Terminmarkt: CoT-Report
Der CoT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die CoT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium-Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die CoT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.
CoT-Analyse vom 16. Oktober:
Der Goldpreis fiel zum Stichtag 13. Oktober auf 4.184 US-Dollar und lag damit 9 US-Dollar tiefer als in der Vorwoche. Die Spekulanten gingen im gleichen Zeitraum mit 2 Tsd. Kontrakten Short. Beides ist vernachlässigbar gering, sodass sich die Terminmarktdaten zur Vorwoche kaum verändert haben. Der zum Open Interest adjustierte CoT-Index verbesserte sich jedoch um einen Punkt, was eine leichte Stärke zur Vorwoche zeigt.
Zum Vormonat sieht die Lage hingegen anders aus. Der Goldpreis fiel um 150 US-Dollar, während sich der zum Open Interest adjustierte CoT-Index lediglich um 6 Punkte verbessert hat. Das zeigt weiterhin eine deutliche Schwäche auf Sicht eines Monats.
Das Sentiment am Goldmarkt ist weiterhin extrem bullisch. Dies spricht eher gegen eine Bodenbildung auf dem aktuellen Preisniveau. Im Gegenteil ist es ein Indiz dafür, dass das Risiko eines erneuten Long-Drops unvermindert besteht.
Gerade bei einem Bruch der äußerst wichtigen Unterstützung bei 4.000 US-Dollar droht angesichts des weiterhin stark überkauften Terminmarktes ein stärkerer Long-Drop, weshalb man gerade diese Unterstützung genau im Auge behalten sollte.
Ein bullischer Faktor, der hingegen heraussticht, ist die Reduzierung der Netto-Shortposition der großen vier Händler an der COMEX in den letzten Wochen, was das Gesamtbild ein wenig aufhellt.
Makroumfeld belastet Goldpreis weiter
Der Goldmarkt zeigt trotz der jüngsten Korrektur weiterhin keine typische Bereinigung, wie wir sie an zyklischen Tiefpunkten erwarten würden. Der zum Open Interest adjustierte CoT-Index liegt mit 10 Punkten noch immer nahe dem Verkaufsbereich, während eine deutliche Übertreibung auf der Short-Seite bislang ausbleibt. Dieses weiterhin sehr bullische Sentiment spricht gegen eine abgeschlossene Bodenbildung. Rückblickend spricht damit vieles dafür, dass die Rallye im August lediglich eine Bärenmarktrallye war.
Im Bereich um 4.700 US-Dollar scheiterte der Goldpreis am starken Widerstand des April-Hochs. Gleichzeitig haben sich wichtige Treiber der August-Rallye abgeschwächt oder sogar ins Gegenteil verkehrt. Der Krieg im Mittleren Osten hält an, Rohöl notierte zuletzt wieder über 100 US-Dollar, die Fed bleibt hawkish und die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen erreichten den höchsten Stand seit 2002. Gleichzeitig ist der US-Dollar nach oben ausgebrochen und der US-Dollar-Index stieg zuletzt bis knapp an die Marke von 103 Punkten. Solange auch die realen US-Renditen auf hohem Niveau bleiben, fehlt dem Goldpreis zusätzlich ein wichtiger monetärer Rückenwind. Das kurzfristige Makroumfeld hat sich damit klar gegen Gold gedreht.
Technisch entscheidet sich nun viel an der Unterstützung bei 4.000 US-Dollar. Gleichzeitig verläuft dort beim Goldpreis in Euro der langfristige Aufwärtstrend. Ein Bruch dieser beiden Marken würde das Chartbild deutlich verschlechtern und einen stärkeren Abverkauf wahrscheinlicher machen. Die Bullen müssen deshalb in diesem Bereich ein höheres Tief ausbilden und die Kontrolle zurückgewinnen. Fallen dagegen auch die Tiefs vom Juli, wäre das bullische Chartbild weitgehend zerstört und ein schneller Rückgang bis in den Bereich um 3.400 US-Dollar durchaus denkbar.
Für die weitere Entwicklung bleiben vor allem Rohöl, Marktzinsen und US-Dollar entscheidend. Solange sich der Rohölpreis um 100 US-Dollar hält oder weiter steigt, die Renditen ihr hohes Niveau verteidigen beziehungsweise weiter zulegen und der US-Dollar gleichzeitig stark bleibt, dürfte der Gegenwind für Gold anhalten und die Bären die Kontrolle behalten.
Eine deutliche Entspannung würde sich erst bei einem Anstieg des Goldpreises über 4.260 US-Dollar bei gleichzeitiger Ausbildung eines höheren Tiefs zeigen. Dies würde das technische Bild wieder verbessern. Voraussetzung dafür wäre jedoch zumindest kurzfristig auch ein günstigeres Makroumfeld mit fallenden Zinsen, einem schwächeren Rohölpreis und einem nachgebenden US-Dollar.
Auffällig ist gleichzeitig, wie viele kurzfristige Trader im Bereich um 4.100 US-Dollar bereits wieder auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends setzen und sich entsprechend positionieren. Da spekulatives Kapital und Investmentnachfrage im vergangenen Jahr einen erheblichen Einfluss auf den Goldpreis hatten, darf dieser Faktor nicht unterschätzt werden. Lässt die erhoffte Rallye jedoch zu lange auf sich warten, könnten diese kurzfristigen Long-Positionen schnell wieder aufgelöst werden. In diesem Fall würde zusätzlicher Verkaufsdruck entstehen und die Unterstützung bei 4.000 US-Dollar erneut massiv unter Druck geraten.
Besonders kritisch wäre ein Bruch dieser Marke, da der Terminmarkt trotz der bisherigen Korrektur sich bisher kaum bereinigt hat. Fallen die 4.000 US-Dollar, könnten Stop-Loss-Orders und die Auflösung kurzfristiger Long-Positionen einen Long-Drop nach sich ziehen und den Preisrückgang deutlich beschleunigen. Umgekehrt wäre es ein erstes Zeichen relativer Stärke, wenn Gold trotz hoher Zinsen, eines starken US-Dollars und Rohölpreisen um 100 US-Dollar oberhalb dieser Unterstützung einen Boden ausbilden und wieder über 4.260 US-Dollar ansteigen könnte.
Gold in Euro testet den langfristigen Aufwärtstrend
Der Goldpreis in Euro ist bis auf aktuell 3.674 € je Feinunze zurückgefallen und testet damit seinen seit rund zweieinhalb Jahren bestehenden langfristigen Aufwärtstrend. Zuvor wurde der kurzfristige Abwärtstrend gebrochen, was vielen Spekulanten das Signal gab, auf eine Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends zu setzen, doch kam es bisher nicht zu einem Preissprung. Noch haben die Bullen die Chance, das Ruder herumzureißen, doch dafür muss der langfristige Aufwärtstrend verteidigt werden.
Sollte sich der Ausbruch aus dem kurzfristigen Abwärtstrend jedoch als Fehlsignal erweisen und anschließend auch der zweieinhalbjährige Aufwärtstrend brechen, läge die nächste wichtige Unterstützung zunächst im Bereich um 3.500 € je Feinunze. Fällt auch diese Marke, wäre ein Rückgang in den Bereich zwischen 3.100 € und 3.000 € wahrscheinlich. Vom aktuellen Niveau aus entspräche dies einem weiteren Verlust von fast 700 € je Feinunze.
Damit dürfte sich die weitere Entwicklung des Goldpreises in Euro für die kommenden Monate bereits in dieser oder der nächsten Handelswoche entscheiden. Entweder gelingt es den Bullen, die Kontrolle zurückzugewinnen und den langfristigen Aufwärtstrend zu verteidigen, oder die Bären übernehmen das Ruder. In diesem Fall könnte es zu einer stärkeren Bereinigung am Terminmarkt kommen, weshalb der Preisrückgang schnell und dynamisch verlaufen dürfte.
Im Trading ist das Signal klar. Bricht der langfristige Aufwärtstrend, entsteht ein Verkaufssignal mit einem Short-Ziel im Bereich zwischen 3.100 € und 3.000 € je Feinunze. Dort sollten Short-Gewinne wieder eingedeckt werden. Gleichzeitig würden sich in diesem Bereich antizyklische Käufe mit einem kurzfristig attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis anbieten.
Hält der Aufwärtstrend hingegen, können Trader erneut versuchen, die Long-Seite zu handeln. In diesem Szenario wäre zunächst ein Anstieg in Richtung 4.000 € und anschließend möglicherweise bis 4.100 € je Feinunze denkbar.
Da aktuell weder das Makro-Umfeld noch das Sentiment eine nachhaltige Aufwärtsbewegung unterstützen, sollte ein Wechsel auf die Long-Seite jedoch nur mit engem Stop-Loss erfolgen. Sollte sich der Ausbruch als Bullenfalle erweisen, muss die Position schnell wieder geschlossen werden.





