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Gold unbeeindruckt von Basel III – Mehr Steuern und weniger Wohlstand - Analyse zu Platin

Seit über zwei Wochen handelt der Goldpreis in der Handelsspanne zwischen 1.760 und 1.800 US-Dollar sowie der Silberpreis zwischen 25,50 und 26,40 US-Dollar. Seit der hawkischen US-Notenbanksitzung, die der Katalysator für den Preisrückgang bei den Edelmetallen war, konnten sich diese nicht mehr erholen. Eine Trendumkehr beim US-Dollar hatte sich bereits in den letzten Wochen und Monaten angedeutet, weshalb der Anstieg des USD-Index sowie der Einbruch des Euros und des britischen Pfunds zum US-Dollar unsere Erwartungen spiegelte.

Die US-Arbeitsmarktdaten fielen am Freitag mit 850 Tsd. neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft einerseits besser aus als es der Markt erwartete, doch andererseits stieg die Arbeitslosenquote auf 5,9 % an, während man hier mit einem Rückgang auf 5,7 % gerechnet hatte. Aufgrund dieser Enttäuschung stiegen der Gold- und Silberpreis zum Wochenschluss noch einmal an und gingen am oberen Ende ihrer Handelsspannen ins Wochenende.

Auch der HUI-Goldminenindex konnte zum Wochenschluss leicht auf 270 Punkte zulegen, nachdem dieser zum Wochenanfang auf 263 Punkte fiel und so seit dem Hoch von Mitte Mai, bei dem wir dazu rieten Teilgewinne mitzunehmen, rund 19 % verloren hatte.

Phasen mit niedriger Volatilität in engen Handelsspannen, in denen Bullen und Bären erbittert kämpfen, werden oftmals durch einen plötzlichen Anstieg der Volatilität abgelöst. Je nachdem, welche Seite letztlich gewinnt, kommt es entweder zu einem panikartigen Abverkauf oder einem Short-Squeeze mit einem Preissprung, weshalb sich immer dann, wenn sich Notierungen einkeilen, Chancen am Markt auftun. Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis Gold und Silber ihre Handelsspannen verlassen und somit die Richtung für die nächsten Wochen vorgeben werden. Der neuerliche Preisrückgang war relativ einfach zu antizipieren. Doch aktuell scheinen die Bullen und Bären gleich stark zu sein, weshalb der Ausbruch aus der Handelsspanne die Entscheidung bringen wird – und dies womöglich noch in dieser Woche.

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Der starke US-Dollar 

Basel III stellt Gold dem Bargeld und Währungen gleich

Vergangene Woche traten die neuen Regeln zur Hinterlegung von Sicherheiten für europäische Banken in Kraft. Basel III ist eine bedeutende Veränderung im Umgang mit Gold, die möglicherweise die Edelmetallnachfrage verändern wird.

Basel III erhebt alloziertes Gold in physischer Form zu einem Null-Risiko-Asset. Physisches oder zugewiesenes Gold, wie Barren und Münzen, wird von einer Anlageklasse der Stufe 3, der risikoreichsten Anlageklasse, in eine Anlageklasse der Stufe 1 mit Null-Risiko-Gewichtung umgestuft, wodurch es nun direkt neben Bargeld und Währungen als Anlageklasse steht.

Auf nicht-alloziertes (nicht-zugewiesenes) Gold, das nur teilweise physisch vorhanden sein kann und mit dem Banken typischerweise am häufigsten handeln, trifft dies hingegen nicht zu. Nach den neuen Regeln wird nicht-alloziertes Gold nun riskanter als alloziertes physisches Gold eingestuft und nicht mehr als gleichwertiger Vermögenswert wie Goldbarren oder -münzen betrachtet.

  • Bei allozierten Gold wird dem Kunden ein bestimmter Barren zugeordnet. Die Bank fungiert quasi als Verwahrer, wobei das Edelmetall außerhalb der Bilanz gehalten wird. Dies bedeutet auch, dass die Banken auch für ihre eigenen Geschäftsaktivitäten nicht auf das Gold zugreifen können.
  • Wird Gold auf einem nicht-allozierten Konto gehalten, so sind die Banken hingegen Gläubiger. Dieses Gold wird, ähnlich wie hinterlegtes Bargeld, von Banken für ihr Tagesgeschäft verwendet. Als solches ist nicht zugewiesenes Gold fungibel und kann zum Clearing und zur Abwicklung von physischen Metalltransaktionen verwendet werden. Aus diesem Grund stellt es die für das Clearing- und Abwicklungssystem notwendige Liquidität zur Verfügung (ähnlich wie Fiat-Geld, das in einem fraktionalen Reservesystem häufig hunderte Male unter seinen verschiedenen Anspruchsberechtigten weiterverpfändet wird). Die LBMA weist darauf hin, dass dies den Clearing-Banken erlaubt, die Konten der Marktteilnehmer sofort mit Metall zu belasten bzw. gutzuschreiben, noch bevor das Metall des Verkäufers an den Käufer geliefert wird.

Die neuen Liquiditätsanforderungen sollen Händler und Banken daran hindern, ungerechtfertigt zu behaupten, sie hätten Gold in ihrem Besitz, sowie daran, Gold in ihrer Bilanz mehrfach zu verleihen. Banken müssen nun mehr Mittel für nicht-alloziertes Gold beiseitelegen, was die Kosten des Edelmetallhandels erhöhen wird.

Basel III schreibt vor, dass 85 % des nicht-allozierten Goldes mit einem Tier 1 Asset hinterlegt werden muss. Die neuen Regeln werden nicht nur die Kosten für das Clearing und die Abwicklung von Geschäften teurer machen, sondern auch das Ausleihen von Edelmetallen an industrielle Geschäftspartner, einschließlich Minen, Raffinerien und Verarbeiter. Dies könnte den Markt illiquider machen, was in Zeiten hoher Nachfrage oder hohem Angebot eine höhere Volatilität verursachen könnte.

Ob es einen Einfluss auf den Goldpreis haben und wie stark dieser sein wird, ist umstritten. Mit Inkrafttreten der neuen Regeln zeigte sich der Goldpreis schwach und handelte weiterhin an seiner Unterstützung bei 1.765 US-Dollar. Es ist hier kein preistreibender Einfluss zu erkennen, was auch nicht zu erwarten war. Die Banken dürften eventuelle Anpassungen schon im Vorfeld vorgenommen haben. Höhere Kosten müssen jedoch letztlich immer umgelegt werden, weshalb die Kosten für den An- und Verkauf von allozierten sowie nicht-allozierten Gold leicht steigen könnten.

Basel III soll die Gefahr eines weiteren Kollapses des Bankensystems, wie in der Finanzkrise von 2008, reduzieren. Es scheint logisch, Gold wie Geld als Tier 1 Asset zu behandeln und nicht-alloziertes Gold, das womöglich verliehen wurde, mit erhöhten Sicherheiten hinterlegen zu müssen. Im Vorfeld der Änderungen wurde Clickbait mit Warnungen vor einer Explosion des Goldpreises bei Inkrafttreten der Regeln betrieben. Derartige Meldungen sind für die gleiche Schublade wie die dutzend Male, in denen die COMEX in den letzten 20 Jahren vermeintlich vor dem Bankrott stand. Die Notenbanken, die ein vitales Interesse an einem gemächlichen Anstieg des Goldpreises haben, werden alles in ihrer Macht stehende tun, um einen schnellen und starken Anstieg des Goldpreises zu verhindern. Niemals würden diese oder die Staaten Gesetze und Vorschriften erlassen, die diesem Ziel zuwiderlaufen würden. Die laufenden Kosten und/oder der Spread für leicht handelbare Goldprodukte könnten sich infolge dieser Änderungen etwas erhöhen, was jedoch nicht so sein muss, doch letztlich bringen diese Änderungen auch eine erhöhte Stabilität.

Unabhängigkeitsfeiertag getrübt durch globale Mindeststeuer für Unternehmen

Die USA feierten am Sonntag ihren Unabhängigkeitstag, wobei dessen wichtige Bedeutung in einer zunehmend zentralistischen Welt langsam verloren geht. Der 4. Juli soll an die Unabhängigkeitserklärung erinnern, an Sezession, Rebellion und das, was die Briten damals als Hochverrat betrachteten. Die Boston Tea Party, die am Anfang der Rebellion stand, war unter anderem eine Reaktion auf den Tea Act, der Tee mit 3 % Steuern belegte.

Für heutige Europäer, die mit einer impliziten Staatsquote von 75 % leben, ist der Gedanke einer Rebellion oder Sezession wegen 3 % Steuern unvorstellbar. Mit Staatsquoten von 12 % bis 15 % in den USA und Europa noch zu Anbeginn des 20 Jahrhunderts, während eines Goldstandards und einem historisch höchsten Wirtschafts- und Wohlstandswachstum, können sich heute nicht einmal mehr die meisten Liberalen anfreunden.

Entgegen dem Geist der Gründerväter von Freiheit, Selbstbestimmung und freier Märkte, waren es ausgerechnet die USA unter Joe Biden, die zuletzt den Vorstoß für eine weltweit einheitliche Mindeststeuer für Unternehmen vorangetrieben hatten. Vergangene Woche einigten sich 130 von 139 Nationen auf einen einheitlichen Satz von mindestens 15 % für Unternehmen.

Es ist ein protektionistischer Akt der großen Industrienationen, in denen die Steuern ohnehin bereits höher sind als der neue Mindeststeuersatz. Man versucht, den Wettbewerb zu eliminieren, da man aufgrund der eigenen hohen Steuern eine Flucht des Steuerviehs fürchtet. Die kleinen agilen Nationen hingegen erleiden einen Wettbewerbsnachteil und einen finanziellen Schaden. Immerhin haben sich in Europa Irland, Ungarn und Estland dieser Regelung bisher entzogen.

Man erwartet durch diese Harmonisierung neue Steuereinnahmen in Höhe von 150 Mrd. Euro, doch viel wichtiger ist, dass die bisherigen Einnahmen erhalten bleiben. Jeder Bürger wird sich durch diese neuen Steuern am Ende des Tages weniger leisten können und ärmer werden. Steuern sind immer wohlstandsmindernd und schädlich für Fortschritt und Wirtschaftswachstum, was insbesondere für die Unternehmenssteuern gilt, da den Unternehmen so weniger Geld für Forschung sowie Investitionen bleibt und das Wachstum verringert wird.

Hätte man Gerechtigkeit und Wohlstand im Sinn gehabt, hätte man sich wohl auf einen maximalen Höchststeuersatz geeinigt. Diese erstmals weltweite Steuerharmonisierung ist schädlich für Wirtschaft, Wachstum und Wohlstand und dazu gefährlich, da sie den Höchststeuernationen erlaubt, weitere Steuern zu erheben, ohne sofort die Flucht inländischer Unternehmen zu fürchten.