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Gold und Silber steigen nach Waffenstillstand im Mittleren Osten

Die Edelmetallpreise stiegen in der Nacht auf Mittwoch stark an, nachdem ein zweiwöchiger Waffenstillstand im Nahen Osten zwischen dem Iran, den USA und Israel ausgerufen wurde, mit dem Ziel Friedensgespräche zu führen. Der Rohölpreis stieg erst am gestrigen Abend mit über 117 $ auf das 4-Jahreshoch an, nachdem der Konflikt weiter eskaliert war und die USA Kharg Island angriffen, Irans wichtigstem Ölexportterminal mit 90 % Anteil an den nationalen Ausfuhren und Trumps Ultimatum um 2 Uhr nachts enden sollte. Erste Informationen zu einem Waffenstillstand drangen um 00:32 durch, worauf der Rohölpreis binnen einer Stunde um 22 % auf 91,08 $ kollabierte. Trump hatte erst 43 Minuten später auf Truth Social den Waffenstillstand bekanntgegeben.

Der Goldpreis sprang daraufhin über seinen Abwärtstrend bis auf 4.857 $ (+2,36 %) und auch dem Silberpreis gelang es einen Abwärtstrend zu überwinden und auf 77,16 $ unter Short-Eindeckungen und spekulativen Longs zu squeezen (+5,31 %), während der Platinpreis wieder auf 2.025 $ (+3,92 %). Auch die Goldminenaktien legten mit dem Standardaktienmarkt stark zu. Die NASDAQ sprang auf 25.020 Punkte und der S&P500 wieder auf 6.834 Punkte, einem Plus von 7,5 % zum Tief von Ende März.

Künftig wieder rückläufige Energiepreise würden den Inflationsdruck über den Energieschock mindern, was die Renditen der US-Staatsanleihen senken würde und so der US-Notenbank mehr Spielraum ließe, wobei selbst im Falle eines Friedens Zinssenkungen erst einmal vom Tisch sein dürften. Die Renditen der US-Staatsanleihen fielen mit dem Rohölpreis, während der USD-Index (DXY) unter die Marke von 100 auf 98,8 Punkte fiel, was den Anstieg bei Gold und Silber zusätzlich verstärkte. Der gestiegene Risikoappetit zeigte sich auch in einem Anstieg des Bitcoins auf 72.500 $, womit sich dieser von der wichtigen und noch immer gefährdeten Unterstützung bei 65.000 $ vorerst ein Stück entfernte.

Waffenstillstand – Risiken bleiben

Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif und Generalfeldmarschall Asim Munir hatten kurz vor Ablauf der Deadline bei Trump interveniert und ihn gebeten, das Ultimatum um zwei Wochen zu verlängern. Iran hatte zuvor einen 10-Punkte-Vorschlag via Pakistan übermittelt, in dem die ursprünglich geforderten US-Kriegsreparationen gestrichen worden waren. Trump erklärte in einem Social-Media-Beitrag, er habe weniger als zwei Stunden vor Ablauf einer selbst gesetzten Frist zur Auslöschung der „gesamten Zivilisation“ des Iran zugestimmt, die Bombardements auszusetzen, und fügte hinzu, dass die Wiederöffnung der Straße von Hormus eine zentrale Bedingung für diese Pause sei. Trump akzeptierte, schrieb, fast alle strittigen Punkte seien bereits vereinbart und stellte die vollständige, sofortige und sichere Öffnung von Hormus als Bedingung. Diese Bedingung wurde erfüllt und Irans Außenminister Aragchi bestätigte den Waffenstillstand via X.

Die Straße von Hormus ist somit erst einmal wieder offen, jedoch nicht bedingungslos. Teheran besteht auf einem vereinbarten Transitprotokoll, das die iranische Kontrolle über den Durchgang festschreibt, und bezeichnet das Arrangement als „bedingten Durchgang". Der neue Oberste Führer Irans, Khameneis Nachfolger, genehmigte den Deal ausdrücklich. Israel stimmte ebenfalls zu, seinen Libanon-Feldzug für die Dauer der Verhandlungen auszusetzen, wie ein Senior White House Official gegenüber CNN bestätigte. Die Verhandlungen zwischen den USA und Iran sollen am Freitag aufgenommen werden, wobei Iran seinen Langfristforderungen bereits jetzt ein klares Profil gegeben hat, die die vollständige Aufhebung aller primären und sekundären Sanktionen, Freigabe sämtlicher eingefrorener Auslandsassets, Schadensersatz für die Kriegsschäden sowie die verbindliche Verankerung aller Punkte in einer UN-Sicherheitsratsresolution. Ein Katalog, der in seiner Gesamtheit kaum verhandelbar erscheint, aber Teheran die Möglichkeit gibt, jeden einzelnen Punkt als Druckmittel einzusetzen. Iran stellte dabei in aller Deutlichkeit klar, diese Gespräche mit vollständigem Misstrauen zu führen. Diese Aussage, so nüchtern sie klingt, beschreibt den eigentlichen Zustand dieses Waffenstillstands präziser als jede diplomatische Verlautbarung. Es ist ein Deal, der hält, solange alle Seiten ihn für nützlicher halten als das Gegenteil.

Mit diesem Waffenstillstand ist die Kuh noch nicht vom Eis, doch hat sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Zentralbanken angesichts der hohen Energiepreise von Zinserhöhungen absehen werden, wobei am Markt neuerliche Hoffnungen zu Zinssenkungen keimen dürften. 

Gold, ein zinsfreier sicherer Hafen, profitiert in der Regel von einem Niedrigzinsumfeld und in Zeiten der Unsicherheit.

Zudem erhielt der Goldmarkt laut Angaben des Brokerhauses Auftrieb durch Berichte, wonach China seine Goldkäufe beschleunigt habe. Bei den Basismetallen war die Entwicklung hingegen uneinheitlich, da die Anleger mit widersprüchlichen Meldungen über Waffenstillstandsverhandlungen und Angriffsdrohungen zu kämpfen hatten.

Goldmarkt nach der Gegenbewegung neutral

Zuletzt hatte ich bei Gold ein Verkaufssignal bei 5.400 $ ausgegeben, nachdem sich ein doppeltes Top ausgebildet hatte mit dem Ziel bei 4.200 $ in den nächsten Wochen und Monaten. Antizyklisch hatten wir eine Verkaufschance mit der Ausbildung eines tieferen Hochs erkannt.

Durch den Krieg beschleunigte sich der Short-Trade dann deutlich und das Ziel wurde schneller als erwartet erreicht, worauf wir unsere Gewinne mitnahmen.

In der Folge rechneten wir mit unseren Premium-Abonnenten mit einer Gegenbewegung in Richtung 4.700$ bis 4.800 $. Diese trat ein und wurde mit dem Waffenstillstand sogar ein zweites Mal angelaufen. Damit hat die erwartete Zwischenerholung grundsätzlich ihr Ende gefunden. Wir haben unsere Gewinne aus dem zwischenzeitlichen Long-Trade vollständig mitgenommen.

Charttechnisch hat der Goldpreis einen Pullback an den ehemaligen kurzfristigen Aufwärtstrend vollzogen, nachdem zuvor der mittelfristige Aufwärtstrend getestet worden war. Der aktuelle Abwärtstrend verläuft bei rund 5.000 $. Kurzfristig erwarten wir eine Konsolidierung auf dem aktuellen Niveau. Institutionelle Investoren dürften den jüngsten Anstieg genutzt haben, um Gewinne mitzunehmen und ihre Positionen abzusichern.

Das kurzfristige Aufwärtspotenzial bleibt vorerst begrenzt. Ein erneuter Test des Aufwärtstrends in den nächsten Wochen und Monaten ist möglich. Erst ein nachhaltiger Bruch des Abwärtstrends bei etwa 5.000 $ würde das charttechnische Gesamtbild wieder ins Bullische drehen. Bis dahin ist eher mit einer trendlosen Seitwärtsphase zu rechnen und einem erneuten Test des Aufwärtstrends.

Chart
Der Goldpreis hat seinen PullBack an den ehemaligen Aufwärtstrend bei 4.800$ abgeschlossen
Der Goldpreis hat seinen PullBack an den ehemaligen Aufwärtstrend bei 4.800$ abgeschlossen

Frankreich repatriiert Gold aus den USA

Die Banque de France hat zwischen Juli 2025 und Januar 2026 die letzten 129 Tonnen Gold, die seit den späten 1920er Jahren bei der Federal Reserve Bank of New York gelagert waren, vollständig aus den USA abgezogen und damit eine über fast ein Jahrhundert bestehende Lagerbeziehung beendet.

Statt die alten Barren physisch über den Atlantik zu transportieren und einzuschmelzen, wählte die französische Zentralbank einen pragmatischen Weg. Sie verkaufte die nicht mehr standardkonformen Bestände in New York und erwarb in insgesamt 26 gestaffelten Transaktionen eine äquivalente Menge moderner, LBMA-konformer Standardbarren auf dem europäischen Markt. Diese werden nun vollständig in den Untergrundtresoren von La Souterraine in Paris gelagert. Damit befinden sich erstmals seit fast hundert Jahren die gesamten französischen Goldreserven von rund 2.437 Tonnen, den viertgrößten der Welt, ausschließlich auf französischem Boden. 

Die jetzige Heimholung hat eine historische Parallele. Bereits in den 1960er Jahren begann Frankreich unter Charles de Gaulle damit, Dollarreserven in Gold zu tauschen und Bestände aus den USA zurückzuführen, weil das Vertrauen in die Stabilität des dollarbasierten Systems schwand. Dass Nixon wenig später 1971 das Goldfenster schließen musste, war eine direkte Folge dieses wachsenden Drucks auf die amerikanischen Goldreserven. 

Offiziell begründet Notenbankgouverneur François Villeroy de Galhau den Schritt mit rein technischen Erwägungen. Auslöser sei eine interne Prüfung im Jahr 2024 gewesen, in deren Folge entschieden worden sei, veraltete, nicht normkonforme Barren gegen moderne Standardbarren auszutauschen. Da diese neuen Barren auf dem europäischen Markt gehandelt würden, sei Paris als Lagerort naheliegend gewesen. Politisch motiviert sei die Maßnahme ausdrücklich nicht gewesen. 

Diese Erklärung wirkt auf den ersten Blick plausibel, doch der Zeitpunkt ist auffällig. Die Umsetzung fiel exakt in die Phase zwischen Juli 2025 und Januar 2026, also in jene Monate, in denen das Vertrauen in die Verlässlichkeit amerikanischer Institutionen unter der zweiten Trump-Administration zunehmend in Frage gestellt wurde. Dass nun ausgerechnet Frankreich den letzten Rest seiner Goldlagerung in New York beendet, dürfte daher kaum völlig bedeutungslos sein. Was offiziell als technische Modernisierung beschrieben wird, sendet in der Sache ein deutliches Signal: Westliche Zentralbanken denken wieder stärker darüber nach, wo ihre monetären Reserven im geopolitischen Ernstfall tatsächlich physisch sicher sind. 

In Deutschland, dem Land mit den zweitgrößten Goldreserven der Welt, wird diese Debatte bereits offen geführt. Noch immer lagern rund 1.236 Tonnen Gold in den USA und erste politische Stimmen fordern öffentlich, dem französischen Beispiel zu folgen. 

Aufgrund der rekordhohen Goldpreise realisierte die Banque de France einen Buchgewinn von rund 12,8 bis 13 Milliarden Euro. Nach einem Nettoverlust von 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2024 führte dies im Geschäftsjahr 2025 zu einem Nettogewinn von 8,1 Milliarden Euro. Dieser Gewinn ist allerdings kein Trading-Erfolg, sondern im Wesentlichen die Realisierung der über Jahrzehnte aufgelaufenen historischen Wertsteigerung der Bestände, die nun nur neu bewertet wurde. 

Das wirklich Interessante an diesem Vorgang ist daher weniger die Bilanzwirkung als die Timing-Frage. Die Umschichtung fiel genau in die stärkste Phase der Goldrallye, als der Goldpreis von 3.350$ auf 5.600$ extrem stark anstieg. Nach dem Allzeithoch im Januar 2026 fiel der Preis wieder zurück auf zuletzt fast 4.100 $ im Tief. Ob die Käufe der Banque de France selbst einen preistreibenden Effekt hatten oder ob diese zeitliche Koinzidenz reiner Zufall war, bleibt unklar. Es gibt keinerlei Transparenz darüber, wer die Gegenparteien dieser 26 Transaktionen waren und ob die in New York veräußerten Altbarren tatsächlich in den offenen Markt gelangten oder über private Deals absorbiert wurden. 

Da es gut möglich ist, dass die verkauften Barren nicht ihren Weg auf den offenen Markt fanden, hat Frankreich mit seinen gestaffelten Käufen womöglich selbst den Preis mit nach oben getrieben und teuer gekauft, womit sie nun bilanziell nach der Neubewertung auf einem Minus sitzen könnten. Genauso ist jedoch denkbar, dass die eigene Nachfrage preislich kaum relevant war und die Käufe lediglich zufällig in die Rallye fielen. Genau beantworten lässt sich das nicht, da die Transparenz fehlt.

Frankreich hat seine letzten Goldbestände aus den USA abgezogen, ohne auch nur ein einziges Gramm physisch über den Atlantik transportieren zu müssen, hat die alten Barren in New York verkauft, neue Standardbarren in Europa gekauft, einen bilanziellen Gewinn realisiert und lagert nun seine gesamten 2.437 Tonnen Gold wieder vollständig im eigenen Land. Offiziell war es eine technische Umschichtung. In der Substanz ist es zugleich ein geopolitisches Signal. 

Gold ist nicht umsonst das einzige Geld ohne Gegenparteirisiko. Dieses Privileg gilt aber nur dann uneingeschränkt, wenn auch der Verwahrer als vertrauenswürdig angesehen wird. Frankreich hat diese Frage für sich inzwischen beantwortet.