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Fed im Fokus – Gold kämpft um die 4.000 $

Gold und Silber eröffneten die Handelswoche im Plus, wobei der Goldpreis bis auf 4.115 $ und Silber bis auf 59,9$ sprangen, nachdem der Rohölpreis zu Handelsbeginn deutlich gefallen war und sich am Wochenende eine gewisse Entspannung im Mittleren Osten abzeichnete. Hintergrund waren Hoffnungen auf eine vorübergehende Kampfpause, neue diplomatische Gespräche und eine mögliche Entspannung rund um die Straße von Hormus. 

Nach dem ersten initialen Anstieg gerieten beide Edelmetalle schnell wieder unter Verkaufsdruck, obwohl der Rohölpreis bis Dienstagabend weiter nachgab. Die anfänglichen Gewinne wurden mittlerweile vollständig wieder abgegeben und Gold handelt 0,6% und Silber rund 1,5% unter dem Vorwochenschlusskurs. Platin handelt bei rund 1.600 $ und damit über einer wichtigen Unterstützung, die in den letzten Wochen Halt bot, doch deren Tragfähigkeit bei einem weiteren Rohöl- und Zinsanstieg angezweifelt werden muss. Der Palladiumpreis hatte in den letzten Wochen hingegen etwas Stärke gezeigt und keilt sich aktuell charttechnisch um die Marke von 1.250 $ ein. Auch hier wäre ein weiterer Preisrückgang auf 1.000$ denkbar.

Dass sich Gold und Silber trotz des zwischenzeitlich schwächeren Rohölpreises nicht nachhaltig erholen konnten, unterstreicht die anhaltende Schwäche am Edelmetallmarkt. Besonders kritisch bleibt, dass Gold weiterhin nur knapp oberhalb der wichtigen Unterstützung bei 4.000 $ je Feinunze handelt, während das Sentiment noch immer viel zu bullisch ist und die Terminmarktdaten der CFTC ein Risiko für den Goldpreis signalisieren. Da der Rohölpreis nach seiner erwartbaren Korrektur inzwischen wieder anzieht, steigt damit erneut der Druck auf Gold und Silber, sodass die Unterstützung bei Gold um die 4.000$ zunehmend gefährdet ist.

Der Markt richtet seinen Blick nun auf die US-Notenbanksitzung am heutigen Abend und die anstehenden PCE-Inflationszahlen am Donnerstag. Der Zinsentscheid und die anschließende Pressekonferenz mit Kevin Warsh werden zeigen, ob die Zinserwartungen weiter ansteigen oder ob Gold kurzfristig noch einmal Entlastung erhält und die Unterstützung bei 4.000$ verteidigen kann.

Nach aktuellem Stand vom Mittwochmittag liegt die Wahrscheinlichkeit nach den Fed Funds Futures bei rund 64 %, dass die US-Notenbank am heutigen Abend keine Zinserhöhung beschließt. Für die September-Sitzung wird hingegen eine Anhebung um 25 Basispunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 80 % eingepreist. Der Markt rechnet also nicht mit einer Entwarnung, sondern lediglich mit einer Verschiebung des nächsten Zinsschritts.

Eine hawkische Überraschung der Fed, feste PCE-Daten oder erneut steigende Energiepreise würden den Druck auf die wichtige Unterstützung bei 4.000 $ erhöhen. Besonders der Rohölpreis bleibt ein entscheidender Faktor, den wir ganz genau beobachten. Seit Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran Ende Februar ist Gold bereits um rund 25% gefallen. Steigt Rohöl weiter, wonach es aktuell aussieht, dann hätte die Fed kaum Spielraum, was den US-Dollar stützen, die Zinsen hoch halten und Gold sowie Silber weiter belasten würden.

Bei den ETF-Strömen zeigte sich zuletzt ein gemischtes Bild in der letzten Woche. Der SPDR Gold Shares ETF verbuchte in der vergangenen Woche Zuflüsse von insgesamt 1,33 Mrd. US-Dollar, während sein Kurs um 1,12 % zulegte, wogegen der iShares Silver Trust ETF Abflüsse von 30,23 Mio. US-Dollar verbuchte. Solange sich diese Gemengelage aus hohem Ölpreis, hawkisher Fed, starkem US-Dollar, einem deflationären und rezessiven Marktumfeld nicht auflöst, bleibt jede Erholung am Goldmarkt eher eine erneute Short-Chance. Ein Bruch der Unterstützung bei 4.000 $ je Feinunze würde ein klares technisches Verkaufssignal liefern und den Weg für die nächste Abwärtsbewegung öffnen.

Perfekter Sturm am Rohölmarkt erhöht den Druck auf die Edelmetalle

Die Terminmarktdaten der NYMEX deuten im COT-Report darauf hin, dass im vergangenen Monat ein Defizit am Rohölmarkt bestand. Der Rohölpreis stieg zum Stichtag des 21. Juni deutlich um 11 $ auf 84 $ im Vergleich zum Vormonat, während sich gleichzeitig die Positionierung am Terminmarkt spürbar verbesserte. Spekulanten halten nur noch eine Netto-Long-Position von 108 Tsd. Kontrakten. Das ist ein vergleichsweise niedriges Niveau, weshalb sich der COT-Index mit aktuell 84 Punkten im antizyklisch bullischen Bereich befindet.

Seitens des Terminmarktes besteht damit genügend Potenzial für einen weiteren Anstieg des Rohölpreises. Sollte sich der Konflikt im Mittleren Osten verschärfen und über die kommenden Wochen und Monate anhalten, dürfte der Preis weiter deutlich steigen und die bisherigen Jahreshochs überwinden. Während der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus wieder auf null gefallen ist, führen die mit Iran verbündeten Huthi gezielte Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Bab al-Mandab durch. Dadurch ist der tägliche Tankerverkehr auf nur noch sieben bis zwölf Schiffe zurückgegangen. Viele Reedereien meiden die Route inzwischen und weichen über das Kap der Guten Hoffnung aus, wodurch Frachtraten und Versicherungskosten steigen. Damit ist die zweite Front des Irans im Roten Meer ein weiterer Risikofaktor für den Ölpreis.

Unterdessen befindet sich die Strategische Erdölreserve der USA mittlerweile auf dem niedrigsten Stand seit 1983, nachdem man seit Mai 100 Millionen Barrel entzog. Eine Zeit lang konnte dies einen stärkeren Anstieg des Rohölpreis verhindern, doch ist man mittlerweile an einem Punkt, an dem es physisch schwierig wird, weiteres Öl zu entnehmen, womit dieses Angebot zu versiegen droht.

Ein versiegendes Angebot aus strategischen Ölreserven, die Angebotsverknappung durch die Straße von Hormus sowie Bab al-Mandab, sowie ein gleichzeitig überverkaufter Terminmarkt bilden zunehmend einen perfekten Sturm für den Rohölpreis, je länger der Krieg im Mittleren Osten andauert.

Angesichts dieser Terminmarktdaten dürften kurzzeitige Friedensbekundungen die Lage am Ölmarkt kaum noch nachhaltig entspannen, während sich weiterhin Druck im Kessel aufbaut. Nur ein dauerhafter Frieden und eine gesicherte freie Passage durch die Straße von Hormus könnten einen stärkeren Anstieg des Rohölpreises nun noch verhindern. Steigt der Rohölpreis weiter, dürften auch die Verbraucherpreise erneut zulegen, was den US-Dollar stützen würde, während die Fed länger restriktiv bleiben könnte.

Preisdämpfend wirkt hingegen die sich weltweit eintrübende Konjunktur infolge der stark gestiegenen Zinsen der vergangenen Jahre. Eine schwächere Wirtschaftsentwicklung reduziert mittelfristig die Nachfrage nach Rohöl und wirkt damit als entlastender Faktor. Die wirtschaftlichen Folgen eines weiter steigenden Rohölpreises und einer sich eintrübenden Konjunktur dürften insbesondere Platin und Palladium weiter unter Druck setzen. In dieser Woche kam es zu einer erwartbaren technischen Korrektur, nachdem der Rohölpreis in binnen drei Wochen von 67 $ auf 93 $ gestiegen war. Im Anschluss an die aktuelle Korrektur dürfte der Preis erneut bis in den Bereich um 92 $ ansteigen. Gelingt der Ausbruch über diesen Widerstand, wäre angesichts des COT-Reports ein Short Squeeze am Terminmarkt möglich, der den Rohölpreises nochmals stark anschieben könnte, womit schnell die Jahreshochs in Reichweite wären. Diese Entwicklung würde Gold und Silber zusätzlich belasten und könnte beim Goldpreis den nächsten Einbruch unter die wichtige Unterstützung bei 4.000 $ nach sich ziehen.