CoT-Analyse vom 7. August:
Der Goldpreis sprang in der vergangenen Woche um 105 US-Dollar beziehungsweise 2,6 % nach oben, wofür die Spekulanten lediglich 15 Tsd. Kontrakte in die Waagschale warfen. Der absolute CoT-Index verschlechterte sich dadurch von 51 auf 45 Punkte. Deutlich schwächer zeigt sich jedoch der CoT-Index zum Open Interest adjustiert, der um 14 Punkte auf nur noch 5 Punkte fiel und damit mittlerweile wieder ein mittelfristiges Verkaufssignal gibt.
Die CoT-Daten sprechen weiterhin nicht dafür, dass im Bereich um 4.000 US-Dollar bereits ein Boden gefunden wurde, geschweige denn dafür, dass es wahrscheinlich wäre, dass von hier aus eine neue starke Rallye starten könnte.
Es war zu erwarten, dass an der Unterstützung bei 4.000 US-Dollar Käufer in den Markt kommen und den Goldpreis immer wieder bis in den Bereich von 4.200 bis 4.300 US-Dollar treiben. Zuletzt waren es jedoch vor allem die Tweets zu einem möglichen Kompromiss und Frieden im Mittleren Osten, die einen verstärkten Short-Squeeze ausgelöst und den Goldpreis bis auf fast 4.400 US-Dollar getrieben haben.
Selbst wenn tatsächlich Frieden einkehrt, bleibt es eher unwahrscheinlich, dass von diesem Niveau aus unmittelbar eine neue nachhaltige Rallye startet. Sollte sich der Krieg hingegen fortsetzen, dürften aus Sicht der nächsten Wochen die wichtigen Unterstützungen erneut angelaufen und getestet werden.
Aus Sicht der CoT-Daten lässt sich aktuell kein antizyklisches Kaufsignal ableiten. Im Gegenteil, die Terminmarktdaten mahnen weiterhin zur Vorsicht.
Widerstand bei 4.400 US-Dollar wird aktuell getestet
Anfang Juni brach der Goldpreis seinen Aufwärtstrend und fiel auf die wichtige Unterstützung bei 4.000 US-Dollar je Feinunze zurück. Auf diesem Niveau konsolidierte der Preis über sechs Wochen hinweg. Die Volatilität nahm sukzessive ab an dieser psychologisch wichtigen Marke, die mehrfach getestet wurde. Das Risiko, dass Gold diese Unterstützung nach unten brechen würde, nahm zu, bis Friedensankündigungen und eine Reihe von Meldungen und bullischen Wirtschaftszahlen zu Shorteindeckungen führten.
Der Terminmarkt ist weiterhin überkauft und der zum Open Interest adjustierte CoT-Index von nur fünf Punkten ist ein klares Warnsignal. Normalerweise sehen wir an zyklischen Tiefpunkten am Goldmarkt eine Übertreibung auf der Short-Seite, die aktuell vollständig fehlt. Die absoluten CoT-Daten bewegen sich zwar im neutralen bis leicht bärischen Bereich, doch zum Open Interest adjustiert ist der Terminmarkt bereits wieder praktisch im Verkaufsbereich. Damit steht die aktuelle Rallye auf dünnen Füßen.
Auch die Faktoren, die den Preisanstieg ausgelöst und fundamental unterstützt haben, könnten lediglich temporärer Natur sein. Die Rallye der vergangenen Woche war primär spekulativ getrieben. Die zahlreichen bullischen politischen Meldungen lösten zunächst einen Short-Squeeze aus, auf den weitere Spekulanten aufsprangen, nachdem die wichtige Unterstützung bei 4.000 US-Dollar zuvor gehalten hatte. Auch das Sentiment gegenüber Gold ist sehr schnell wieder ausgesprochen bullisch geworden, was ein weiteres Warnsignal darstellt.
Bei rund 4.400 US-Dollar trifft der Goldpreis aktuell auf einen starken Widerstand, der sich aus dem Ausbruchsniveau des vorherigen mittelfristigen Aufwärtstrends ergibt. Dort dürfte der Goldpreis zunächst Schwierigkeiten haben. Sollten sich die Faktoren hinter der Rallye wieder umkehren, der Krieg erneut eskalieren und sich die Fed hawkisher zeigen, als es der Markt aktuell erwartet, könnte Gold schnell wieder deutlich korrigieren.
Da der Terminmarkt noch nicht bereinigt ist, ist aktuell keine nachhaltige starke Rallye zu erwarten. Die Erleichterungsrallye war zwar schnell und kräftig, doch ohne neue Liquidität durch die Fed dürfte sich diese Dynamik kaum fortsetzen, weshalb man gerade im Trading vorsichtig agieren sollte.
Richtig bullish würde das Chartbild erst, wenn der Goldpreis seinen Abwärtstrend im Bereich um 4.550 US-Dollar nachhaltig überwinden kann, was das kurzfristige Maximalkursziel für diese Erholung wäre, falls der Widerstand bei 4.400 US-Dollar überwunden wird. Auf der Unterseite läge die nächste Unterstützung bei 4.200 US-Dollar, wobei ein erneuter Test der Unterstützung bei 4.000 US-Dollar dagegen ein starkes Warnsignal wäre. In diesem Fall droht weiterhin ein finaler Abverkauf in den Bereich zwischen 3.500 US-Dollar und 3.600 US-Dollar.
Entscheidend bleibt die weitere Entwicklung des Konflikts im Mittleren Osten. Bei einer erneuten Eskalation und einem Anstieg des Rohölpreises über 100 US-Dollar dürfte es der Goldpreis kurzfristig sehr schwer haben und wahrscheinlich erneut stärker korrigieren, erst auf 4.000 US-Dollar und darunter gen 3.600 US-Dollar je Feinunze.
Goldpreis in Euro: Aufwärtstrend hat gehalten – Test der 200-Tagelinie
In der Analyse vor zwei Wochen schrieb ich: „Solange der Aufwärtstrend intakt bleibt, ist das kurzfristige charttechnische Bild aktuell noch bullisch. Sobald dieser Aufwärtstrend jedoch bricht, öffnet sich jedoch die Falltür und der Goldpreis dürfte relativ schnell um weitere 500 € je Feinunze fallen.“
Einer der Gründe, warum der Goldpreis in der vergangenen Woche so stark auf die bullischen Meldungen reagieren konnte, war die charttechnische Ausgangslage. Sowohl bei Gold in US-Dollar an der wichtigen Unterstützung bei 4.000 US-Dollar als auch bei Gold in Euro am mittelfristigen Aufwärtstrend lieferten sich Bullen und Bären über sechs Wochen einen harten Kampf. Entsprechend viele Long- und Short-Positionen hatten sich im Markt aufgebaut. Ein Ausbruch nach unten hätte einen Long-Drop und damit einen starken Preiseinbruch ausgelöst. Der Ausbruch nach oben führte stattdessen zu einem Short-Squeeze und entsprechend kräftigen Kursgewinnen.
Der Goldpreis in Euro konnte mittlerweile bis an die 200-Tage-Linie zurücklaufen, die nach dem vorherigen Bruch nun von unten getestet wird. Zusammen mit dem Widerstand bei 4.400 US-Dollar für Gold in US-Dollar bildet der Bereich um 3.900 € je Feinunze einen signifikanten Widerstand. Erst mit einer nachhaltigen Rückeroberung dieser wichtigen Marken würde sich das charttechnische Bild weiter aufhellen. Ein kurzfristiges Überschreiten reicht dafür jedoch nicht aus und könnte sich letztlich auch als Bullenfalle herausstellen.
Kurzfristige Trader sollten deshalb damit rechnen, dass die Rallye im Bereich der 200-Tage-Linie zunächst scheitern und die Bären wieder die Oberhand gewinnen könnten. Kurzfristig ist das Chartbild zwar bullish, doch ein Rücksetzer von diesem Widerstand wäre keineswegs überraschend.
Entscheidend bleibt anschließend, ob die Bullen einen erneuten Anstieg durchsetzen können oder der mittelfristige Aufwärtstrend noch einmal getestet wird. Sollte dieser in den kommenden Wochen erneut angelaufen werden, wäre dies ein deutliches Warnsignal. Ein Bruch des Aufwärtstrends könnte schließlich einen weiteren Abverkauf bis in den Bereich um 3.000 € je Feinunze auslösen.
Von entscheidender Bedeutung bleibt dabei die weitere Entwicklung des Rohölmarktes und des Konflikts im Mittleren Osten, da beides erheblichen Einfluss auf die Verbraucherpreise und die Zinsentwicklung hat. Eine erneute Eskalation mit einem Anstieg des Rohölpreises über 100 US-Dollar würde den Goldpreis kurzfristig erneut stark belasten und die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Korrektur deutlich erhöhen. Dementsprechend sollte man an den aktuellen Widerständen vorsichtig agieren.





