Terminmarkt: CoT-Report
Der CoT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die CoT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium-Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die CoT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.
CoT-Analyse vom 4. September:
Der Goldpreis fiel in der vergangenen Handelswoche um 320 US-Dollar je Feinunze, während die Spekulanten in der gleichen Zeit mit lediglich 15 Tsd. Kontrakten short gingen. Das zeigt eine Schwäche, nachdem sich in der Vorwoche noch eine Stärke in ähnlichem Ausmaß gezeigt hatte. Auf die Euphorie folgte damit eine schnelle Ernüchterung.
Der absolute CoT-Index liegt mit 30 Punkten weiterhin eher im bärischen Bereich, während der CoT-Index zum Open Interest adjustiert mit nur 4 Punkten klar im Verkaufsbereich notiert. Zum Vormonat zeigt sich noch eine leichte Stärke, was angesichts der starken Investmentnachfrage im August jedoch nicht verwundert.
In den vergangenen drei Wochen sind die CoT-Daten unterm Strich neutral. Damit zeigt sich ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bei einem gleichzeitig stark überkauften Terminmarkt.
Zinsanhebungen und ein steigender Rohölpreis sind mögliche Trigger für eine spekulative Bereinigung, die den Goldpreis deutlich tiefer bringen könnte. Da das Sentiment weiterhin extrem bullisch ist, besteht erhebliches Long-Drop-Potenzial bis deutlich unter 4.000 US-Dollar, sofern die entsprechenden Rahmenbedingungen eintreten.
Der Fokus sollte daher weiterhin auf dem Rohölpreis und der US-Geldpolitik liegen. Verschlechtert sich hier die Situation, kann es zu einem deutlichen Stimmungsumschwung am Terminmarkt und entsprechend starken Preisrückgängen am Edelmetallmarkt kommen.
Widerstand bei 4.700 US-Dollar hat gehalten
Der Terminmarkt ist weiterhin überkauft und der zum Open Interest adjustierte CoT-Index gibt ein Verkaufssignal, was weiterhin ein klares Warnsignal ist. Normalerweise sehen wir an zyklischen Tiefpunkten am Goldmarkt eine Übertreibung auf der Short-Seite, die zuletzt vollständig fehlte und das immer noch extrem bullische Sentiment widerspiegelt. Damit stand die Rallye im August auf tönernen Füßen und wurde primär spekulativ durch einen Anstieg der Investmentnachfrage getrieben, was für eine Bärenmarktrallye spricht.
Bei rund 4.700 US-Dollar traf der Goldpreis auf einen sehr starken Widerstand, der sich aus dem April-Hoch bildete. Viele jener, die dort auf der falschen Seite erwischt wurden und ihre Positionen gehalten hatten, dürften die Chance genutzt haben, um mit einem blauen Auge ohne großen Verlust zu verkaufen. Die bullischen Faktoren der Rallye haben sich teilweise verkehrt oder als nicht marktbeeinflussend entpuppt, wobei der Krieg im Mittleren Osten anhält und der Rohölpreis weiter ansteigt, während sich die Fed hawkish zeigte. Die bullischen Preistreiber sind damit weggefallen, während bärische Faktoren hinzukamen.
Das Sentiment ist hingegen noch immer extrem bullisch bis euphorisch und jeder Rücksetzer wird von Spekulanten gekauft, was auch die Terminmarktdaten widerspiegeln. Dies sorgt immer wieder für schnelle Gegenbewegungen und eine hohe Volatilität.
Noch hält sich der Goldpreis über seiner 200-Tagelinie und seinem Abwärtstrend, weshalb das Chartbild noch bullisch ist und dieser Rücksetzer aktuell von Spekulanten und Investoren gekauft wird, in der Hoffnung, dass sich von hier aus die Rallye gen 5.000 US-Dollar fortsetzen wird. Fällt der Goldpreis jedoch erneut unter diese wichtigen Unterstützungen, so ist ein erneuter Test der Unterstützung bei 4.000 US-Dollar wahrscheinlich.
Entscheidend bleibt die weitere Entwicklung des Konflikts im Mittleren Osten. Bei einer erneuten Eskalation und einem Anstieg des Rohölpreises über 100 US-Dollar auf 120 US-Dollar dürfte es der Goldpreis kurzfristig sehr schwer haben und wahrscheinlich erneut stärker korrigieren, womöglich erneut auf 4.200 US-Dollar je Feinunze oder gar 4.000 US-Dollar. Da der Goldpreis zuletzt stark von politischen Eingriffen, wie der Yen-Intervention oder den US-Staatsanleihenkäufen, getrieben wurde, sollte man sich auf weiterhin volatile Bewegungen vorbereiten und stets einen engen Stop-Loss platzieren.
Goldpreis in Euro: Zurück unter der 200-Tagelinie
Der Goldpreis in Euro fiel zuletzt wieder unter die 200-Tage-Linie und notiert aktuell bei rund 3.770 € je Feinunze. Die Bullen sehen darin bislang lediglich die Korrektur einer ersten Impulswelle, auf die eine weitere Aufwärtsbewegung zu höheren Preisen folgen soll. Da das Sentiment weiterhin sehr bullisch ist, werden Rücksetzer aktuell noch immer von Spekulanten gekauft.
Der erneute Rückfall unter die 200-Tage-Linie ist jedoch als bärisches Warnsignal zu werten. Sollten Zinserhöhungen und ein weiterer Anstieg des Rohölpreises den Goldpreis in Euro erneut unter Druck setzen, dürfte der mittelfristige Aufwärtstrend wieder in den Fokus rücken. Wird dieser Trend gebrochen, hätte Gold in Euro weiteres Abwärtspotenzial bis in den Bereich um 3.000 € je Feinunze. Das entspräche einem zusätzlichen Rückgang von rund 600 € je Feinunze.
Im bullischen Szenario hätte der Goldpreis in Euro dagegen nicht mehr viel Luft nach unten. Spätestens im Bereich um 3.600 € je Feinunze müsste der mittelfristige Aufwärtstrend verteidigt werden. Dieses Szenario setzt jedoch voraus, dass die Fed auf eine weitere Zinserhöhung verzichtet, der Rohölpreis möglicherweise unter erneuter politischer Einflussnahme wieder fällt und der Goldmarkt neue Investmentnachfrage erfährt.
Kurzfristig bleibt eine trendlose Seitwärtsbewegung das wahrscheinlichste Szenario. Gleichzeitig nehmen jedoch die Risiken zu, weshalb der mittelfristige Aufwärtstrend beim Goldpreis in Euro genau beobachtet werden sollte. Bricht dieser, wäre dies ein klares Warnsignal. In diesem Fall sollten Long-Positionen geschlossen und eine weitere Korrektur eingeplant werden. Solange der Goldpreis jedoch über 3.600 € handelt, ist das charttechnische Signal noch bullisch für weiter steigende Preise.





