Exkurs: Segen und Fluch des Zinseszinseffekts

Exkurs: Segen und Fluch des Zinseszinseffekts am Beispiel des Josephspfennig

Edelmetallinvestitionen bringen dem Investor keine Zinseinnahmen. Insofern eignen sich Gold und Silber nur bedingt als Renditeobjekte. Ihr Vorteil ist aber, dass sie einen inneren Wert besitzen und dieser über Jahrtausende hinweg erhalten bleibt. Vermögensanlagen, die eine Verzinsung abwerfen, haben dagegen nur für begrenzte Zeiträume einen Wert, nämlich solange, bis das jeweilige Finanzsystem kollabiert. Spätestens dann ist meist alles weg, einschließlich der Zinsen. Hintergrund für den sicheren Zusammenbruch eines Zinssystems – unsicher ist nur der Zeitpunkt für dessen Eintreten – ist die Wirkung des sog. Zinseszinseffekts, der früher oder später ein auf Papiergeld basierendes wachstums- und renditeorientiertes Finanz- und Wirtschaftssystem unweigerlich zusammenbrechen lässt. Ein solches Zinssystem ist üblicherweise nach rund drei Generationen am Ende. Dazu führt der Wirtschaftsforscher Kenneth Ewart Boulding nicht ohne Ironie aus: „Jeder der glaubt, exponentielles Wachstum kann unendlich lange andauern in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.“[1]

Der Zinseszinseffekt dargestellt am Josephspfennig

Warum das so ist, lässt sich am Beispiel des Josephspfennigs (auch Jesuspfennig genannt) illustrieren: Angenommen der Vater von Jesus hätte für seinen Sohn bei dessen Geburt einen Silberpfennig angelegt, der sich jährlich mit 5 % verzinst (vergleichbar mit einer Bundesanleihe). Nehmen wir weiter an, hiermit sei das vererbbare Recht verbunden, die Einlage – also den Silberpfennig – einschließlich angefallener Zinsen und Zinseszinsen jederzeit in physischem Silber ausgezahlt zu bekommen. Hätte ein Nachkomme von Jesus sich 1466 das bis dahin angehäufte Vermögen auszahlen lassen, müsste er einen Silberklumpen in der Größe der Erdkugel erhalten, hätte er dies dagegen erst im Jahr 2000 getan, wären es bereits 200 Mrd. Erdkugeln.[2] Natürlich wären tatsächlich pro Jahrhundert ein bis zwei Währungsreformen, Revolutionen, Kriege oder Naturkatastrophen eingetreten. Während die meisten dann kaum noch was besitzen würden, besäßen die Nachfahren von Jesus zumindest noch ihren Silberpfennig, hätten sie ihn keiner Bank gegeben, sondern ihn unters berühmte Kopfkissen gelegt. Gold ist wie Silber Geld, das einen inneren Wert besitzt, keiner Inflation unterliegt und unzerstörbar ist. Für Papiergeld gilt demgegenüber laut.

 
 

Voltaire

Voltaire:
„Am Ende kehrt Papiergeld zu seinem inneren Wert zurück
NULL.“[3]

 

 

 
Dieser Beitrag stammt von Dr. Jochen Dehio - Fachbuchautor des Buches "Gold oder Silber - wem gehört die Zukunft?".

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[1] Zitiert in Stöferle, R.-P. (2011), In Gold we trust (Internet-Abruf vom 01.10.2012): S. 48.

[2] Vgl. zu Bedrohungen durch das Finanzsystem Geldcrash.de, Kurzinfo (Internet: guenter-hannich.com/kurzinfo, Abruf vom 01.10.2012). – Das Ziel der „Verantwortlichen“ ist es demnach, die zur Verfügung stehende Zeitspanne bis zum Kollabieren des Zinssystems zu nutzen, um ein Maximum an Gewinn zu erzielen, und zwar auf Kosten der Steuerzahler, die „nach dem Zusammenbruch des Systems auf dem Scherbenhaufen sitzen bleiben“. Die Finanzmarktkrise 2008/2009 war ein Beispiel dafür: Während die einen zuvor groß und danach weiter abkassierten, musste der Steuerzahler letztlich dafür aufkommen. Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert.

[3 Vgl. Silberprofis.de, Silber-Zitate (Internet-Abruf vom 01.10.2012).]

 

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Entstehung, Vorkommen und Förderung


Geschichte von Edelmetallen als Währung


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