus den strategischen Rohölreserven und setzt sich gleichzeitig der Krieg fort, könnte der Rohölpreis schnell auf 120 US-Dollar und darüber ansteigen.

Auch bei der Yen-Intervention handelte es sich primär um eine Verbalintervention der US-Regierung. Eine gut platzierte schriftliche Notiz von Bessent zum Kauf von Yen im Volumen von 10 bis 15 Mrd. US-Dollar ging viral, hatte jedoch lediglich symbolischen Charakter.

Damit basiert die Rallye im Wesentlichen auf drei Hoffnungen. Erstens auf einem schnellen Frieden im Mittleren Osten und dauerhaft niedrigeren Ölpreisen, zweitens auf einer dovisheren Fed und drittens auf einer wirkungsvollen Yen-Intervention. Alle drei Annahmen stehen aktuell jedoch auf einem fragilen Fundament. Ein Frieden im Mittleren Osten ist nicht eingetreten und der Ölpreis ist bereits wieder deutlich gestiegen. Die Yen-Intervention war primär symbolischer Natur und auch die Fed-Politik könnte vom Markt zu dovish interpretiert worden sein.

Die aktuelle Erholung der Edelmetallpreise ist deshalb primär spekulativer Natur. Angesichts dieser Meldungen hatten sich Short-Spekulanten reflexartig zunächst zurückgezogen, bevor neue Long-Spekulanten den charttechnischen Ausbruch kauften und die Bewegung zusätzlich beschleunigten. Die Rallye der vergangenen Woche basiert damit vor allem auf Hoffnungen. Sollte die Fed hawkish bleiben, sich der Krieg fortsetzen und der US-Dollar wieder stärker werden, könnte sich das Blatt schnell wenden.

Nach einem Preisanstieg von rund 10 %, einem bereits wieder überkauften Terminmarkt und dem Erreichen einer starken Widerstandszone bei rund 4.400 US-Dollar hat sich auch das kurzfristige Chance-Risiko-Verhältnis für neue Long-Positionen deutlich verschlechtert. Gerade nach einer derart schnellen Bewegung sollte man deshalb vorsichtig agieren und im Trading einen engen Stop-Loss platzieren.

Charttechnisch ist der Goldpreis bei rund 4.400 US-Dollar bereits an eine stärkere Widerstandszone gelaufen, die erst einmal überwunden werden müsste und von der aus eine Gegenbewegung bis 2.200 US-Dollar starten könnte. Angesichts der Gemengelage ist es ratsam, vorsichtig vorzugehen und nicht gleich zu bullisch zu werden und alles auf eine Karte zu setzen. Stattdessen sollte man demütig bleiben, enge Stopps setzen und Gewinne an wichtigen Widerständen, wie aktuell der Marke von 4.400 US-Dollar, kurzzeitig auch einmal realisieren.