Der Goldpreis testete in der vergangenen Woche eine wichtige Dreifachunterstützung bei 4.367 US-Dollar. Dort verlaufen die 200-Tage-Linie, eine bedeutende charttechnische Unterstützung sowie der seit zweieinhalb Jahren intakte Aufwärtstrend. Kurzzeitig sah es so aus, als gelänge es den Bären, diese wichtige Unterstützung zu durchbrechen, doch kamen Käufer in den Markt, worauf Gold erneut auf fast 4.600 US-Dollar ansteigen konnte. Der Goldpreis hatte sich in den letzten Wochen in einer engen Spanne zwischen 4.400 US-Dollar und 4.800 US-Dollar eingekeilt, die zunehmend enger wird. Ein Ausbruch über den Abwärtstrend wäre bullisch, während ein Bruch der Dreifachunterstützung einen stärkeren Abverkauf nach sich ziehen würde. Für Trader und Investoren ergeben sich daraus interessante Chancen auf der Short-Seite, während sich nach einem Abverkauf attraktive antizyklische Kaufgelegenheiten bieten dürften. Kann der Goldpreis seinen Aufwärtstrend verteidigen, ist wieder Luft nach oben vorhanden.
Fundamentales Umfeld bleibt belastend
Fundamental bleibt das makroökonomische Umfeld schwierig, da hohe Zinsen, der anhaltende Konflikt im Mittleren Osten, hohe Energiepreise und eine schwächere Konjunktur auch den Goldmarkt belasten. Die Geldmärkte preisen bis Jahresende eine Zinserhöhung der Fed ein, und die neuesten Arbeitsmarktdaten zeigen, dass die US-Arbeitslosigkeit den höchsten Stand seit Mai 2024 erreicht hat. Gleichzeitig zeigt sich die US-Notenbank weiterhin hawkish und signalisiert bislang keine Rückkehr zu einer lockeren Geldpolitik.
Sollte dieses Umfeld anhalten, dürfte weiterer Verkaufsdruck entstehen. Ein möglicher Einbruch am Krypto- oder Aktienmarkt könnte Gold zwar zeitweise als sicheren Hafen stützen, doch ohne neue Liquidität bleiben die Rahmenbedingungen sowohl für Bitcoin als auch für Gold herausfordernd. Erst wenn die Notenbanken wieder Liquidität bereitstellen müssen, würde sich das Bild deutlich aufhellen. Bis dahin überwiegen die Risiken gegenüber den Chancen.
Der SPDR Gold Shares ETF (GLD) verzeichnete in der vergangenen Woche Mittelabflüsse von 811,94 Mio. US-Dollar, während der iShares Silver Trust ETF (SLV) Abflüsse von 227,93 Mio. US-Dollar auswies. Relativ zum Fondsvolumen handelt es sich jedoch nicht um einen massiven Kapitalabzug, sondern eher um eine moderate Gewinnmitnahme beziehungsweise taktische Umschichtung nach der starken Rally der letzten beiden Jahre bei den Edelmetallen.
Gold überholt US-Staatsanleihen als weltweit wichtigstes Reserveasset der Zentralbanken
Ein am Dienstag veröffentlichter Bericht der Europäischen Zentralbank konstatiert, dass US-Staatsanleihen als weltweit wichtigstes Reserveasset der Zentralbanken durch Gold abgelöst wurden. Der Sachverhalt selbst ist nicht neu, doch dass ihn nun auch die EZB in dieser Deutlichkeit festhält, ist durchaus erwähnenswert.
Ursächlich für diese Entwicklung sind die jahrelangen Goldkäufe der Zentralbanken sowie insbesondere die starke Rally des Edelmetalls. Der Goldpreis stand Anfang 2024 noch bei rund 2.060 US-Dollar je Unze und hat sich mit aktuell 4.450 US-Dollar mehr als verdoppelt.
Aufgrund dieses massiven Preisanstiegs machten Goldbarren zum Jahresende 2025 rund 27 % aller weltweiten Reserveanlagen der Zentralbanken aus, nach 20 % noch ein Jahr zuvor. US-Staatsanleihen fielen im selben Zeitraum von 25 % auf 22 %. Dass Gold damit den traditionellen Grundpfeiler der internationalen Dollar-Reserven überholt hat, ist vor allem auf den spektakulären Preisanstieg der vergangenen beiden Jahre zurückzuführen. Das Rekordhoch von rund 5.600 US-Dollar je Feinunze wurde im Januar erreicht.
Obwohl Gold damit einen bedeutenden Meilenstein erreicht hat, erwartet die EZB nicht, dass dieser Trend nachhaltig ist. Dieser Einwand ist nicht völlig unberechtigt. Da die Goldbestände anteilig an den Währungsreserven inzwischen hoch sind, wäre es durchaus denkbar, dass Notenbanken in den kommenden Jahren weniger Gold kaufen.
Die übrigen, den Goldpreis eher negativ darstellenden Begründungen der EZB überzeugen hingegen nicht. So schreibt die EZB: „Mit Blick nach vorn stößt Gold als offizielles Reserveasset im Vergleich zu den großen Fiatwährungen an Grenzen: Sein Preis ist volatil, es wirft keine laufenden Erträge ab, und wenn es physisch gehalten wird, ist die Lagerung teuer“, heißt es in dem EZB-Bericht. „Noch wichtiger ist, dass das Goldangebot nicht vollständig elastisch ist und sich nicht nahtlos an Veränderungen der internationalen Nachfrage nach Liquidität anpasst.“
Diese Argumentation ist aus meiner Sicht falsch. Gerade die begrenzte Elastizität des Goldangebots ist nicht der Schwachpunkt von Gold, sondern einer der zentralen Gründe, warum Gold überhaupt als Reserveasset gehalten wird. Das Angebot lässt sich eben nicht beliebig ausweiten. Genau darin liegt der monetäre Charakter von Gold. Während Fiatgeld durch Kreditvergabe, Staatsverschuldung und Ausweitung der Zentralbankbilanzen nahezu unbegrenzt geschaffen werden kann, bleibt Gold ein knappes Gut. Deshalb ist und bleibt Gold seit Jahrtausenden die stärkste Währung der Welt.
Auch das Argument fehlender laufender Erträge greift zu kurz. „Gold ist Geld. Alles andere ist Kredit“, sagte bereits J. P. Morgan. Entscheidend ist deshalb nicht, ob Gold Zinsen zahlt, sondern ob es Kaufkraft erhält. Genau das hat Gold über lange Zeiträume eindrucksvoll bewiesen. Zur Jahrtausendwende stand der Goldpreis noch bei rund 250 US-Dollar je Unze, während aktuell 4.500 US-Dollar gefragt sind. Der durchschnittliche Kursgewinn der vergangenen 25 Jahre lag damit bei rund 11 % pro Jahr und übertraf sogar die Performance des S&P 500.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist das Kontrahentenrisiko. US-Staatsanleihen sind letztlich Forderungen gegenüber dem amerikanischen Staat und damit Teil eines politischen, rechtlichen und finanziellen Systems. Gold hingegen ist kein Zahlungsversprechen eines Dritten, sondern ein neutraler Vermögenswert ohne Gegenparteirisiko. Genau dieser Unterschied ist für Zentralbanken in einer zunehmend fragmentierten Weltordnung von zentraler Bedeutung. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Währungsreserven sanktioniert, eingefroren oder politisch instrumentalisiert werden können. Physisches Gold im eigenen Zugriff entzieht sich diesem Risiko weitgehend. Zentralbanken kaufen Gold daher wegen seiner politischen Neutralität, seiner Knappheit und seiner Unabhängigkeit vom Kreditrisiko anderer Staaten.
Richtig ist hingegen die Feststellung der EZB, dass die Volatilität am Goldmarkt in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen hat. Das ist für Gold historisch eher untypisch, spiegelt aber weniger eine fundamentale Schwäche des Edelmetalls wider als vielmehr den zunehmenden Vertrauensverlust in das bestehende Fiat- und Kreditgeldsystem. Hinzu kommt, dass heute weltweit deutlich mehr spekulatives Kapital kurzfristig an den Märkten aktiv ist als noch vor 20 oder 40 Jahren, was kurzfristige Bewegungen verstärkt und damit die Volatilität erhöht. Fundamental betrachtet spricht jedoch wenig dafür, dass diese erhöhte Volatilität dauerhaft weiter zunehmen wird. Vielmehr dürfte sie langfristig wieder abnehmen, sobald sich die Neubewertung von Gold im globalen Währungssystem normalisiert.
Staatsschulden und Geldmengenausweitung bleiben der langfristige Treibstoff für Gold
Langfristig bleibt Gold vor allem wegen der weiter steigenden Staatsverschuldung ein attraktives Investment. Die immer höheren Schuldenstände lassen sich politisch kaum durch harte Sparmaßnahmen abbauen. Gleichzeitig ist eine echte Zinssenkung über eine erneute Liquiditätsflutung des Systems kaum noch möglich, weil in den vergangenen Jahrzehnten bereits enorme Geldmengen geschaffen wurden und jede weitere Ausweitung der Geldmenge unmittelbar inflationär wirkt. Eine zusätzliche geldpolitische Injektion würde die Inflationserwartungen eher weiter anheizen und damit den Druck auf die Kapitalmarktzinsen erhöhen, statt die Schuldenproblematik nachhaltig zu lösen.
Der letztlich gangbare Weg für Notenbanken und Regierungen bleibt deshalb eine fortgesetzte Finanzierung über die Druckerpresse beziehungsweise eine weitere Ausweitung der Geldmenge. Genau das sorgt langfristig für eine strukturelle Entwertung der Fiat-Währungen. Gold bleibt in diesem Umfeld der klassische Schutz gegen Kaufkraftverlust, weil es knapp, nicht beliebig vermehrbar und außerhalb des Kreditgeldsystems steht.
Rücksetzer im Goldpreis sollten daher weiterhin genutzt werden, um Positionen aufzubauen. Eine stärkere Korrektur wäre aus meiner Sicht keine Trendwende, sondern eine attraktive antizyklische Kaufchance, bevor in den kommenden Jahren neue Allzeithochs erreicht werden. Fünfstellige Preisniveaus beim Goldpreis sind in diesem Umfeld keine Frage des Ob, sondern eher des Wann.
Der S&P 500 hat auf einem neuen Allzeithoch geschlossen und ist dabei, eine 10-Wochen-Gewinnserie zu erreichen, was es zuletzt 1985 gab.
Bitcoin unter Druck: Bruch der Unterstützung könnte die Märkte schwer treffen
Der Bitcoin ist seit Wochenbeginn um mehr als 8.000 US-Dollar beziehungsweise rund 11 % eingebrochen und fiel erneut auf die wichtige Unterstützung bei 65.000 US-Dollar. Wird diese Marke nachhaltig gebrochen, droht eine weitere Verkaufswelle bis in den Bereich von rund 30.000 US-Dollar. Das entspräche einem Rückgang von etwa 76 % gegenüber dem Allzeithoch bei 126.000 US-Dollar im Oktober des vergangenen Jahres.
Das aktuelle Umfeld ist für Bitcoin und Kryptowährungen alles andere als bullisch. Steigende Marktzinsen, abnehmende Liquidität, geopolitische Risiken, höhere Energiepreise und eine sich abschwächende Wirtschaft bilden ein klassisches Risk-Off-Umfeld. In solchen Phasen werden spekulative Anlagen wie Bitcoin, Ethereum und insbesondere der breite Altcoin-Markt meist zuerst verkauft.
Ohne neues Kapital fehlt der Treibstoff für steigende Kurse. Die großen Aufwärtsbewegungen bei Bitcoin waren in den vergangenen Jahren fast immer eng mit expansiver Geldpolitik, fallenden Realzinsen und steigender Risikobereitschaft verbunden. Dieses Umfeld ist derzeit nicht gegeben. Stattdessen verschlechtern sich die Rahmenbedingungen weiter. Sollte es infolge steigender Zinsen in einem deflationären Umfeld zu einer Rezession kommen und die Aktienmärkte in eine längere Baisse übergehen, dürften Kryptowährungen überproportional darunter leiden, möglicherweise stärker als jemals zuvor seit Bestehen dieses Marktes.
Erst neue Liquidität der Notenbanken könnte das Ruder wieder herumreißen. Solange diese jedoch die Füße stillhalten, dürfte sich der Abwärtstrend bei Bitcoin fortsetzen. Besonders kritisch bleibt dabei die Unterstützung im Bereich von 65.000 US-Dollar. Ein nachhaltiger Bruch dieser Marke dürfte den Verkaufsdruck deutlich erhöhen, da Stop-Loss-Orders ausgelöst, gehebelte Long-Positionen liquidiert und kurzfristige Anleger aus dem Markt gedrängt würden. Die nächste größere Unterstützung liegt dann erst wieder im Bereich um 30.000 US-Dollar.
Auch die Erzählung vom „digitalen Gold“ überzeugt in diesem Umfeld nicht. Nachdem sich die Hoffnung, Bitcoin könne als weltweites Zahlungsmittel fungieren, nicht erfüllt hat, wurde das Narrativ zunehmend in Richtung Wertspeicher verschoben. Stressphasen an den Märkten zeigen jedoch immer wieder, dass Bitcoin nicht als sicherer Hafen wie Gold, sondern wie ein spekulatives Risikoasset gehandelt wird. Wenn Investoren Risiko reduzieren und Liquidität aus den Märkten abziehen, werden Bitcoin und andere Kryptowährungen verkauft. Ein Vergleich mit Gold ist deshalb unangebracht.
Michael Saylor und Strategy könnten wanken
Der Preisrückgang in dieser Woche wurde zusätzlich durch die Meldung belastet, dass Strategy zwischen dem 26. und 31. Mai 32 BTC zu einem Durchschnittspreis von 77.135 US-Dollar je Bitcoin verkauft und damit rund 2,5 Mio. US-Dollar erlöst hatte. Für sich genommen ist dieser Verkauf klein und nicht marktentscheidend. Entscheidend ist jedoch das Signal: Strategy, der prominenteste institutionelle Bitcoin-Käufer, hat überhaupt Bitcoin-Bestände angetastet.
Das Unternehmen wettet seit Jahren darauf, dass Bitcoin immer weiter steigt, kauft Bitcoin kreditfinanziert und hat dadurch den Markt indirekt mitgestützt. Mittlerweile hält Strategy enorme Bitcoin-Bestände, die zu einem durchschnittlichen Kaufpreis von rund 75.000 US-Dollar aufgebaut wurden. Fällt der Bitcoinpreis deutlich unter diesen Durchschnittskurs, steht das Unternehmen bilanziell unter Druck, und der Druck auf die Geschäftsführung dürfte zunehmen.
Besonders kritisch wäre ein Rückgang in Richtung 30.000 US-Dollar. In diesem Szenario würde Strategy auf massiven Buchverlusten von rund 38 Mrd. US-Dollar sitzen, während der Wert der 843.706 BTC nur noch etwa 25,3 Mrd. US-Dollar betragen würde. Dann stellt sich die entscheidende Frage, wie stabil das Unternehmen in einem echten Stressszenario bleibt: Wie reagiert der Aktienkurs? Wie teuer wird die Refinanzierung? Und vor allem: Könnte Strategy gezwungen sein, Bitcoin zu verkaufen?
Genau darin liegt die systemische Gefahr. Muss Strategy in einem schwachen Marktumfeld Bitcoin liquidieren, könnte dies den Abwärtsdruck massiv verstärken und eine Liquidationsspirale auslösen. Der Markt unterschätzt häufig, wie schnell sich ein scheinbar stabiler Trend in eine breite Verkaufswelle verwandeln kann, wenn Liquidität fehlt. In einem solchen Umfeld reichen wenige Auslöser aus, um Stop-Loss-Orders, Margin Calls und Zwangsliquidationen in Gang zu setzen.
Ein solcher Crash am Kryptomarkt könnte auch auf andere Märkte übergreifen. Weitere unseriöse oder stark gehebelte Geschäftsmodelle im Kryptosektor könnten zusammenbrechen, was den Vertrauensverlust weiter verschärfen und den Verkaufsdruck zusätzlich erhöhen würde. Auch der Aktienmarkt wäre davon nicht zwangsläufig isoliert, insbesondere wenn Anleger Risiko breit reduzieren und Liquidität aus spekulativen Segmenten abziehen.
Der Kryptomarkt befindet sich damit in einer gefährlichen Lage. Wer hier Long positioniert ist, spekuliert gegen ein zunehmend negatives Makroumfeld aus steigenden Zinsen, sinkender Liquidität, geopolitischen Risiken und einer schwächeren Wirtschaft. Das kann funktionieren, wenn plötzlich wieder Liquidität in den Markt kommt. Danach sieht es aktuell jedoch nicht aus.
Aktive Trader sollten deshalb sehr defensiv agieren. Aus Chance-Risiko-Sicht ist die Short-Seite derzeit interessanter als neue Long-Positionen. Wer nicht aktiv handelt, sollte dem Kryptomarkt aktuell besser fernbleiben und auf einen möglichen Abverkauf warten.
Nach einem starken Einbruch können sich wieder Chancen ergeben. Auch einzelne Kryptowährungen könnten nach einer Bereinigung attraktive Kaufgelegenheiten bieten. Doch diese Chancen entstehen erst nach dem Abverkauf, nicht davor. Das aktuelle Umfeld bietet Bitcoin und Kryptowährungen wenig Unterstützung. Der Markt bleibt fragil, anfällig und nach unten gefährdet.




