10-jährige Bundesanleihen erstmals im negativen Bereich

17.06.2016 15:30  Von:: Markus Blaschzok

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik rentierten die 10-jährigen Bundesanleihen in dieser Woche mit -0,03% negativ. Für jeden Euro, den sich die Bundesfinanzagentur GmbH auf eine Dekade hin verschuldet, muss sie keine Zinsen zahlen, sondern bekommt von ihren Gläubigern noch etwas Geld geschenkt. Dass Kredite nicht nur kostenlos sind, sondern es dazu auch noch Geld obendrauf gibt, hört sich nicht nur verrückt an – sondern ist es auch. Vor allem, wenn man die Entwicklung der Zehnjährigen in einem langfristigen Chart seit 1957 betrachtet:

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Kreditaufnahme und Investitionen sind nur dann möglich, wenn vorher Kapital angespart wurde. Die Zinsen steuern diesen Prozess, wobei dieser aufgrund der natürlichen Zeitpräferenz aller Individuen immer positiv ist. Zu diesem Urzins addiert man eine Inflationskomponente sowie eine Risikoprämie hinzu, die gemeinsam den Marktzins bilden. Bezogen auf die Zeit des Goldstandards lag dieser für 10-jährige Staatsanleihen zwischen vier und fünf Prozent. Der Deckungsbetrug im Bretton Woods System seitens der USA sowie die daraufhin erfolgte Abwertung der meisten Währungen, nach dem Übergang zu freien Wechselkursen der neuen ungedeckten Papierwährungen, sorgte dafür, dass die Zinsen für bundesdeutsche Staatsanleihen in den 70ern auf 12% anstiegen, da ein Ausgleich der Währungsabwertung eskomptiert werden musste.

Kurz nach dem Börsencrash von 1987 begannen die Zinsen zu fallen, was viele keynesianische Ökonomen als Erfolg ihrer Interventionspolitik fehlinterpretiert haben dürften. Die Österreichische Schule zeigt mit ihrer einzigartigen Konjunkturtheorie, dass die Prolongierung des Konjunkturzyklus seit den 90er Jahren durch die Ausweitung der Kreditgeldmenge unter Beihilfe der Notenbanken dazu geführt hat, dass die Überschussliquidität die Zinsen in den Keller drückte – und nicht etwa weil durch einen Anstieg der Produktivität die Ersparnisse gewachsen wären. Der Zins spiegelte jetzt nicht mehr das natürliche Verhältnis zwischen Ersparnissen und Investitionen wider, sondern sank unnatürlich – aufgrund eines Überangebots an billigem Geld – auf historische Tiefs. Die Milleniumhausse war nur eine logische Scheinblüte zinsinduzierter Fehlallokationen. Dies zeigte auch die Immobilienblase mit deren Crash im Jahre 2007/2008. Anstatt eines Kollaps der planwirtschaftlich organisierten Konjunktur und des Zinsmarktes, prolongierten die Notenbanken durch Quantitative Easing-Programme (kurz: QE-Programme) die unnatürliche und kranke Wirtschaft in die Zukunft bis heute. Dies wurde zugleich mit der Verarmung der Gesellschaft und der Aushöhlung der Marktwirtschaft teuer erkauft. Der Kollaps ist jedoch nur verschoben und wird eines nicht allzu fernen Tages mit dem Aufkauf aller Verbindlichkeiten mit Druckprogrammen im Volumen von mehreren Billionen Euro seitens der Notenbanken enden. Dies wird letztlich zu einer galoppierenden Inflation und möglicherweise gar zu einer Hyperinflation mit dem Zusammenbruch des Währungssystems führen. Den historisch einmaligen Niedrigzinsen werden ebenso historisch hohe Zinsen mit dem völligen Kollaps des Kreditmarktes folgen.

Aktuell taucht folgender Chart, der die Entwicklung der 10-jährigen deutschen Staatsanleihen zeigen soll, überall in den Finanzmedien und -blogs auf. In den 20ern sollen die deutschen Staatsanleihen bereits einmal zu null Prozent rentiert haben und die Hyperinflation wäre die Folge gewesen, was den Zusammenhang mit unserer Erwartung für die Zukunft darstellt.

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Nur leider ist dieser Chart falsch. Der Ersteller hat die Lücken im Chart, die durch die Hyperinflation verursacht wurden sowie die Zeit im zweiten Weltkrieg einfach mit fiktiven Werten gefüllt. So begründet er die Nullzinsen zwischen 1922 und 1923 damit, dass zu dieser Zeit die Hyperinflation tobte, die Staatsanleihen deshalb keinen Wert mehr hatten und somit zwei Jahre nicht mehr gehandelt wurden, da sie keinen Käufer fanden. Folglich sei der Zins bei null gewesen. Diese Annahme ist jedoch falsch, da die Preissteigerungsrate zwischen Anfang 1922 bereits bei über 400% stand und 1923 auf 11.000.000% Preissteigerung p.a. anstieg. Wäre in dieser Zeit jemand so töricht gewesen eine deutsche Staatsanleihe zu kaufen, so hätte die Rendite mindestens der Preissteigerungsrate von tausenden von Prozent entsprechen müssen. Die Annahme, dass ein wertloses, nicht gehandeltes Papier eine Rendite von Null gehabt hätte, ist falsch. Auch in der Zeit des zweiten Weltkrieges sowie während der Gründung der beiden Besatzungszonen gab es wohl keine Bewertung von Staats- und Unternehmensanleihen, sodass auch diese Chartlücken wohl eher spekulativ gefüllt wurden.

Damit ist klar, dass wir aktuell das erste Mal eine negative Verzinsung für deutsche Staatsanleihen sehen. Unser richtiger Chart für die Staatsanleihen von der Zeit des Kaiserreichs bis heute zeigt einerseits, wie flach die Marktzinsen in der Zeit des Goldstandards waren und andererseits den starken und schnellen Anstieg der Zinsen mit der Hyperinflation – wobei die Zinsen nach dem Ende des ersten Weltkrieges mit einer Preissteigerungsrate von 60% im Jahr 2018 sofort schnell anzogen, mit der Hyperinflation in den Himmel schossen und der Kreditmarkt somit völlig zusammenbrach. In der Zeit des dritten Reichs gab es kurzzeitig relativ stabile Zinsen, wobei der Handel mit dem Krieg endete und erst 1957 der Handel in der jungen Bundesrepublik wieder aufgenommen wurde.

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US-Notenbank verschiebt Zinsanhebung – Gold steigt

In dieser Woche gab es wieder eine Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank, welche die Märkte beeinflusste und den Goldpreis auf über 1.300$ bzw. 1.182€ je Feinunze anstiegen ließ. Aufgrund der schlechten Arbeitsmarktdaten hatte der Markt bereits damit gerechnet, dass das FED-System die ursprünglich für Juni erwartete Zinsanhebung der US-Notenbank auf unbestimmte Zeit verschieben würde. Dennoch reagierten die Märkte auf die Bestätigung mit Käufen und die Bullen trieben den Goldpreis in diesem Jahr auf neue Höhen.

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Gold in US-Dollar stieg zeitweise auf 1.316$ je Feinunze an.

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Gold in Euro stieg zeitweise auf 1.182€ je Feinunze an.
 
Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank, begründete ihre Untätigkeit mit dem Gegenwind für die US-Wirtschaft sowie mit den zuletzt schlechten Arbeitsmarktzahlen, wobei dieses schlechte Umfeld für „einige Zeit“ anhalten dürfte. Auch der mögliche Ausstieg Englands aus der Europäischen Union soll ein Grund gewesen sein, der diskutiert wurde und zu der Entscheidung beitrug.

Da auch für Juli und September mit keiner Zinsanhebung mehr gerechnet wird, verlor der Dollar zeitweilig bis auf 1,13$ zum Euro. Viele Markteilnehmer sehen die US-Notenbank in einer Falle, da eine einbrechende Konjunktur die Notenbank zu weiteren QE-Maßnahmen zwingen könnte, anstatt die Zinsen weiter anzuheben. Dies wäre natürlich extrem bullisch für den Goldpreis. Das wiederum erklärt warum viele Investoren Gold mit der Weitsicht kaufen, dass dies der sichere und unterbewertete Hafen ist, in den man jetzt investieren muss.

Diese Erwartung zeigt sich nicht nur in den gestiegenen Preisen, sondern auch in den ETF-Beständen für Gold und Silber, die immer weiter ansteigen. Während die Bestände für Gold seit Jahresbeginn bereits drastisch zulegten, zogen jene für Silber erst Anfang März an, was auch den verspäteten Ausbruch des Silberpreises erklärt. Nachdem mögliche Zinsanhebungen passé sind, sieht es mittel- und langfristig wieder gut für den Goldpreis aus, da eine Konsolidierung auf hohem Niveau von einem erneuten Anstieg abgelöst werden könnte. Die Tiefs des Jahresanfangs wird Gold womöglich nie wieder erreichen.



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