Gold als Währungsreserven der Notenbanken

Notenbanken werden zu Nettokäufern von Gold

Eine wichtige Rolle hinsichtlich der monetären Funktion von Gold – indirekt aber auch von Silber – spielen die Notenbanken. Mit 31 Tsd. Tonnen sind gut ein Fünftel der überirdischen Goldbestände Notenbankgold. Die USA halten etwas mehr als ein Viertel des weltweiten Notenbankgolds – was etwa ihrem Anteil am Welt-Bruttoinlandsprodukt entspricht –, einen ähnlich hohen Anteil haben Deutschland, Italien und Frankreich zusammen. Großbritannien und Spanien sind unter den Notenbanken oder Organisationen, die 2012 mindestens 500 Tonnen Gold hielten, nicht vertreten (sie halten zusammen weniger Gold als die Niederlande).

Goldbestände der Notenbanken und deren Anteil an den Währungsreserven

Land/
Institution

1970
in
Tonnen

1990
in
Tonnen

März 2012
in
Tonnen

Anteil an den weltweiten Notenbankbeständen
2012 in %

Anteil an den eigenen Währungs-reserven
2012 in %

USA

9.839

8.146

8.134

26

77

Deutschland

3.537

2.961

3.396

11

74

IWF

3.856

3.217

2.814

9

-

Italien

2.565

2.074

2.452

8

73

Frankreich

3.139

2.546

2.435

8

73

China

-

395

1.054

3

1,8

Schweiz

2.427

2.590

1.040

3

17

Russland

-

-

883

3

10

Japan

473

754

765

2

3,2

Niederlande

1.588

1.367

613

2

63

Indien

216

333

558

2

11

EZB

-

-

502

2

35

Andere

8.967

11.199

6.276

20

-

Insgesamt

36.607

35.582

30.922

100

-

Quelle:  Eigene Darstellung nach Angaben von Wikipedia, Goldreserve (Internet: de.wikipedia.org/wiki/Goldreserve, Abruf vom 01.10.2012).

Im Jahr 1980 lag der Anteil von Gold an den internationalen Währungsreserven bei etwa sechs Zehnteln, inzwischen ist es nur noch ein Zehntel.[1] Hierin kommt die vorübergehend gesunkene Bedeutung des Golds – oder präziser formuliert: der Edelmetalle – für die Währungsabsicherung zum Ausdruck. Die länderspezifischen Unterschiede sind allerdings beträchtlich: Während Gold im März 2012 knapp drei Viertel der Währungsreserven der USA und Deutschlands ausmachte, waren es in der Schweiz nur 17 %, in Japan 3,2 % und in China 1,8 %. Es fällt aber auf, dass die Goldbestände aufstrebender Schwellenländer zuletzt deutlich stiegen. Russland (10 %) und Indien (11 %) haben inzwischen immerhin den weltweiten Durchschnitt erreicht. Der Nachholbedarf der sich sehr dynamisch entwickelnden Schwellenländer ist aber nach wie vor beträchtlich.

Einschränkung des Goldverkaufs und Goldverleihung von 1990

Die Möglichkeiten des Goldverkaufs und der Goldverleihung werden seit 1999 erheblich eingeschränkt.[2] Ein internationales Abkommen, das Central Bank Gold Agreement,[3] begrenzt die jährlichen Verkäufe zahlreicher europäischer Notenbanken. 2010 und 2011 wurde auf Jahresbasis von Notenbanken weltweit erstmals mehr Gold ge- als verkauft. In den kommenden Jahren ist damit zu rechnen, dass sich die weltweiten Nettokäufe der Notenbanken weiter erhöhen. Der Grund dafür ist, dass die Schwellenländer zur Stabilisierung ihrer Wirtschaft, ihrer Währung und ihres Finanzsektors ihre Währungsreserven zunehmend in Gold umschichten werden, aber auch – so u.a. die Absicht der chinesischen Regierung – in Silber.[4]

Das Volumen der Verleihung der Zentralbankbestände kann von den Unterzeichnerländern des CBGA I nicht mehr erhöht werden, da für sie die Goldverleihungen seit 1999 ausgesetzt sind. Dies gilt als einer der entscheidenden Gründe für den seit 2001 zu verzeichnenden Goldpreisanstieg.[5] Die USA, der IWF und Japan verleihen ohnehin kein Gold, Indien darf dies aus gesetzlichen Gründen nicht. Die Goldmenge, die vor diesem Hintergrund noch verliehen werden kann, wird auf nur noch 6,5 Tsd. Tonnen beziffert.[6] Dies entspricht nur noch etwas mehr als einem Fünftel der heutigen Notenbankbestände. Durch die sinkenden Goldverleihungen stiegen die Leihraten, die Vorausverkäufe der Goldproduzenten gingen zurück und der Goldpreis stieg, wovon zeitversetzt auch der Silberpreis profitierte.

 

 
Dieser Beitrag stammt von Dr. Jochen Dehio - Fachbuchautor des Buches "Gold oder Silber - wem gehört die Zukunft?".

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Zusammenfassung

 

 

[1] Vgl. Wikipedia, Goldreserve (Internet-Abruf vom 01.10.2012).

[2] Dennoch wird der Goldpreis durch Notenbanken auch weiterhin zu manipulieren versucht; vgl. Speck, D. (2010), Geheime Goldpolitik. Warum Zentralbanken den Goldpreis steuern. FinanzBuch Verlag, München.

[3] Vgl. Wikipedia, Central Bank Gold Agreement (Internet: de.wikipedia.org/wiki/Central_ Bank_Gold_Agreement, Abruf vom 01.10.2012).

[4] Vgl. Lambrou, A. (2010), Der Silberpreis holt schneller auf als Gold! (Internet: investor-verlag.de/der-silberpreis-holt-schneller-auf-als-gold-/111076582, Abruf vom 01.10.2012).

[5] Vgl. Siegel, M. (2007), Für den Kauf von Gold sprechen 7 gute Gründe (ein Kommentar zu dem gleichnamigen Artikel von Michael Schramm in der „Welt“; Internet: goldseiten.de/ content/diverses/artikel.php?storyid=4531, Abruf vom 01.10.2012).

[6] Vgl. Siegel, M. (1999), Goldstudie der BNP – Globale Goldperspektive (Internet: goldseiten. de/content/kolumnen/artikel.php?storyid=54, Abruf vom 01.10.2012).