Gerüchte zu Gold und was wirklich dahinter steckt

12.06.2015 15:15  Von:: Markus Blaschzok

In dieser Woche gab es wieder Gerüchte um einen vermeintlichen Beinahe-Kollaps der US-Warenterminbörse COMEX. Angeblich hätte JP Morgan nicht genügend Gold zur Erfüllung ausstehender Lieferverpflichtungen zur Verfügung gehabt, sodass die FED mit physischer Ware hätte aushelfen müssen, um "einen Kollaps des Warenterminmarktes und eine Explosion des Goldpreises“ zu verhindern. Zu der COMEX lässt sich sagen, dass 18,4% aller Kontrakte mit physischer Ware gedeckt sind, was mehr als genug ist. Dass die Gruppe der registrierten Bestände lediglich 550 Tsd. Unzen beträgt, ist dabei nicht von Bedeutung, denn es stehen weitere 7,3 Mio. Unzen in der Kategorie  „Eligible“ zur Verfügung, die man einfach nur umbuchen muss, was in er Vergangenheit schon oft so gehandhabt wurde. Lediglich eine Deckung mit 2% ist nötig, um die regelmäßigen Lieferverpflichtungen zu erfüllen und man sieht an dem Ratio im unteren Chart, dass die aktuelle Deckung mehr als ausreichend ist. In den letzten 10 Jahren ging die Geschichte über einen vermeintlich kurz bevorstehenden Zusammenbruch der COMEX bestimmt ein Dutzend mal durch die Märkte und es vergeht nicht ein Jahr, in dem diese Geschichte nicht mindestens einmal aufgegriffen und aufs Neue verbreitet wird.

Analyse Palladium

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Ein weiteres Gerücht ist, dass sich aufgrund der Manipulation künftig zwei Märkte für Gold mit unterschiedlichen Preisen bilden könnte - einem in den USA, wo man nur Papier handeln würde und der Preis aufgrund der Manipulation niedriger wäre - und einen in Asien, wo man physische Ware handeln würde und der Goldpreis entsprechend höher notieren würde. Auch diese Geschichte hört man immer und immer wieder an allen Ecken, doch ist sie völliger Unsinn und zeigt, dass ein völlig falsches Verständnis für die Märkte oder den Vorgang der Marktmanipulation besteht. Der Weltmarkt ist miteinander verbunden und es wird niemals zwei verschiedene Preise für Gold geben, solange die Regierung nicht einen offiziellen Preis festsetzt per Gesetz und unter der Hand ein Schwarzmarktpreis gehandelt wird. Die Vorstellung über den Terminmarkt ließe sich der Goldpreis mittels ungedeckter Futures drücken, ist völlig falsch. Der Goldpreis lässt sich nur drücken, wenn auch physisches Überangebot herrscht. Man kann zwar den Terminmarkt nutzen, um kurzzeitige Drückungen vorzunehmen, doch wie wir an den CoT-Daten regelmäßig sehen, müssen diese Manipulationen insbesondere im Gold binnen Wochen zurückgenommen und mit physischer Ware ausgeglichen werden. Eine Manipulation erfolgt letztlich immer mit physischer Ware und wird der Preis in den USA manipulativ mit Notenbankreserven gedrückt, so hat dies über Arbitragegeschäfte ebenso Auswirkungen auf den Goldpreis in der ganzen Welt.

Das dritte Gerücht, das seit sechs Jahren durch die Märkte irrt und dem viele Marktteilnehmer stets entgegenfieberten ist ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion. Wir waren stets der festen Überzeugung, dass es keinen Austritt Griechenlands geben werde, woran wir weiter festhalten. Mittlerweile spricht man jedoch über einen Bankrott des Landes bei einem gleichzeitigen Verbleib innerhalb der Währungsunion, was etwas völlig anderes ist und durchaus möglich erscheint. Ein Schuldenschnitt in Griechenland wäre nötig, um überhaupt wieder ein tragfähiges Fundament zu haben. Der Großteil der griechischen Misere findet ihre Ursache in der damaligen staatlichen Übernahme von Schulden, die auf dem Rücken der Steuerzahler sozialisiert wurden. Dies führte dazu, dass die Schuldenlast Griechenlands durch Bail Outs des Bankenkartells und der maroden Wirtschaft um über 70% seit dem Jahr 2008 anstieg. Gefangen im Korsett des Euros war eine Abwertung der Währung nicht mehr möglich und so blieb der einzige Weg sich durch Sparen sukzessive freizukaufen, was angesichts der extremen Überschuldung nicht mehr möglich ist. Eine moralische Rechtfertigung, warum die Griechen die Schulden Dritter über Jahrzehnte abtragen sollten, existiert ebenfalls nicht.

Staatsschulden

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Die Schuldenlast Griechenlands stieg mit der staatlichen Übernahme privater Schulden von Banken und Großunternehmen seit dem Jahr 2008 rasant an. Die Menschen dort hatten diese jedoch nicht verursacht.

Ob Griechenland letztlich Pleitegehen wird oder nicht, ist nicht mehr so wichtig wie noch vor einigen Jahren, denn die Europäische Zentralbank kauft aktuell mit ihrem endlosen QE-Programm durchschnittlich 60 Mrd. Euro an Schuldpapieren monatlich auf, wodurch ein Schock im griechischen Bankensystem keine Gefahr mehr für das internationale Finanzsystem darstellt. Auch die Schockwellen eines erneuten Wirtschaftsrückgangs in Griechenland sind für den Euroraum mittlerweile verkraftbar. Doch der wichtigste Punkt ist, dass alle weiteren Schuldenausfälle in Griechenland so oder so durch die EZB gegen frisch gedrucktes Zentralbankgeld monetarisiert werden, was zur Abwertung des Euros gegen Gold führen wird. 



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