Prognose für den Goldpreis

Grundsätzliche Einschätzungen zum Goldpreis

Nur wenige haben den Aufschwung der Edelmetallpreise nach der Jahrtausendwende vorausgesehen (wie z. B. Markus Mezger[1]). Vergleichsweise viele waren es dann, die später den Blick in die Zukunft wagten. Die nächste Tabelle gibt einen Überblick über die Einschätzungen von Goldmarktexperten zur Entwicklung des Goldpreises bis zum mutmaßlichen Höhepunkt des laufenden Rohstoff- und Edelmetallzyklus, der voraussichtlich noch im Verlauf der zweiten Hälfte des laufenden Jahrzehnts erreicht werden dürfte.

Goldpreisprognosen von Goldmarktanalysten

Person/Institution

US-$ je Feinunze

Uwe Bergold (GR Asset Management)1

5.000

Yan Chen (Standard Chartered)2

5.000

Folker Hellmeyer (Bremer Landesbank)3

5.000

Harald Weygand (GodmodeTrader)4

5.000

75 weitere Analysten mit Prognosen von ...5

… mind. 5.000 bis 20.000

Quelle: 1 Cash-Online.de (2009), Der Goldpreis dreht bei 5.000 Dollar (Internet: cash-online.de/investmentfonds/2009/der-goldpreis-dreht-bei-5-000-dollar/16470, Abruf vom 01.10.2012); 2 Goldreporter.de (2011), Banken-Prognose: Gold steigt auf 5.000 Dollar wegen Angebotsengpass (Internet: goldreporter.de/banken-prognose-gold-steigt-auf-5-000-dollar-wegen-angebotsengpass/gold/10183, Abruf vom 01.10.2012); 3 Goldsparplan24.com (2011), Goldpreisprognose 5.000 bis 7.000 US-Dollar die Unze in den kommenden Jahren (Internet: goldsparplan24.com/blog/goldpreis/goldpreis prognose-5-000-bis-7-000-us-dollar-die-unze-in-dem-kommenden-jahren.html, Abruf vom 01.10.2012); 4 Ariva.de (2010), Wird der Goldpreis bis 10.000 $ pro Feinunze ansteigen? (Internet: ariva.de/Wird_der_Goldpreis_bis_10_000_pro_Feinunze_
ansteigen_c3445394, Abruf vom 01.10.2012); 5 MunKnee.com (2011), Update: These 90 Analysts Believe Gold Will Go to $5,000/ozt. – or More! (Internet: munknee.com/ 2011/06/update-these-90-analysts-believe-gold-will-go-to-5000ozt-or-more, Abruf vom 01.10.2012).

Das Erreichen eines Goldpreises von mindestens 5.000 US-$ je Feinunze Gold erfordert eigentlich nur, dass sich die nachfolgenden Trends in etwa wie erwartet fortsetzen:

  • Andauern des laufenden Rohstoff- und Edelmetallzyklus,
  • verstärkte Wahrnehmung der Endlichkeit der Ressourcen,
  • weiterer Vertrauensverlust in das Papiergeldsystem,
  • weiter steigende Investitionsnachfrage.

Im Folgenden werden Relationen zwischen dem Goldpreis und einigen Finanzmarktgrößen zahlenmäßig unterlegt, die darauf hindeuten, dass die Aufwärtsbewegung noch viel Luft nach oben hat:[2]

  • Der Anteil von Gold und Goldminenaktien am Weltfinanzvermögen lag 1921 bei 28 %, 1932 bei 20 %, 1948 bei 30 % und 1981 bei 26 %. Ende 2009 betrug der Anteil (einschließlich ETFs) bei einem Weltfinanzvermögen von knapp 200 Billionen US-$ gerade einmal 2,6 %. Um den gleichen Anteil wie im Jahr 1981 zu erreichen, müsste der Goldpreis auf 12.000 US-$ steigen.
  • Um die Geldmenge MZM[3] der 37 weltweit bedeutendsten Industrieländer in Höhe von 53 Billionen US-$ (2009) mit deren Notenbankgold decken zu können, wäre ein Goldpreis von 58.000 US-$ vonnöten, könnte das gesamte weltweit verfügbare Gold herangezogen werden, müsste er auf 13.000 Tsd. US-$ steigen.
  • 1980 war die US-Geldmenge M1 zu 45 % durch Notenbankgold gedeckt, 2009 noch zu 5 %. Der Goldpreis müsste auf über 10.000 US-$ steigen, um die Deckung von 1980 zu erreichen.
  • Staats-, Banken- und Unternehmensanleihen betrugen Ende 2009 weltweit 92 Billionen US-$. Der Goldpreis müsste auf knapp 60.000 US-$ steigen, um den Rentenmarkt mit dem weltweit verfügbaren Notenbankgold vollständig decken zu können.
  • 1938 waren 55 % der US-Schulden durch die Goldbestände der US-Notenbank gedeckt, Anfang der 1980er-Jahre 17 % und 2009 – trotz seit 2001 verfünffachtem Goldpreis – nur noch 0,6 %. Der Goldpreis müsste auf 200.000 US-$ steigen, um die Schulden der privaten Haushalte, des Staates, der Unternehmen und der Banken der USA in Höhe von 52 Billionen US-$ (das 3,7-fache des US-Bruttoinlandsprodukts 2009) durch die US-Notenbankbestände abdecken zu können.
  • Das weltweite Derivate-Volumen betrug Ende 2009 690 Billionen US-$ (Mitte 2006: 260 Billionen US-$) und damit das 10-fache des seinerzeitigen Welt-Immobilienvermögens, mehr als das 10-fache des Welt-Bruttoinlandsprodukts, das 14-fache des weltweiten Aktienvermögens, das 125-fache des Werts der gesamten physischen Goldbestände und das 1.750-fache des Werts der weltweiten physischen Silberbestände.

Das Schaubild zeigt die Goldpreisentwicklung seit dem Jahr 1900 und die mögliche Entwicklung in den kommenden Jahren. Es wurde dabei eine logarithmische Funktionsform gewählt, da sie die relative Veränderung anschaulich darlegt. Wir befinden uns bereits deutlich jenseits der Marke von 1.000 US-$. Bis zur Erreichung der Marke von 5.000 US-$ geht es somit nur noch um den verbleibenden Anstieg am rechten Rand der Grafik.

Goldpreisentwicklung

Wertentwicklung von Gold in der Vergangenheit mit Prognose für die Zukunft

Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Angaben von Markt-Daten.de (Internet-Abruf, vom 01.06.2012).

http://local.goldsilber-magento.de/goldpreis.html

In den 1970er-Jahren stieg der Goldpreis um das 24-fache (von 35 auf 850 US-$). Er müsste bezogen auf den Tiefstpreis von 250 US-$ in 2001 also lediglich um das 20-fache steigen, um 5.000 US-$ je Feinunze Gold zu erreichen. Das Zwischenhoch des Goldpreises von 1980 (nominal 850 US-$) entspricht, deflationiert mit der offiziellen Inflationsrate, einem heutigen Realwert von 2.300 US-$. Deflationiert man dagegen mit der 1980 geltenden Berechnungsmethode, ergibt sich ein Realwert von 7.500 US-$. Das Mittel dieser mit unterschiedlichen Methoden inflationsbereinigten Goldpreise ergibt 5.000 US-$. Ein Goldpreis in Höhe von 5.000 US-$ wäre Berechnungen zufolge auch erforderlich, um eine signifikante Ausweitung der Reichweite der unterirdischen Ressourcen zu bewirken.[4] Goldpreise von 5.000 US-$ lassen sich auch mit Hilfe der Eeden-Müller-Goldpreistheorie sowie anhand der Dow-Gold-Ratio und der Gold-Öl-Ratio herleiten.

 

 
Dieser Beitrag stammt von Dr. Jochen Dehio - Fachbuchautor des Buches "Gold oder Silber - wem gehört die Zukunft?".

Mehr zum Autor und dem Buch

 

Fortsetzung des Grundlagenwissens Gold und Silber

Entstehung, Vorkommen und Förderung


Geschichte von Edelmetallen als Währung


Angebot, Nachfrage und Bestände


Historische Wertentwicklung


Prognose für die zukünftige Wertentwicklung


Investitionsmöglichkeiten


Zusammenfassung

 

 

[1] Vgl. Mezger, M., M. Stahl, R. Reichert, G. Single und M. Krauß (2000), Gold – Ein neuer Megatrend? Baden-Württembergische Bank, Stuttgart (Internet: goldseiten.de/content/kolum nen/download/bwb-172_gold.pdf, Abruf vom 01.10.2012); vgl. Mezger, M. (2002), Silber – Glanzvolles Comeback eines Edelmetalls. Baden-Württembergische Bank, Stuttgart (Internet: goldseiten.de/content/kolumnen/download/bwb-173_silber.pdf, Abruf vom 01.10.2012).

[2] Vgl. Stöferle, R.-P. (2010), In Gold we trust (Internet-Abruf vom 01.10.2012): S. 21 und 71; Schulte, T. (2010), Silber – das bessere Gold: S. 21 und 148.

[3] Vgl. Wikipedia, Geldmenge (Internet: de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge#cite_note-2, Abruf vom 01.10.2012). – Die Geldmenge MZM (money of zero maturity) setzt sich zusammen aus Bargeld, Giro-, Spar- und privaten Geldmarktkonten sowie institutionellen Festgeld- und Geldmarktkonten.

[4] Vgl. Stöferle, R.-P. (2009), In Gold we trust (Internet-Abruf vom 01.10.2012): S. 21.