Gold anonym kaufen: Absenkung der Bargeldgrenze ab 2020

21.11.2019 15:30  Von:: Tim Schieferstein

Die Gerüchte hielten sich in den vergangenen Monaten hartnäckig, doch inzwischen steht fest: Die Grenze für anonyme Bargeldzahlungen im Edelmetallhandel wird weiter gesenkt. Ab 2020 können die Deutschen nicht mehr für 10.000 Euro Gold anonym kaufen, sondern lediglich für unter 2.000 Euro. Die Entscheidung der Bundesregierung hat weit über den klassischen Edelmetallhandel hinaus hohe Wellen geschlagen. Viele Beobachter befürchten, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis anonyme Bargeldzahlungen beim Kauf von Gold und Silber komplett verboten werden. Doch ist diese Sorge berechtigt und will die Regierung verhindern, dass die Deutschen noch mehr Gold anonym kaufen?

Gründe für die Absenkung der Bargeldgrenze

Der „Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Änderungsrichtlinie zur Vierten EU-Geldwäscherichtlinie“ (so der sperrige Titel des Gesetzes) hat es in sich:

  • Auf Seite 51 ist zu lesen, dass eine „nationale Risikoanalyse“ ergeben habe, dass „insbesondere im Bereich des Goldhandels ein starker Bargeldverkehr knapp unterhalb der gegenwärtigen Schwelle für Identifizierungspflichten von 10.000 Euro stattfindet“.
  • Dem Gesetzgeber ist zudem ein Dorn im Auge, dass angeblich „offensiv“ damit geworben werde, wie viel Edelmetall identifizierungsfrei eingekauft werden könne. „Die im Gesetzentwurf avisierte Schwelle von 2.000 Euro zielt darauf ab, diesen Umgehungshandel zu unterbinden bzw. signifikant zu beschränken“, heißt es weiter.
  • Auf Seite 74 legt die Bundesregierung nach: „Zugleich ist im Bereich des Edelmetallhandels von einem erhöhten Geldwäscherisiko auszugehen.“ Laut dem Gesetzesentwurf soll mit der Regelung „mögliche Umgehungsgeschäfte und Smurfing“ unterbunden werden.
  • Die Kosten, welche Edelmetallhändlern durch die gesteigerten Dokumentationspflichten entstehen, liegen laut Berechnungen der Bundesregierung bei einen „einmaligen Aufwand“ von nur 164.000 Euro.

Offiziell beruft sich die Bundesregierung immer wieder darauf, dass sie lediglich EU-Recht in deutsche Gesetze überführt. Laut Internetseite des Deutschen Bundestages enthält das Gesetz zahlreiche Themen, welche infolge der Terroranschläge von Paris und Brüssel auf die politische Agenda gekommen sind. Die Regierung verweist zudem auf die sogenannten „Panama Papers“, mit denen die mutmaßliche Steuerhinterziehung zahlreicher prominenter sowie Unternehmen öffentlich gemacht wurde. Das Phänomen, das viele Deutsche ihr Gold anonym kaufen möchten, wird hier nicht direkt erwähnt und hat mit den Offshore-Geschäften auch nichts zu tun.

Chronologie der Absenkung der Bargeldgrenze

Die Absenkung der Bargeldgrenze auf 2.000 Euro ist seit längerer Zeit im Gespräch und war früh absehbar für viele kritische Zeitgenossen, die bisher ihr Gold anonym kaufen:

  • Die EU hat erstmals im Sommer 2018 die Vorlage für die deutsche Gesetzgebung verabschiedet. Diese Maßnahmen sollten vor allem Terrorismus und Geldwäsche bekämpfen.
  • Im Mai 2019 wurden die Pläne des Bundesfinanzministeriums bekannt, die Grenze für anonyme Bargeldzahlungen auf 2.000 Euro zu senken.
  • Am 3. September 2019 wurde eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage diverser FDP-Abgeordneter veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die Verdachtsmeldungen im Edelmetallbereich zwischen 2008 und 2018 zurück gegangen sind und nur einen Bruchteil der Gesamtmenge der Verdachtsmeldungen ausmachen.
  • Am 20. September 2019 hatte der Bundesrat eine Stellungnahme abgegeben und eine Senkung auf 1.000 Euro vorgeschlagen und darauf verwiesen, dass „gerade beim Handel mit Edelmetallen“ eine hohe Anfälligkeit für Geldwäsche vorhanden sei.
  • Der Bundestag hat am 14. November 2019 das Gesetz zur Absenkung der Bargeldgrenze beschlossen.

Höhe der Bargeldgrenze

Mit Beginn des Jahres 2020 sinkt die Grenze für anonyme Bargeldzahlungen im Edelmetallhandel in Deutschland auf 1.999 Euro. Wer für über 2.000 Euro Gold anonym kaufen möchte, muss sich ausweisen.

Zuvor galt seit dem 26.07.2017 eine Grenze von 9.999 Euro. Ab 10.000 Euro war eine Dokumentation der Identität des Käufers erforderlich.

Davor durften Edelmetallanleger anonym bis zu 14.999 Euro ausgeben.

Die Grenze von 2.000 Euro wird von vielen Beobachtern kritisch gesehen, weil dadurch der Kauf des beliebten 100-Gramm-Goldbarrens nicht mehr anonym möglich ist. Zudem ist auffällig, dass sich die Absenkung auf den Edelmetallhandel beschränkt. Der Handel mit Edelsteinen sowie Schmuck und Uhren ist weiterhin bis zu einer Grenze von 10.000 Euro anonym möglich.

Doch es hätte noch schlimmer kommen können: Der Bundesrat hat in einer Stellungnahme am 20.09.2019 eine Absenkung auf 1.000 Euro empfohlen. Eine entsprechende Bargeldgrenze gilt bereits in Frankreich. Durch die Senkung liegt die Bargeldgrenze in Deutschland nun unterhalb des Niveaus vieler anderer EU-Länder. So gilt beispielsweise in Spanien ein Limit von 2.500 Euro.

Allerdings haben diverse EU-Staaten ihre nationalen Regelungen in den vergangenen Jahren verschärft – und sogar die Schweiz hat reagiert. Dort gilt ab 2020 jedoch eine großzügige Grenze von 15.000 Franken.

Geldwäsche im Goldhandel? Zahlen und Fakten

Der Vorwurf, dass Investoren nicht nur Gold anonym kaufen wollen, sondern damit kriminelle Machenschaften begünstigen, ist nicht neu. Immer wieder werden Edelmetallkäufer und Händler mit Terrorfinanzierung, Geldwäsche und organisierter Kriminalität in Verbindung gebracht. Mehrere Abgeordnete der FDP-Bundestagsfraktion wollten es genauer wissen und starteten eine sogenannte „Kleine Anfrage“ an die Bundesregierung. Mithilfe dieses parlamentarischen Auskunftsrechts können Abgeordnete konkrete Informationen zu aktuellen politischen Fragestellungen einfordern.

Und die Details, die die Bundesregierung auf Nachfrage mitteilt, sind erstaunlich. So liegen der Bundesregierung keinerlei Zahlen zum jährlichen Volumen des Tafelgeschäfts mit Edelmetallen in Deutschland vor. Auf viele Detailfragen hat die Bundesregierung überhaupt keine Antwort. Sie kann allenfalls konkrete Zahlen zu den eingegangenen Verdachtsmeldungen übermitteln. Diese ist zwischen den Jahren 2008 und 2019 sprunghaft angestiegen. Im Jahr 2018 soll es demnach insgesamt rund 77.000 Verdachtsmeldungen gegeben haben, von denen nur 175 auf Edelmetalle entfallen. Bei der Mehrzahl dieser Fälle lag der Kaufbetrag in den allermeisten Fällen über der bis zum Jahresende noch gültigen Schwelle von 10.000 Euro. Dies heißt im Klartext: Der Geldwäscheverdacht wurde hauptsächlich bei Transaktionen geäußert, welche ohnehin nicht anonym durchgeführt werden können.  

Die Urheber der „Kleinen Anfrage“ zeigten sich nach Veröffentlichung der Ergebnisse empört: „Wenn lediglich wegen vier konkreten Fällen die Regierung die Schwelle für Tafelgeschäfte absenkt, dann zeigt das die ganze Absurdität der Verschärfung“, erklärte der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler am gleichen Tag gegenüber der Tageszeitung „DIE WELT“. Er meint, dass diejenigen zu Unrecht an den Pranger gestellt werden, die Gold anonym kaufen.

Fazit: Bundesregierung bekämpft Geld und Gold

Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage mehrerer FDP-Bundestagsabgeordneter lässt sich eindrucksvoll herauslesen, was die Regierung mit der Absenkung der Bargeldgrenze bezwecken will: „Edelmetalle bieten als Produkt – vergleichbar Bargeld – eine hohe Anonymität und eignen sich zur Anlage großer  Vermögenswerte bei überdurchschnittlicher Wertstabilität, einfacher Verbringungsmöglichkeit und globaler Akzeptanz“, heißt es dort. Die Bundesregierung hat die Vorteile der Edelmetalle also genau im Blick und möchte es bekämpfen, dass die Deutschen ihr Gold anonym kaufen. Und sie setzt Gold mit Bargeld gleich.

Auch wenn das Tafelgeschäft bis heute zu den beliebtesten Dienstleistungen moderner Edelmetallhändler zählt, denken inzwischen mehrere Handelshäuser darüber nach, den anonymen Verkauf von Edelmetallen komplett einzustellen. Denn die bürokratischen Hürden sind insbesondere für kleine Händler durch die neueste Gesetzeslage zu hoch geworden und womöglich schreckt es auch einzelne Kunden ab, unnötig unter Generalverdacht gestellt zu werden. Und es bleiben viele Fragen offen: Warum hat die Bundesregierung ausgerechnet den Edelmetallhandel in den Blick genommen, während andere Güter weiterhin bis zu einem Betrag von 10.000 Euro anonym gekauft werden können? Es ist wohl tatsächlich nur noch eine Frage der Zeit, bis die nächste Absenkung der Bargeldgrenze bevorsteht. Schließlich hat mit der jüngsten Reduzierung auf 2.000 Euro auch kaum jemand gerechnet. Und selbst wenn eine Abschaffung von Bargeld nicht direkt bevorsteht, sind wir endgültig im Zeitalter der finanziellen Repression angekommen.

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Tipp: In unserem Ratgeber erfahren Sie, was Sie beim anonymen Edelmetallkauf beachten müssen



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