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Gold als Währungsreserven der Notenbanken

Notenbanken werden zu Nettokäufern von Gold

Im Jahr 1980 lag der Anteil von Gold an den internationalen Währungsreserven bei etwa sechs Zehnteln, inzwischen ist es nur noch ein Zehntel. Hierin kommt die vorübergehend gesunkene Bedeutung des Goldes – oder präziser formuliert: der Edelmetalle – für die Währungsabsicherung zum Ausdruck. Die länderspezifischen Unterschiede sind allerdings beträchtlich: Während im Dezember 2019 Deutschland 3.537 Tonnen und die USA 9.839 Tonnen Gold gelagert hatten , waren es in der Schweiz nur 1040 Tonnen Gold, in Japan 765,2 und in China 1948,3 Tonnen Gold. Es fällt aber auf, dass die Goldbestände aufstrebender Schwellenländer von Januar 2000 bis Dezember 2019 zuletzt deutlich stiegen. Mexiko (1766 %), China (493 %), Türkei (354 %), Russland (537 %), Saudi-Arabien (226 %), Thailand (212 %), Kasachstan (688 %) und Indien (177 %). Der Nachholbedarf der sich sehr dynamisch entwickelnden Schwellenländer ist aber nach wie vor beträchtlich.

Goldbestände der Notenbanken und deren Anteil an den Währungsreserven

Land / Institution 1970 (in Tonnen) 1990 (in Tonnen) 01.01.2000 (in Tonnen) 31.12.2019 (in Tonnen)
USA 9.839 8.146 8.138,80 8.133,50
Deutschland 3.537 2.961 3.468,60 3.366,50
IMF 3.856 3.217 3.217,30 2.814,00
Italien 2.565 2.074 2.451,80 2.451,80
Frankreich 3.139 2.546 3.024,60 2.436,00
Russland - - 422,6 2.271,20
China - 395 395 1.948,30
Schweiz 2.427 2.590 2.590,20 1.040,00
Japan 473 754 753,5 765,2
Indien 216 333 357,8 633,1
Niederlande 1.588 1.367 911,8 612,5
EZB - - 747,4 504,8
Taiwan - - 422,1 422,4
Türkei - - 116,4 412,5
Kasachstan - - 56 385,5
Portugal - - 606,7 382,5
Usbekistan - - - 335,9
Saudi-Arabien - - 143 323,1
Großbritanien - - 588,3 310,3
Libanon - - 286,8 286,8
Spanien - - 523,5 281,6
Österreich - - 407,5 280
Polen - - 102,8 228,6
Belgien - - 258,1 227,4
Philippinen - - 203,5 197,9
Algerien - - 173,6 173,6
Venezuela - - 311 161,2
Thailand - - 72,6 154
Singapur - - - 127,4
Schweden - - 185,4 125,7
Südafrika - - 124,4 125,3
Mexiko - - 6,8 120,1
Libyen - - 143,8 116,6
Griechenland - - 132 113,5
Südkorea - - 13,6 104,4
Rumänien - - 103,7 103,6
BIS - - 199 102
Irak - - - 96,3
Ägypten - - 75,6 79,2
Kuwait - - 79 79

Die Möglichkeit, Gold zu verkaufen und zu verleihen werden seit 1999 erheblich eingeschränkt.[1] Das internationale Abkommen "Central Bank Gold Agreement" begrenzt die jährlichen Verkäufe zahlreicher europäischer Notenbanken. 2010 und 2011 wurde auf Jahresbasis von Notenbanken weltweit erstmals mehr Gold ge- als verkauft. In den kommenden Jahren ist damit zu rechnen, dass sich die weltweiten Nettokäufe der Notenbanken weiter erhöhen. Der Grund dafür ist, dass die Schwellenländer zur Stabilisierung ihrer Wirtschaft, ihrer Währung und ihres Finanzsektors ihre Währungsreserven zunehmend in Gold umschichten werden, aber auch – so u.a. die Absicht der chinesischen Regierung – in Silber.[2] Das Volumen der Verleihung der Zentralbankbestände kann von den Unterzeichnerländern des CBGA I nicht mehr erhöht werden, da für sie die Goldverleihungen seit 1999 ausgesetzt sind. Dies gilt als einer der entscheidenden Gründe für den seit 2001 zu verzeichnenden Goldpreisanstieg.[3] Die USA, der IWF und Japan verleihen ohnehin kein Gold, Indien darf dies aus gesetzlichen Gründen nicht. Die Goldmenge, die vor diesem Hintergrund noch verliehen werden kann, wird auf nur noch 6,5 Tsd. Tonnen beziffert.[4] Dies entspricht nur noch etwas mehr als einem Fünftel der heutigen Notenbankbestände. Durch die sinkenden Goldverleihungen stiegen die Leihraten, die Vorausverkäufe der Goldproduzenten gingen zurück und der Goldpreis stieg, wovon zeitversetzt auch der Silberpreis profitierte.

 

 
Dieser Beitrag stammt von Dr. Jochen Dehio - Fachbuchautor des Buches "Gold oder Silber - wem gehört die Zukunft?".

Mehr zum Autor und dem Buch

[1] Dennoch wird der Goldpreis durch Notenbanken auch weiterhin zu manipulieren versucht; vgl. Speck, D. (2010), Geheime Goldpolitik. Warum Zentralbanken den Goldpreis steuern. FinanzBuch Verlag, München.

[2] Vgl. Wikipedia, Central Bank Gold Agreement (Internet: de.wikipedia.org/wiki/Central_ Bank_Gold_Agreement, Abruf vom 01.10.2012).

[3] Vgl. Lambrou, A. (2010), Der Silberpreis holt schneller auf als Gold! (Internet: investor-verlag.de/der-silberpreis-holt-schneller-auf-als-gold-/111076582, Abruf vom 01.10.2012).

[4] Vgl. Siegel, M. (2007), Für den Kauf von Gold sprechen 7 gute Gründe (ein Kommentar zu dem gleichnamigen Artikel von Michael Schramm in der „Welt“; Internet: goldseiten.de/ content/diverses/artikel.php?storyid=4531, Abruf vom 01.10.2012).